Donnerstag, 5. März 2015

Schwangerschaftsbeschwerden#1: Erkältung




Teil 1 der angekündigten Schwangerschaftsbeschwerden-Reihe. Es geht um den momentan leider sehr häufigen grippalen Infekt, welche Medikamente hierfür auch in der Schwangerschaft angewendet werden dürfen, sowie alternative Methoden.

Eine Erkältung oder grippaler Infekt kann sich unterschiedlich äußern, oftmals beginnt er mit Halsschmerzen, gefolgt von Husten und/oder Schnupfen. Insgesamt fühlt man sich abgeschlagen, hat evtl. leichtes Fieber und wird von Kopf-&Gliederschmerzen geplagt. Bei sehr hohem Fieber sollte immer ein Arzt aufgesucht werden- gerade wenn die Beschwerden schlagartig einsetzen und die Schmerzen massiv sind, muss auch an die „echte“ Virusgrippe gedacht werden! 
Prinzipiell sind zunächst immer die allgemeinen Methoden anzuwenden, erst wenn diese nicht oder nicht ausreichend helfen, sollten zusätzlich Medikamente eingenommen werden.

Husten& Heiserkeit
1) Heiserkeit
Bedenkenlos können Emser-Salz-, Ipalat- oder Isländisch Moos -Lutschtabletten (isla moos® ) angewandt werden. Diese befeuchten Rachen und obere Atemwege, mildern Kratzen sowie einen leichten Hustenreiz und verhindern ein Festsetzen von Mikroorganismen.

2) Trockener Husten (Reizhusten)
Dieser verursacht einen quälenden Hustenreiz, der manchmal kaum zu stoppen ist. Gerade für die Nacht greift man hier auf einen Hustenstiller zurück, als einziger frei verkäuflicher Wirkstoff bietet sich in der Schwangerschaft Dextrometorphan an (z.B. in Wick Reizhustenstiller®). Diese Anwendung sollte immer so kurz wie möglich und auch nicht mehr kurz vor der Entbindung erfolgen, da hier eine Atemdepression des Neugeborenen nicht ausgeschlossen werden kann. Ansonsten ist die Erfahrung mit diesem Wirkstoff hoch und es gibt keine Hinweise auf teratogene Eigenschaften oder Fetotoxizität.

3) Verschleimter (produktiver) Husten
Zur Schleimlösung am besten erprobt sind hier Präparate mit Acetylcystein (z.B. ACC akut®), Ambroxol (Mucosolvan®) oder Bromhexin. 

Pflanzliche Präparate gelten hier generell als zweite Wahl, da hierfür kaum Erfahrungen vorliegen. Laut dem Institut für Embryonaltoxikologie scheint die Anwendung von Thymianextrakt (z.B. Tussamag®) akzeptabel zu sein, wohingegen Cineol (in Eukalyptuspräparaten enthalten) plazentagängig ist. Teratogene Wirkungen sind hier zwar nicht bekannt, dennoch wird die Anwendung nur nach strenger Indikationsstellung geraten.  

Die Saponine in Efeupräparaten (z.B. Prospan®) docken an Rezeptoren an, die sich sowohl in der Lunge als auch an der Gebärmutter befinden. Auch hier ist keine fetotoxische Wirkung bekannt, doch sollte in Bezug auf eine mögliche Wehentätigkeit der Einsatz generell zurückhaltend erfolgen- dies betrifft v.a. den letzten Trimenon.


Allgemeine Maßnahmen und alternative Arzneimittel
Generell ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, damit gerade bei produktivem  das angelöste Sekret auch abtransportiert und abgehustet werden kann.  Auch beim trockenen Husten führt die Befeuchtung der Schleimhäute dazu, dass sich weitere Bakterien und Viren nicht so leicht festsetzen können.

Inhalieren ist oftmals sehr effektiv- entweder mit einer isotonen Kochsalzlösung rein zur Befeuchtung oder auch mit ätherischen Ölen (z.B. etwas Wick Vaporub ®Salbe in heißem Wasser aufgelöst), welche die Atemwege befreien. Durch die lokale Anwendung gelangt  kaum etwas ins Blut. Fachleute sind sich einig, dass eine Inhalation mit diesen Substanzen harmlos ist; der Vollständigkeit halber sei aber angemerkt, dass auch hier in den Beipackzetteln von einer Anwendung abgeraten wird, da einige ätherische Öle als möglicherweise wehenfördernd gelten. Solange man aber nicht mehrere Stunden täglich inhaliert, ist bei dieser geringen Menge nichts zu befürchten.

Auf homöopathischer Basis kann Monapax ®sowohl gegen trockenen, als auch bei produktivem Husten eingesetzt werden. Er enthält knapp 4% Alkohol- berechnet auf die Tagesdosis entspricht dies in etwa so viel, wie in einem großen Glas Apfelsaft enthalten ist.

