Freitag, 27. Februar 2015

Informiert Impfen- Fakten und Gegenargumente


Impfen- ein Thema das stark polarisiert. Eigentlich bin ich es fast schon leid, hierüber zu reden. Zumindest was Hardcore-Impfgegner betrifft und an diese möchte ich mit meinen Beitrag auch gar nicht wenden. Der Grund? Es werden sämtliche faktische Argumente abgeschmettert und wenn ihnen dann selbige ausgehen, kommt als Standardantwort: „Die Studien sind doch eh alle gefälscht.“

Hmm. Was soll man dazu noch groß sagen? Wenn jemand so überzeugt von irgendwelchen Verschwörungstheorien ist, dann kann man natürlich nicht mehr viel argumentieren. Der Tod lauert schließlich auch im Supermarkt. 

Hier geht es dann aber nicht mehr ums Impfen, sondern um Grundsatzfragen. Wenn man das ganze System in Frage stellt (und es ist nicht so, dass ich das nicht auch manchmal tun würde- gerade unser Gesundheitssystem), wittert man natürlich hinter allem und jeden eine Verschwörung. Aber das ist auch ein ganz anderes Thema. Deshalb erstmal zurück zum Impfen- mehr zur "Verschwörung durch die Pharmaindustrie" unter Punkt 6.

Da ich tagtäglich berufsbedingt mit diesem Thema zu tun habe, höre ich immer wieder, dass viele Eltern ihr Kind "vorsichtshalber" nicht impfen lassen wollen. Auf einige Gründe, die sie mir dafür häufig nennen möchte ich im Folgenden eingehen und auf diese mit meinem unabhängigen (ich wurde nicht von der Pharmaindustrie gekauft!) medizinischen und pharmazeutischen Wissen antworten. Und nicht vergessen: ich bin auch werdende Mama und möchte hierbei –wie jede/r- nur das Beste für unsere Kleine.
Deshalb möchte ich meinen Beitrag v.a. an die - dank der oftmals sehr reißerischen Diskussionen- wirklich verunsicherten Eltern richten.


1. Mein Kind wird trotzdem krank
Es ist korrekt, dass es eine gewisse Anzahl an sog. „non-respondern“ gibt, die nicht auf die Impfung ansprechen. Dies kann je nach Impfung (und Quelle) bei der ersten Impfdosis bis zu 10% betragen. Deshalb gibt es nach kurzer Zeit auch die zweite und ggf. dritte Dosis, um so die Grundimmunität zu erreichen: hierdurch erlangen dann auch etwa 90% der Impfversager einen Schutz.

Es gibt also tatsächlich immer wieder Fälle, wo durch das Impfen keine oder keine ausreichende Immunität erlangt wird. Doch der Großteil  der vermeintlichen non-respondern wurde schlichtweg nicht mehr geimpft, sprich es wurde entweder die Erstimmunisierung gar nicht zu Ende geführt oder aber die teils nötigen Auffrischungen wurden –v.a. im Erwachsenenalter- schlichtweg vergessen.


2.  Impfungen sind unwirksam
Dieser Aussage kann man empirisch nachgehen. Wenn eine Impfung einen nachweislichen Erfolg mit sich bringt, kann man de facto nicht mehr von einer prinzipiellen Unwirksamkeit diesbezüglich sprechen. (Vorsicht, jetzt wird es trocken):
Ich habe mir hierfür das Beispiel Polio rausgepickt, diese Erkrankung gilt hierzulande als ausgerottet. 1956/57 kamen die ersten Impfungen auf den Markt, 1962 wurde eine kostenlose Schluckimpfung öffentlich empfohlen und zur Verfügung gestellt, die eine große Akzeptanz in der Bevölkerung genoss. 
Wurden im Jahr 1961 für Deutschland noch 4461 Erkrankungen mit Lähmungserscheinungen sowie 305 Todesfälle gemeldet; waren es 1962 nur noch 296 Erkrankungen mit 49 Todesfällen. Diese Rate sank mit zunehmender Durchimpfung weiter ab, so waren es 1966 noch 61 Fälle, davon 6 mit tödlichem Verlauf.(Quelle: Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten e.V.).

