Dienstag, 24. Februar 2015

Medikamente in der Schwangerschaft- ja oder nein?



Eine chronisch Kranke muss auch in der Schwangerschaft ihre Dauermedikation einnehmen. Doch gerade bei akuten Beschwerden wird von der Anwendung von Arzneistoffen oftmals regelrecht gewarnt!
Der Grund hierfür liegt auf der Hand:  Arzneistoffe werden aus ethischen Gründen einfach nicht an Schwangeren getestet und die meisten Daten zur Beurteilung des ­fetalen Risikos auf Einzelfallbeschreibungen und Erfahrungen in der Langzeitanwendung basieren.
Hersteller verhalten sich aus haftungstechnischen Gründen auch sehr zurückhaltend und empfehlen in den Packungsbeilagen oftmals die Einnahme „nur bei strenger Indikationsstellung durch den Arzt“.
Doch gibt es auch eine Vielzahl an Wirkstoffen, zu  denen man über viele Jahre und Jahrzehnte sehr hohe Erfahrungswerte bei Anwendung in der Schwangerschaft erlangt hat und die als sicher gelten.

90% der Schwangeren haben Beschwerden
Werdende Mamis sind einerseits häufig von typischen schwangerschaftsbedingten „Wehwehchen“ wie Übelkeit oder Sodbrennen geplagt; andererseits
sind sie durch die physiologische Immunsuppression oftmals auch anfälliger gegen eine Vielzahl von Infekten und Entzündungen.

Viele Schwangere wollen dann diesen Zustand aus Angst vor schädlichen Wirkungen auf das Ungeborene einfach aussitzen, andere sind wesentlich unkritischer und nehmen sämtliche freiverkäufliche Medikamente ein- da diese nicht rezeptpflichtig sind, werden sie schon nicht schaden.

Beides ist falsch, denn auch vermeintlich harmlose Mittel können für den Fetus potentiell gefährlich sein und –abgesehen davon, dass die Beschwerden für die Mutter meist beeinträchtigend sind- ist eine unbehandelte Erkrankung (bzw. deren Folgen) oftmals wesentlich dramatischer, als die befristete Anwendung von erprobten Medikamenten.
So kann sich ein wochenlanger  Husten so stark auf die Bronchien schlagen, dass es zu einer Lungenentzündung kommt, welche dann mit wesentlich risikoreicheren Medikamenten behandelt werden MUSS. Auch massives Dauererbrechen bringt nicht nur den Elektrolythaushalt und somit den Kreislauf der werdenden Mama komplett durcheinander- auch für das Ungeborene kann dies auf längere Dauer schädlich sein. Hierfür lassen sich noch einen Fülle an Beispielen finden.

Die Dosis macht das Gift!
Wirkung und auch mögliche Nebenwirkungen sind immer von der richtigen Dosis abhängig. Hier gilt das Prinzip: „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“. Auch ein potentiell fetotoxisches Medikament wird bei einmaliger Einnahme in den wenigsten Fällen tatsächlich eine negative Wirkung auf das Ungeborene haben- es geht immer vielmehr darum, den Zeitraum der Einnahme möglichst kurz zu halten, bis sich die akuten Beschwerden gebessert haben.
Andererseits heißt dies aber auch, dass nun nicht einfach unterdosiert werden darf- denn ein Arzneistoff wirkt immer erst ab einer gewissen Konzentration, der therapeutisch wirksamen Dosis. Unterhalb dieser Grenze passiert GAR nichts, diese Einnahme hätte man sich dann komplett sparen können. Schlimmer noch, denn die Leber und Niere müssen ja auch diese unterdosierte Menge ausscheiden, werden also belastet.

Weitere Anwendungsprinzipien
Generell sind immer Monopräparte mit nur einem Wirkstoff zu bevorzugen. Bei Kombimitteln fällt die Risikoabwägung oft schwer, weshalb diese generell gemieden werden sollten. Es versteht sich von selbst, dass nur Arzneimittel mit genügend hohen Erfahrungswerten zur Schwangerschaft zum Einsatz kommen sollten. Eine gute Hilfe bietet hierbei Embryotox mit seriösen und unabhängigen Informationen zu einer Vielzahl von Wirkstoffen.
Generelle Zurückhaltung ist allerdings im 1. Trimenon geboten. Da hier die Organe angelegt werden, ist das Risiko für Missbildungen durch die Einnahme potentiell unsicherer Medikamente- welche ohnehin gemieden werden sollten- gerade zwischen der 4. und 10. Schwangerschaftswoche am höchsten. Im weiteren Verlauf würden vor allem die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt werden.

Nicht auf eigene Faust handeln
Generell ist es empfehlenswert, sich fachkundige Hilfe zu holen und in der Apotheke beraten zu lassen. Wir sind auch für den Umgang mit Medikamenten in der Schwangerschaft geschult (*Werbung mach*) und können sagen, wann die Grenzen der Selbstmedikation erreicht sind und ein Arztbesuch angeraten wäre.
Gerade pflanzliche Mittel werden gerne von Schwangeren favorisiert, da sie den Ruf haben, gut verträglich und nebenwirkungsarm zu sein. Leider trifft das für die Schwangerschaft bei vielen Präparaten nicht zu- im Gegenteil. Deshalb lieber vorab eine qualifizierte Beratung einholen und nicht Dr. Google vertrauen, denn hier befindet sich auch auf scheinbar seriösen Seiten oftmals nicht ordentlicher recherchierter- Müll.


Ausblick
Da ich von einer Leserin gebeten wurde, Medikamentenempfehlungen zu bestimmten Schwangerschaftsbeschwerden zu geben, möchte ich diesem gerne nachkommen. Ganz so einfach ist das allerdings gar nicht, da ich aus der Ferne nicht  eine individuelle Beratung ersetzen kann. Dennoch werde ich für die häufigsten Wehwehchen eine Art Leitfaden erstellen, der im wöchentlichen Turnus ein Beschwerdenbild (z.B. Magen-Darm-Erkrankungen) aufgreift, welches dann nach weiteren Symptomen (z.B. Sodbrennen, Übelkeit, Verstopfung,…) unterteilt  wird. Hierzu werde ich Beispiele für erprobte Arzneimittel nennen und auch auf alternative Heilmethoden/Medikamente eingehen.

Wenn ihr hierfür Wünsche oder Verbesserungsvorschläge habt, teilt sie mir gerne mit!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über einen Kommentar von Euch!