Mittwoch, 25. Februar 2015

10 Irrtümer über die Schwangerschaft


Bild: flickr.com
Ja, meine Fehlannahmen gingen sage und schreibe schon VOR der Schwangerschaft los, denn meine erster Irrtum war folgender:

1. Man wird nach dem Absetzen der Verhütung ziemlich schnell schwanger
Schande über mein Haupt, denn als Apothekerin sollte ich das eigentlich besser wissen. Und ich wurde natürlich auch prompt eines besseren belehrt, denn wie ich hier schon beschrieben habe, wurde die Kinderwunschzeit erheblich länger, als in meinem perfekt zurecht gelegten Plan à la "Jetzt bin ich bereit für ein Baby."
Danach ging es direkt weiter mit dem positiven Schwangerschaftstest:

2. Ein postiver Test ist eindeutig
Ja, eigentlich ist das auch kein Irrtum. Als ich ihn in den Händen hielt, war ich mir trotzdem nicht sicher: ist das jetzt tatsächlich ein "+"?
Also nur zur Sicherheit nochmal in ebenjene Drogerie fahren, aus der ich gerade kam und noch einen digitalen kaufen- da steht es wenigstens in Worten da. Dies war bei meiner ersten Schwangerschaft, die ja leider in einer Fehlgeburt endete. Richtig dramatisch wurde es in der jetztigen, denn nun gehörte ich ganz offiziell zu der Gruppe Frauen, die ich immer nur milde belächelt hatte: hier taten es nicht ein Test oder zwei, nein- hier hielten nun zusätzlich die Digitaltests mit Wochenanzeige Einzug, um zu überprüfen, ob das HCG denn auch wirklich so steigt, wie es soll. Ich sag nur Hormone.
Was mich gleich zum dritten Punkt führt:

3. Schwangerschaftshormone machen schön und man strahlt förmlich von innen
Tja, was soll ich sagen? Das einzig strahlende an mir sind meine Augenringe- leuchtend blau. Nichts von wegen rosiger Teint (dieser glich anfangs einem pickeligen Teenie, nun bin ich blaß- nicht die ebenmäßige Blässe von Schneewittchen, sondern einfach nur fahl. Ich warte auf meine Eisenwerte.), glänzendem Haar (na gut, wenn man das schnelle Nachfetten als Glanz bezeichnen möchte...) und sinnlicher Ausstrahlung (ja, mein Bauch wird größer, genauso wie mein Hintern und meine Oberschenkel- aber wieso zum Teufel wachsen die Brüste nicht???).
Alles genauso wenig zutreffend wie mein nächster Irrtum:

4. Schwangere sind ausgeglichen und schweben auf zartrosa Wolken
Das würde ich ja wirklich gerne behaupten und ich schiele tatsächlich neidisch auf jede Schwangere, die von einer sprühenden Herzchen-Aura umgeben ist. Ich war die ersten Monate tatsächlich nur genervt- ja, trotz Wunschkind- und habe zu Herrn M. gesagt, dass wir definitv niemals ein zweites Kind bekommen werden (außer wir adoptieren es). Seitdem diesen grauenvollen Hyperemesis-Monate nun vorbei sind, hat sich alles gebessert- trotzdem bin ich genauso ungeduldig wie eh und je und gehöre keineswegs zu den Mommys to be, die sich ständig seelig lächelnd über den Bauch streichen und ganz entspannt und in sich selbst ruhend Yoga- und Babyvorbereitungskurse zelebrieren. Ja, genauso habe ich mich vor meinem inneren Auge gesehen...und hatte die Annahme, dass sich auch mein gesamtes Umfeld mit mir ebenso entspannt zurücklehnt und auf den Tag x freut:

5. Freunde und Bekannte nehmen Anteil und unterstützen mich mit guten Ratschlägen
Hmm, Anteil wird durchaus genommen und Ratschläge hagelt es geradezu. Ob diese gut sind, sei dahin gestellt. Denn wie ich schon hier beschrieben habe: es nervt! Ich bin Freiwild, jede/r hat einen mehr oder weniger (meist eher letzters) sinnvollen Tipp für mich parat und alle scheinen zu denken, dass mit Wachstum des Bauches die Fähigkeit eigenständig zu denken direkt proportional schrumpft. Tut sie nicht! Auch wenn Herr M. letztens behauptet hat, dass das Gehirn der Frauen in der Schwangerschaft kleiner wird- ich vermute, das war Wunschdenken. Aber dies bringt mich gleich zum nächsten Punkt:

6. Die "Schwangerschaftsdemenz" ist reine Erfindung
Ich habe irgendwann mal dieses Wort gelesen und sofort unter Fiktion bzw. Ausreden werdender Mütter abgetan. Sehr ignorant, denn plötzlich wurde ich von selbiger heimgesucht. Dinge verschwinden und tauchen (irgendwann!) an den seltsamsten Orten wieder auf, ich vereinbare Termine und kann mich nicht mehr daran erinneren (Danke, liebe Kalender-App, dass es dich gibt!) oder kaufe Sachen doppelt, weil ich vergessen habe, dass ich dies schon erledigt habe (es gibt Zeiten, da könnten wir uns ausschließlich von Zwiebeln ernähren. Gefolgt von der Paprika-Woche. Und nein, ich weiß nicht wieso in der Speisekammer plötzlich 4 Mal die gleiche Marmelade steht!).
Herr Ms persönliches Highlight: mein vermeintlich gesperrter Onlinezugang. Als ich mich zum Onlinebanking einloggen wollte, kam als Hinweis, dass diese Daten ungültig seien. Ich war mir aber zwecks der PIN ganz sicher und dachte an einen Tippfehler. Also nochmal wiederholt- mit gleichem Ergebnis. Vorsichtshalber die PIN nachgeschaut (ich hatte tatsächlich einen Zahlendreher!!!)- aber wieder kein Zugang. Also wurde ich leicht panisch, denn mein Konto war bestimmt gehackt worden! Hysterischer Anruf beim Online-Service: sie hätten keine Vorgänge- auch keine Login-Versuche meinerseits zu verzeichnen. Noch mehr Verwirrung bei mir- bis mir irgendwann (und damit meine ich irgendwann!) auffiel, dass ich den falschen Benutzernamen eingegeben hatte. Ich wollte mich mit meinem Amazon-Konto bei der Bank einloggen- dort habe ich einen Namen, also aus Buchstaben bestehend, während ich beim Banking eine Zahlenkombi eingeben muss. Nicht einmal das ist mir aufgefallen!
Dafür habe ich noch ein weiteres Klischee zu bieten:

7. Schwangerschaftsgelüste sind eine Ausrede, damit man möglichst viel essen kann
Das dachte ich tatsächlich, denn wem sollen denn bitte Essiggurken mit Nutella schmecken?
Doch in diesem Punkt entspreche ich tatsächlich ganz dem Bild einer Klischee-Schwangeren: ich habe Heißhunger. Auf die seltsamsten Sachen. Nein, keine Essiggurken, sooo abgeflacht bin ich dann doch nicht.
Aber dass ich plötzlich auf fettriefende Krapfen, Schlagsahne pur und so gut wie allen Süßigkeiten komplett abfahre, hatte ich ja schon mehrfach erwähnt. Nur wird das leider nicht besser, das geht seit *hüstel* 3 Monaten(!!!) so. Noch parallel zum damaligen Erbrechen, das ist echt schon fast krank.
Mein einziger Trost war die Antwort meines schwulen Friseurs, dem ich letztens verschämt erzählt habe, dass ich fast jeden Tag einen Krapfen esse: "aaach weißt du, ich esse täglich zwei davon!" wisperte er mir ebenso leise zu- und kredenzte mir den übrig gebliebenen aus seinem 3er Pack.
Bei diesem ultra-gesunden Nahrungskonsum wundert es mich, dass sich folgende Annahme doch nicht bestätigt hat:

8. Den Schwangerschaftsbauch erkennt man deutlich im 4. Monat
Ja, das habe ich in meiner Unwissenheit tatsächlich gedacht. Im 4. Monat war er noch nicht mal ansatzweise zu sehen. Im 5. Monat kam dann langsam eine leichte Wölbung, aber scheinbar immer noch nicht erkennbar genug.
Ich erinnere mich an Weihnachten -20. SSW- als ich meiner Familie verkündet hatte, schwanger zu sein. Das ganze lief folgendermaßen ab: ich stolzierte in einem engen, bauchbetonendem Pulli in der Gegend rum und präsentierte meinen Bauch- meiner Meinung nach durchaus sichtbar. Niemand sagte irgendwas. Irgendwann hat dann meine Mama (die es ebenso wie mein Vater und meine Schwester schon wussten) in die Runde gefragt: "fällt euch an Manati nichts auf?". Daraufhin verhaltene Reaktionen: "Hmm, neue Frisur?"- "Neuer Lederrock?". Also platzte es aus mir heraus: "Ich bin schwanger!!!5. Monat!!!!".
Glaubte mir zuerst niemand, scheinbar gingen meine Verwandten- wie ich- auch davon aus, dass der Bauch zu diesem Zeitpunkt eindeutig sichtbar und als Babykugel identifizierbar sein muss!
Auch Anfang des 6. Monats- der Bauch wuchs- sah ich noch nicht schwanger aus, sondern eher nach "zu viel gegessen?". Dieser Zustand hielt sich trotz kontinuierlichem Wachstum bis in den 7. Monat rein. Da war er dann *endlich* auch als richtiger Babybauch zu erkennen. (Das Bauchwachstum ist z.B. hier zu verfolgen)
Im Übrigen dachte ich, dass der wachsende Bauch und die vermeintlichen Glückshormone das einzige sind, was sich groß ändern wird. Fehlanzeige!:

9. Durch eine Schwangerschaft ändert sich nicht viel
Dies meinte ich bezogen auf meinen Lebensstil. Also klar, Alkohol ist tabu und Rauchen tu ich sowieso nicht.
Ansonsten ging ich aber davon aus, dass sich sowohl bei meinem Schlafrhythmus als auch meinen sonstigen Ernährungsgewohnheiten nichts groß ändern wird.
Pustekuchen! Während das Schlafbedürfnis im 3. und 4. Monat so überwältigend war, dass ich praktisch nur noch hätte schlafen können und tatsächlich auch schon immer um 9 ins Bett gefallen bin (wenn ich geschlafen hab, musste ich mich wenigstens nicht übergeben), hat es sich seit Ende des 5. Monats dahingehend entwickelt, dass ich einfach nicht mehr schlafen kann. Kaum eine Nacht, in der ich nicht stundenlang lese und auf lediglich 3-5 Stunden zerstückelten Schlaf komme. *Nerv*. Dass ich dafür tagsüber immer müde bin, muss ich wahrscheinlich nicht erwähnen.