Höre ich mir nun die Kritik der Impfgegner an, dass dieser Rückgang ausschließlich durch verbesserte hygienische Maßnahmen erreicht wurde, kommt sich mein gesunder Menschenverstand leicht veräppelt vor.
Ich bestreite nicht, dass der Hygienestandard im Gegensatz zur direkten Nachkriegszeit gestiegen ist. Das ist sicherlich auch für Polio relevant, doch muss man hier bedenken, dass diese ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen wird und keine tierischen Überträger kennt, welche bei vielen anderen Seuchen massiv zur Verbreitung beigetragen haben (Stichwort: Pest-Ratten).

Nun  zu behaupten, zwischen dem rapiden Rückgang und der Einführung der Impfung sei kein Zusammenhang vorhanden- tja, was soll ich dazu sagen? Hier weint jetzt nicht nur mein Menschenverstand, sondern auch mein Wissenschaftlerherz beginnt zu jaulen- wozu habe ich studiert?



3. Impfungen enthalten gefährliche Stoffe
In sog. Adsorbatimpfstoffen sind meist Aluminiumsalze o.ä. zugesetzt. Diese sind subkutan tatsächlich schlecht verträglich und sind verantwortlich für die Impfreaktion (Rötung, Schwellung,..) an der Einstichstelle. 
Die verwendeten Mengen sind jedoch viel zu gering, als dass sie für den Impfling gefährlich werden könnten.
Die Beifügung hat auch einen Grund: die Aluminiumverbindungen fungieren als sog. Adjuvans um die antigene Wirkung des Impfstoffes unterstützen. D.h., sie sollen an der Impfstelle eine Lokalreaktion auslösen, um so das Immunsystem zu aktivieren, sprich verschiedene Zellen anzulocken, die dann –vereinfacht ausgedrückt- Antikörper produzieren. Dies ist bei Totimpfstoffen nötig, da hier das Antigen selbst -also der abgetötete Erreger- einen zu schwachen Reiz auf das Immunsystem ausüben würde, so dass diese Impfung nicht richtig wirken könnte.

Für die früher häufig enthaltenen Quecksilberverbindungen wurde ein Zusammenhang mit der Entstehung von Autismus vermutet. Dies konnte in verschiedenen Studien widerlegt werden und verschiedenen Organisationen –u.a. die WHO- sind unabhängig voneinander zu dem Schluss gekommen, dass diese Studien aussagekräftig sind und kein Zusammenhang besteht. Trotzdem hat die Pharmaindustrie auf diese Diskussion reagiert und für alle empfohlenen Impfungen quecksilberfreie Impfstoffe entwickelt.


 4. Impfungen haben Nebenwirkungen
Wie jedes Medikament können auch Impfungen Nebenwirkungen haben. Hierzu muss man differenzieren zwischen:

a) der normalen, gewünschten Impfreaktion (siehe 3, "Lokalreaktion"). 
Manche verstärkten Impfreaktionen sind für bestimmte Impfstoffe typisch. So ist 1-2 Wochen nach einer Rötelnimpfung zum Beispiel eine vorübergehende Arthritis mit Gelenkschmerzen möglich.

b) der übermäßigen Reaktion des Immunsystems: auch nur sehr selten kommt es dadurch zu Unwohlsein, Fieber oder den Symptomen eines grippalen Infektes. Dies kann vorkommen, wenn das Immunsystem zum Zeitpunkt der Impfung ohnehin geschwächt war (z.B. durch einen Infekt) und verschwindet innerhalb weniger Tage wieder. Hierunter fällt auch die in Einzelfällen auftretende allergische Reaktion auf einen Impfstoff.

c) dem Impfschaden: davon spricht man, wenn Komplikationen länger anhalten oder sogar bleibend sind. Die Häufigkeit wird mit 1: 10 Millionen betituliert. Für die in Deutschland empfohlenen Impfungen sei „keine anhaltende Schädigung“ zu erwarten- trotzdem kann so etwas in Einzelfällen auftreten. 

d) der sog. „Impfkrankheit“, also dem Auftreten der Erkrankung, gegen die geimpft wurde: 
Dazu kann es –allerdings ausschließlich bei Lebenimpfstoffen (z.B. Masern)- in seltenen Fällen tatsächlich kommen. 
Typisches Beispiel sind die „Impfmasern“, die mit 3- 5% gar nicht soo selten sind. Um dem vorzubeugen, sollte vorher vom Arzt die Impffähigkeit geprüft werden, d.h. dass ein derzeit krankes Kind erst geimpft werden sollte, wenn der Infekt auskuriert ist oder auch dass bei einem Kind, welches bekanntermaßen zu Fieberkrämpfen neigt, die prophylaktische Gabe eines fiebersenkenden Mittel evtl. angeraten sein könnte.

