Sonntag, 15. Februar 2015

{Flashback} Kinderwunschzeit und Fehlgeburt



Noch vor 2 Jahren hatte ich mit Familienplanung relativ wenig am Hut. Klar, ich wollte *irgendwann* einmal Kinder. Aber jetzt erstmal noch Reisen und frei sein, in schöne Restaurants gehen und den Abend lieber mit einem guten Glas Wein als mit weinenden Kindern verbingen.
Nach einem -wirklich tollen- Karibikurlaub im Jahr 2013 stellte ich mir aber anschließend die Frage "ist das jetzt alles?" Ich wollte mehr als "nur" Urlaube in fernen Ländern, hatte genug gefeiert und fühlte mich plötzlich bereit. Damit war ich ohnehin spät dran, war ich doch damals schon 31.

So ließen wir es erst einmal langsam angehen, getreu dem Motto "wenns passiert, dann passierts!". Aber es passierte zunächst- nichts.
Also ging ich die Sache genauer an, Zykluskalender und Ovu-Tests hielten Einzug, der Eisprung wurde bestimmt. Aber hallo? Laut diesen Dingern hatte ich -trotz regelmäßigen Zyklus- keinen Eisprung! Im ersten Monat habe ich mir noch nichts gedacht, ist es doch relativ normal, dass es immer wieder anovulatorische Zyklen gibt, im zweiten Monat wurde ich dann schon etwas nervös und da ich sehr ungeduldig bin, habe ich dann sofort einen Termin beim Gyn ausgemacht- auf den ich fast 2 Monate warten musste!
In diesen Zyklen geschah auch wieder-nichts. Der Termin beim Frauenarzt war dann auch total lächerlich, denn die gute Ärztin hat mich lediglich zu einem Endokrinologen überwiesen, da dieser alles abklären müsse. Eigentlich habe ich auf ein Zyklusmonitoring gehofft, aber dieses wolle sie erst machen, wenn die Hormonwerte vom Facharzt vorliegen. Ich musste sie fast zwingen, mich wenigstens auf dem Stuhl zu untersuchen, denn rechnerisch hätte ich eigentlich gerade meine fruchtbaren Tage. Sie hat dann auch tatsächlich einen "eigentlich sprungreifen" Follikel entdeckt, könne aber nicht sagen, ob er wirklich springt. Einen Termin zur Kontrolle, ob er dies denn getan hat, wollte sie mir nicht geben. Erst zum Endokrinologen. Ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, dass ich diese Ärztin bald gewechselt habe.

Um es kurz zu fassen: Es gab im Folgenden zunächst den Endokrinologentermin mit einer Wartezeit von über 3 Monaten, dann wochenlanges warten aufs Ergebnis, auf den erneuten Gyntermin etc. Mittlerweile war fast ein halbes Jahr vergangen und es war Frühsommer. Und ich kam -dankenswerterweise- irgendwann selbst einmal auf die Idee, meine Ovus zu wechseln und kaufte mir den Clearblue-"Smiley"-Test. Und siehe da: ich hatte plötzlich einen Eisprung! Oder zumind. einen LH-Anstieg!

Kurz nach diesem positiven Test stand dann auch endlich der Gyntermin auf dem Plan und die Ergebnisse lagen vor: nichts gravierendes gefunden, minimal erniedrigtes Östrogen, mäßiges Untergewicht und ein Vitamin D-Mangel- beides könne die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen. Es wurde ein Zyklusmonitoring angeraten aber meine Frauenärztin hielt das immer noch nicht für nötig. Ich solle ab dem nächsten Zyklus Clomifem nehmen (obwohl ich doch eben einen Eisprung hatte!)- unter dieser Stimulation würde dann auch das Monitoring durchgeführt.

Da ich nun aber -so wie es aussah- das erste Mal seitdem ich Ovus verwende einen ovulatorischen Zyklus hatte, wollte ich zunächst Abwarten, ob sich das dann im Verlauf wiederholt- ohne Clomi. Und es auch im nächsten Zyklus war der Test positiv. Nach einem weiteren Monat hielt ich einen positven Schwangerschaftstest in den Händen.

Dies war genau einen Tag nach dem WM-Finale und ich konnte es kaum fassen. Nach diesem Test setzte ich mich sofort wieder -zitternd- ins Auto und fuhr nochmals in die Drogerie, aus der ich gerade herkam. Ein erneuter Test, nur zur Sicherheit. Herr M. war ebenfalls fassungslos, eigentlich wartete er auf seinen Termin beim Urologen, um auch sich durchchecken zu lassen. Meine Schwangerschaftseröffnung war auch reichlich unromantisch: er erhielt eine SMS mit den Worten "den Termin kannst du dir nun sparen" (ja, vielleicht sollte ich das mit der Romantik noch einmal üben). Immerhin habe ich aber ein Foto vom positiven Test nachgesandt!