Was das Essen betrifft, war ich anfangs wirklich schockiert. Gut, der Verzicht auf Rohmilchprodukte und nicht durchgegartes Fleisch fiel mir als bekennender Mettwurst- und Rinderfilet medium-rare-Junkie anfangs etwas schwer, ist aber durchaus machbar. Aber plötzlich entdeckte ich mich beim googlen "Besteht Käsesorte xy aus Rohmilch?"- "Ist Lyoner/Fleischwurst/... eine Brühwurst?" und ich begann im Restaurant nachzufragen, ob der Mozzarella im Salat denn aus pasteurisierter Milch hergestellt wurde (ach ja, und der Salat ist ja hoffentlich schon gründlich gewaschen?).
Ungeahnte Ausmaße nahm das Ganze an, als ich in einem Expertenforum unterwegs war, wo echte Ärzte mit einer Engelsgeduld unzählige Fragen beantworten. 
Ich las mich also durch die Ratschläge des Ernährungsfachmannes- und wurde zunehmend demoralisiert. Listerien und Toxoplasmen schienen ein Eigenleben zu führen und nur darauf zu lauern, sich explosionsartig zu verbreiten auf der Suche, nach einer Schwangeren. 
Letztere kamen -zumind. in meinen Augen- auf wirklich absurde Ideen: so machte sich eine Dame Gedanken, dass sie beim Bäcker um die Ecke einen Cappuccino getrunken habe- ob denn in der Milch Listerien sein können? 
Die Antwort fand ich noch wesentlich schlimmer: Vorsichtshalber rät der Experte davon ab, denn wenn die Kaffeemaschine nicht täglich gereinigt wird, können sich hier Bakterien sammeln und wenn der Milchschaum mittels Schlauch erzeugt wird, sei das unhygienisch. 
Schluck. Ich weiß nicht, was der gute Mann unter "Reinigung" versteht, aber dass sich die mir geläufigen Geräte automatisch vor jeder neuen Inbetriebmaßnahme durchspülen und ich durchaus von frischem Wasser ausgehe (ich meine, wer lässt- sofern es kein Frischwasseranschluß ist- das Wasser im Tank tagelang stehen? Gerade wenn jemand Kaffee verkauft, muss er zwangsläufig immer wieder den Tank nachfüllen!), empfinde ich als selbstverständlich. 
Und ich ging in meiner laienhaften Annahme tatsächlich davon aus, dass durch das Erhitzen der Milch -die kocht ja fast- potentielle Keime abgetötet werden. Der durchaus sympathische Experte belehrte mich eines besseren, denn die Erhitzungsdauer sei zu kurz. 
Nachdem ich auch noch gelesen hatte, dass man angeschnittenes Obst innerhalb von 2 Tagen (gelagert im Kühlschrank) verbrauchen solle (hat der jemals eine Melone gegessen? Wie soll ich das Ding innerhalb von 2 Tagen kleinkriegen?) oder dass man angebrochene Packungen von was-auch-immer (u.a. Schokolade, Müsli, Zwieback,...) nicht lagern, sondern vorsichtshalber ebenfalls innerhalb einer Woche aufessen solle, beschlich mich langsam das Gefühl: die Schwangerschaft wird pathologisiert! Aber sowas von! 
Einerseits wird geschrieben, ich solle "nur die normalen Hygienemaßnahmen einhalten" und müsse "nicht unter einer Glasglocke" leben, andererseits dann aber diese Hinweise?
Mittlerweile habe ich wieder mein gesundes Maß gefunden- Rohmilch und rohes Fleisch nein, aber ich trinke weiterhin Kaffee- auch mit Schaum, auch auswärts, bewahre angebrochene Packungen definitiv länger als eine Woche auf (selbst mit meinen Freßgelüsten würde ich das gar nicht schaffen!) und putze meine Küche auch nicht 3x täglich mit Essigreiniger. Und anschließend Isopropanol.

10. ...
Mir fällt gerade tatsächlich nichts mehr ein. Da mein 9ter Punkt auch so lange war, verzichte ich darauf, mir noch etwas aus meinen schwangerschaftsdementen, geschrumpften (???) Hirn zu saugen. Aber vielleicht habt ihr ja stattdessen Lust, mir eure Irrtümer über die Schwangerschaft mitzuteilen!
Schreibt oder verlinkt sie doch einfach in den Kommentaren- oder macht ebenfalls bei der Blogparade mit:

Mit diesem Post möchte ich mich an der Blogparade der lieben Alina von "Liebling, ich blogge jetzt!" beteiligen. Sie hat hier einen herrlichen Beitrag über ihre 10 größten Irrtümer einer Mutter verfasst, bei dem ich mich vor Lachen mehrmals kringeln musste- und (zumind. was die Schwangerschaft betrifft, über mehr kann ich ja noch nicht mitreden) oftmals selbst erkannt habe.

Kommentare:

  1. Hallo Manati,
    du schreibst sehr witzig über deine Irrtümer.
    Ich habe mich köstlich amüsiert und hoffe, dass du deinen Wonneproppen bald gesund in den Armen hältst.
    Schön, dass du bei der Blogparade mit gemacht hast.
    LG

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  2. Liebe mamasmäuse,
    vielen Dank für deinen netten Kommentar, es freut mich, wenn es dir gefallen hat!
    LG, Manati

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  3. Hallo Manati,
    klasse Beitrag und wahre Worte in einem sehr witzigen Stil geschrieben. :) Das einzige was bei mir nicht zutrifft sind die Gelüste. Und ich muss sagen da bin ich froh drüber. :D

    Gruß
    Tin

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  4. Vielen Dank für deinen Kommentar, Tin. Auf die Gelüste würde ich eigentlich auch gerne verzichten...aber die sind irgendwie unbeeinflussbar ;-)
    LG

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