Die Impfkrankheit selbst verläuft bei weitem nicht so stark, wie die erworbene Krankheit. Außerdem ist sie auch nicht ansteckend!

Am Beispiel Masern
Komplikationen wie eine Mittelohr- oder Lungenentzündungen sind nach Impfung nicht bekannt. Fieberkrämpfe treten bei Masern in 8% der Fälle auf, bei Impfmasern in weniger als 1%. Die gefährliche Encephalitis tritt bei den erworbenen Masern in 0,1% der Fälle auf, wobei hiervon 10-20% daran versterben, in 20-30% heilt sie nur mit Defekten aus; bei den Impfmasern kommt es in 1von 1Million Fällen dazu, also 1000 Mal seltener- hierbei ist auch kein Todefall bekannt.
Die gefürchtete und stets tödlich verlaufende Spätkomplikation SSPE (subakut sklerosierende Panencepahlitis) tritt Jahre nach der Erkrankung (meist 5-10a) verzögert auf. 
Betroffen sind 4-11 von 100.000 Fällen (durchschnittlich also etwa  1 von 10.000-20.000); wenn die Masern bei Kindern unter 5 Jahren auftraten 1 von 3.300
Durch eine Impfung könne hiervor geschützt werden.  
Das Problem: Kinder können erst ab etwa 11 Monaten gegen Masern geimpft werden. Wenn die Mutter aber nicht selbst die Masern durchgestanden hat, besteht hier kein Nestschutz. In dem Zeitfenster von Geburt bis zum 1. Geburtstag können sich also Säuglinge anstecken- wenn viele Menschen ungeimpft sind, und sich so das Virus verbreitet.

e) weitere Krankheiten: siehe folgenden Punkt 5


5. Impfen verursacht Gesundheitsschäden
Es wird immer wieder behauptet, Impfen würde bspw. Allergien, Autismus oder Autoimmunkrankheiten wie z.B. MS hervorrufen. 
Hier möchte ich lediglich darauf verweisen, dass in vielen Studien -unabhängig voneinander – diese Annahme nicht belegt werden konnte. 
Vielmehr wurde z.B. zu der Erststudie zum Thema Autismus- welche besagte, dass dieser durch Impfungen ausgelöst werden könne- mehrere Folgestudien durchgeführt, ohne einen Zusammenhang zu finden. Letztendlich hat sich herausgestellt, dass diese Erststudie gefälscht war und der verantwortliche Arzt hierfür Geld erhalten hat- er verlor daraufhin seine Approbation.

Ich persönlich möchte nicht abstreiten, dass es in einigen tragischen Einzelfällen vielleicht tatsächlich zu einer schwerwiegenden Erkrankung kam. Ich denke, das ist recht schwierig zu untersuchen, denn es ist ebenso möglich, dass diese Erkrankung schon in dem Betroffenen „geschlummert“ hat und durch den Reiz der Impfung auf das Immunsystem zum Ausbruch kam (dies wäre dann bei der nächsten Überanstrengung/dem nächsten Infekt vermutlich auch der Fall gewesen) -oder dieser zufällig mit der Impfung zusammenfiel.
Deshalb erscheint mir hier die Aussage als wichtig, dass bei großen Untersuchungen an vielen Probanden kein kausaler Zusammenhang gefunden werden konnte- auch wenn solche Einzelschicksale natürlich dramatisch sind.



6. Die Pharmaindustrie will durch das Impfen nur Geld verdienen
Das streite ich nicht ab- wer will das nicht? Geldverdienen ist das Ziel eines jeden Unternehmens und jedes Erwerbstätigen.
Und ja, es gibt auch einige Fälle von Panikmache seitens der Lobby dahinter- man denke nur an die Schweinegrippe. Ich vertraue hier ganz sicher niemandem blind, dazu ist mein Einblick in das Gesundheitswesen zu tief.