Leider nahm diese Schwangerschaft kein gutes Ende. Ende der 8. Woche bekam ich spätnachmittags in der Arbeit ganz leichte Blutungen, komplett schmerzfrei. Abends fuhren wir zur Kontrolle ins Krankenhaus - es konnte kein Herzschlag festgestellt werden und der Embryo war auch insgesamt zu klein für diese Woche- aber groß genug, damit ein Herzschlag sichtbar sein müsste. Mir konnte keine Hoffnung mehr gemacht werden und ich solle am nächsten Tag zum Gyn zwecks erneuter Kontrolle, ob es evtl. zu einem natürlichen Abgang kommt.

Was da dann abging, möchte ich gar nicht mehr näher beschreiben. Die ach so einfühlsame Frau hat zunächst mal sämtliche Daten verwechselt ("Der Embyro war ja bei Ihrem letzten Besuch schon viel zu klein"- "Wieso ist mir dann gesagt worden, es sei alles in Ordnung?"- "Ähm, hmm, also letzte Woche hat man ja nur die Fruchthülle gesehen."- "???Ich war letzte Woche überhaupt nicht da!!! Ich hatte bislang nur einen Termin zu Beginn der 6. Woche [-vor fast 3 Wochen-] und da war ja angeblich alles in Ordnung?!"- "Äh, ja, also jedenfalls müssen wir Sie jetzt ausschaben.").
Sie hat dann noch die Vaginalultraschallkontrolle gemacht -auf welche ich bestanden habe- und stellte da dann wirklich hocherfreut fest, dass sie "so etwas tolles" ja noch nie gesehen hat und "der Embryo geht ja schon ganz von alleine ab und das kann man richtig beobachten wie er wandert". Sie war sogar so begeistert, dass sie- als sie eigentlich schon fertig geschallt hatte- nocheinmal das Gerät in mich reinstopfte, um "ein Foto davon zu machen". Denn so etwas sieht man sonst ja nur in Lehrbüchern. Ich müsse höchstwahrscheinlich doch nicht ausgeschabt werden und solle auf den sich schon ankündigten natürlichen Abgang warten.

Ich war in dieser Situation leider ohnehin ständig den Tränen nahe und nun so perplex, dass ich zu diesem unmöglichen Verhalten gar nichts sagen konnte. Ich wollte einfach nur noch raus. Vermutlich wollte sie mich im folgenden dann doch trösten, denn sie teilte mir mit, dass eine Fehlgeburt ja sehr häufig vorkommt und statistisch betrachtet fast jede Frau so etwas einmal durchmachen muss. Aber natürlich sei es gerade bei der ersten Schwangerschaft besonders schlimm, weil man da ja noch keine Kinder hat und somit auch nicht wisse, ob es jemals funktioniert!!! Ich verließ nur noch fluchtartig die Praxis und heulte mich zu Hause aus.

Über diese Ärztin habe ich mich dann übrigens nach einigen Tagen doch noch beschwert und ich bereue bis heute, dass ich in der damaligen Situation viel zu sehr durch den Wind war, um ihr das gleich an den Kopf zu knallen. So ein Verhalten geht gar nicht und auch wenn sie es vermutlich nicht einmal böse gemeint hat, wenigstens eine gewisse Neutralität (ich erwarte ja nicht mal großartige Empathie) wäre durchaus angemessen. Aber sich zu freuen und mir das freudestrahlend mitzuteilen, während ich gerade mein zukünftiges Baby verliere ist too much (abgesehen davon, dass sie auch fachlich immer sehr inkompetent rüberkam)- vielleicht wäre diese Dame in der Pathologie besser aufgehoben. Oder maximal Anästhesistin.

Jedenfalls hatte ich dann bereits 2 Tage später- zu Beginn der 9. SSW- einen natürlichen Abgang, alleine daheim auf der Toilette, körperlich komplett schmerzlos. Die Frucht ging als Ganzes ab (das war komplett schockierend, dann auf so etwas war ich absolut nicht vorbereitet, als aus mir plötzlich ein fast 10 cm langes Gebilde aus geronnenem Blut und Zellen rauskam) und ich hatte im Folgenden kaum Nachblutungen.

Es waren schlimme Tage. Ich war einerseits froh, dass alles so schnell gegangen ist und mir eine anschließende Ausschabung tatsächlich erspart blieb. Und ich hatte den Embryo bis dahin auch noch nicht auf dem Ultraschall gesehen, nur die Fruchthülle und sonst noch nichts, keinen Herzschlag und vermutlich hat das Herzchen nie zu schlagen begonnen. Das machte es mir etwas leichter, denn ich glaube wenn ich schon das Herz hätte pumpern sehen, wäre es noch um ein Vielfaches schlimmer gewesen. So hatte ich innerlich noch eine gewisse Distanz und konnte es noch nicht als "Baby" sehen, sondern es waren die Zellen, aus denen sich unser Baby entwickelt hätte.

Ich weiß, dass das viele anders sehen und für sie schon ab der Vereinigung der Geschlechtszellen ein Lebewesen entstanden ist; für mich ist das erst ab dem Herzschlag so und mir hat diese Ansicht auch ein bißchen geholfen- bzw. das Wissen, dass wohl etwas nicht richtig angelegt war und das Kleine nicht lebensfähig gewesen wäre, weshalb die Natur diesen Abort aus gutem Grund so eingerichtet hat. Trotzdem war es furchtbar, ich habe viel geweint und wurde immer wieder von einer Vielzahl an unterschiedlichsten Gefühlen überflutet- Trauer, eine unendliche Leere, die Frage nach dem "warum" und so viel mehr... alles nicht in Worte zu fassen.
Auch jetzt beim Schreiben- ein halbes Jahr danach und schwanger mit der Yetin- rollt ein Träne meine Wange hinunter.

Ja, ich wurde nach über einem Jahr erfolglosem "Üben" direkt nach dem Abort sofort wieder schwanger, ohne Zwischenmenstruation. Jetzt bin ich gerade in der 27. SSW und dieses Mal kommt es hoffentlich zu einem gutem Ausgang.

Update: Dieser Beitrag nimmt nun auch an der Blogparade von Kerstin von chaoshoch2 zum Thema "Familienplanung" teil.

Kommentare:

  1. Danke für Deinen ehrlichen und bewegenden Bericht. Die Reaktion der Ärztin ist ja wohl unter aller Sau gewesen! Dass es sowas gibt und sich Frauenärztin schimpft! Unglaublich. Eigentlich müsste man solchen Leuten das Handwerk legen. Leider hat man aber gerade in einem solchen schwierigen Moment weiß Gott andere Probleme.
    Schön, dass es gleich wieder geklappt hat (wir mussten ja über 6 Jahre nach der Fehlgeburt warten, bis ich endlich schwanger war.
    Wünsche Dir alles Gute für die weitere Schwangerschaft!
    Liebe Grüße!

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  2. Ich hatte auch riesige Angst davor, dass es möglicherweise ewig dauert, bis es wieder klappt. Da habe ich enormes Glück gehabt- mit so einem schnellen "Erfolg" hätte ich aber auch nicht gerechnet
    Ja, die Ärztin bzw. ihr komplett kopfloses Verhalten war einfach absolut daneben- wie gesagt, ich bedauere noch immer, ihr das nicht *sofort* ins Gesicht gesagt zu haben, aber da war ich einfach viel zu perplex.
    GLG

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  3. Diese Ängste hat fast jede schwangere Frau und auch wenn ein Abgang in den ersten 12 Wochen häufig ist, kann ich die Frauenärztin nicht verstehen.

    Wie kann man so gefühlskalt und teilnahmslos sein?
    Unglaublich.

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    1. Du sagst es. Natuerlich kommt ein Abort leider wirklich oft vor, trotzdem macht es das für die betroffenenen Frauen/Paare nicht einfacher. Von einem Arzt erwarte ich da auch keine große Anteilnahme, aber doch Neutralität. LG

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  4. Ein wirklich sehr bewegender Bericht. Wenn der Kinderwunsch erst einmal mit voller Wucht zuschlägt, ja da ist es wohl normal, ungeduldig zu sein. Um so schlimmer, wenn dann auf die ersehnte Freude nicht nur Trauer folgt, sondern auch noch Ignoranz und Grobschlächtigkeit durch Dritte. Es freut mich für dich, dass erneute Freude nicht lange auf sich hat warten lassen und wünsche dir das Beste nicht nur für den Rest deiner Schwangerschaft, sondern auch für die Zeit danach :-)

    LG Jessi

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte und Wünsche. Ich werde weiterhin berichten, wie es dann mit der Kleinen so ist und hoffe natürlich das Beste ;-)
      LG

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  5. Da bekomme ich eine Gänsehaut. Schlimm, dass es solche Ärzte gibt. Es freut mich sehr für euch, dass es so schnell wieder geklappt hat und wünsche euch für eure Zukunft zu dritt alles Gute!
    LG

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte!

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