Aber welches Interesse hätte die Industrie, den Impfungen „gefährliche“ Stoffe beizumengen, um die Menschen „absichtlich krank zu machen“? Abgesehen von ethischen Gesichtspunkten-was hätte sie davon für einen monetären Nutzen? Das einzige was dadurch passiert ist eben die Vermehrung der Argumente, die Impfgegner vorbringen: Impfen sei gefährlich. 
Dadurch herrscht Verunsicherung, es lassen sich weniger impfen und dadurch verdient die Industrie weniger. Sollte sie das absichtlich ins Rollen bringen? V.a. da es für viele der angeblich durch Impfungen ausgelösten Krankheiten –z.B. Autismus- keinerlei Medikamente gibt, mit denen die Industrie hierbei Geld verdienen könnte.

Andererseits würde es durch das Nicht-Impfen vermutlich wesentlich mehr chronisch Kranke geben (Folgen einer ausgelebten Erkrankung, siehe Punkt 4), an denen die Pharmaindustrie dauerhaft deutlich mehr verdienen könnte, als mit Impfstoffen.
Hierzu könnte man auch noch sehr, sehr, sehr viel sagen, doch dann sind wir wieder beim Thema Grundsatzdiskussion.

Eine Stellungnahme des RKI zu vielen Vorwürfen von Impfgegnern gibt es übrigens unter Antworten auf Einwände gegen das Impfen.

Meine ganz persönliche Meinung
Es ist nicht so, dass ich ein unreflektiertes und sinnloses Impfen befürworte- so würde ich persönlich mich nicht gegen die Influenza impfen lassen. Ein Grund: da das Virus mutiert, ist es ein ziemliches Glücksspiel, das passende Antigen -den Impfstoff- zu entwickeln und somit ist diese Impfung nicht sehr verläßlich. Mir *persönlich* in diesem Fall also nicht sicher genug.
Viele andere Impfungen erachte ich aber als durchaus nötig und der potentielle Schaden durch eine Unterlassung der Impfung ist um ein Vielfaches größer und schwerwiegender, als es evtl. Nebenwirkungen je sein könnten.

Es ist natürlich immer tragisch, wenn es in Einzelfällen tatsächlich zu einem Impfschaden kommt. Dass dies statistisch gesehen im Vergleich zu einer durchlebten Erkrankung äußerst selten ist, nützt einem  natürlich herzlich wenig, wenn man selbst oder das eigene Kind davon betroffen ist. 
Trotzdem sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass die Wahrscheinlichkeit durch das Nicht-Impfen an ebenjener Krankheit -bzw. deren Folgen- schwer zu erkranken, evtl. zu versterben, wirklich drastisch höher ist.
Natürlich werde ich mir vermutlich auch Sorgen machen, wenn unsere Kleine ihre ersten Impfungen erhält-dass sie diese bekommt, steht für uns aber außer Frage.

Absolute risikolose Sicherheit gibt es- wie immer im Leben- nie, auch nicht bei Impfstoffen. 

Dieser Beitrag nimmt auch an der Blogparade von Terrorpüppi zum Thema "Informiert Impfen- Sich das Impfen selbst zur Pflicht machen" teil.
 






Quellen:
Diverse Ausgaben der „Pharmazeutischen Zeitung“ und www.pharmazeutische-zeitung.de

Diverse Ausgaben der „Deutschen Apotheker Zeitung“ 
Diverse Ausgaben des "Ärzteblatt" und www.aerzteblatt.de

RKI: www.rki.de mit diversen Unterseiten

Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten e.V.



Kommentare:

  1. Hallo Manati,
    ein schöner Artikel bei einem ja durchaus heiklen Thema.
    Wir sind da ganz deiner Meinung - aber das sehen andere Eltern ja durchaus anders...
    Liebe Grüße,
    Lisa

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  2. Liebe Lisa,
    danke für dein feedback. Ja, es ist durchaus ein heikles Thema und es wurde in letzter Zeit auch *etwas* überstrapaziert; trotzdem ist es dennoch -oder gerade deshalb?- sehr wichtig.
    LG

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