Traditionell wird Zwiebelsirup angewandt: hierfür eine große Zwiebel zerkleinern, mit 50g Kandiszucker oder Honig vermengen und mehrere Stunden ziehen lassen. 4-6x tgl einen Eßlöffel davon einnehmen. Ebenfalls ist das Einreiben der Brust mit Schweineschmalz und einem lauwarmen Brustwickel eine alternative Methode.

Halsschmerzen
Wenn diese eher leichter Natur sind und primär aus einem Kratzen bestehen, können die unter „Heiserkeit“ erwähnten Tabletten angewandt werden.  Bei stärkeren Schmerzen und Entzündung wäre Cetylpyridiniumchlorid (z.B. Dobendan strepsils mint®) eine Lösung.
Auch hier ist im Beipackzettel wieder ein „nur nach strenger Indikationsstellung“ vermerkt, dieser Wirkstoff greift aber nur an der Oberfläche- sprich der Rachenschleimhaut- an und wird kaum resorbiert, weshalb er in der Realität häufig auch für Schwangere empfohlen wird.

Als Alternative zum Lutschen kann man auch Gurgeln, z.B. mit dem entzündungshemmenden und antibakteriellen Wirkstoff Chlorhexidin (z.B. Chlorhexamed®), oder auch einem starken Salbeitee.


Allgemeine Maßnahmen und alternative Arzneimittel
Auch hier ist viel Trinken das A&O. Manche bevorzugen kühle Getränke –v.a. bei einer richtigen Entzündung- anderen tut eher Wärme gut. Nur Eiskaltes sollte gemieden werden. 

Auf homöopathischer Basis haben sich Tonsipret ®Tabletten bewährt oder auch Infludoron®, welches insgesamt gegen den grippalen Infekt helfen soll.

Des Weiteren empfiehlt es sich, Salbeibonbons zu lutschen (auch wenn sich hartnäckig das Gerücht hält, man solle keinen Salbei in der Schwangerschaft zu sich nehmen- das stimmt nicht! Lediglich in der Stillzeit kann er die Milchproduktion beeinflussen!) oder auch Kaugummi zu kauen, um den Speichelfluss anzuregen und so den Mund-und Rachenraum feucht zu halten.

Fieber, Kopf-&Gliederschmerzen
Schmerzstillendes und fiebersenkendes Mittel der Wahl in allen Trimestern ist nach wie vor Paracetamol. Auf die heißdiskutierte dänische Studie, dass dieses angeblich zu ADHS beim Ungeborenen führt, möchte ich nicht näher eingehen, nur so viel: 
Die Darstellung in den Medien ist sehr reißerisch, so wird nicht auf die Schwachpunkte der Studie hingewiesen, ebenso wenig, dass sich diese mit der regelmäßigen Einnahme (mindestens 28 Tage, mit allerdings nicht näher definierten Dosen) des Medikaments befasst und schon gar nicht, dass es eben zu keinem eindeutigem Ergebnis gekommen ist!
Bei einer Kurzzeitanwendung (3-4 Tage) sind hier keine Nebenwirkungen zu erwarten. Auch wenn die empfohlene Dosis bis zu 3000mg täglich beträgt, sollte möglichst nur 3-4x tgl. eine Tablette à 500 mg eingenommen werden.  Alles weitere bzgl. der teils umstrittenen Studie bleibt abzuwarten.

Eine Alternative stellt Ibuprofen dar, dieses wirkt zusätzlich noch entzündungshemmend. Allerdings sollte es im 3. Trimenon nicht mehr angewandt werden, da die Gefahr eines vorzeitigen Verschluß des ductus ateriosus Botalli drohen kann- der kindliche Kreislauf wäre nicht mehr mit dem mütterlichen verbunden.

Allgemeine Maßnahmen und alternative Arzneimittel
Ich wiederhole mich: trinken, trinken, trinken. Viel Ruhe einhalten und Schonen- macht man zwangsläufig normalerweise sowieso.

Klassische Wadenwickel können fiebersenkend wirken; auf eine Schwitzkur (z.B. mittels Holunderblütentee) sollte man in der Schwangerschaft vorsichtshalber verzichten!

Kopfschmerzen können durch Aufbringen von ätherischem Pfefferminzöl (auch dies ist in der Schwangerschaft trotz immer wieder anders lautender Meinung absolut unbedenklich!) an Schläfen und Nacken gelindert werden; ist der Schmerz zudem spannungsbedingt können Magnesium und Wärme (Kirschkernkissen im Nacken) Besserung verschaffen.

Schnupfen
Abschwellende Nasensprays mit Xylometazolin oder Oxymetazolin (z.B. Otriven®, Nasivin®, diverse Generika)sind bei Kurzzeitanwendung (max. 7 Tage am Stück, bis zu 3 Mal täglich ein Sprühstoß je Nasenloch) absolut unbedenklich.
Rein befeuchtend und auch für die Daueranwendung geeignet sind Meerwassernasensprays, am besten mit Dexpanthenol, welches die angegriffenen Nasenschleimheute regeneriert (z.B. Mar plus®).Bei stärkerer Trockenheit kann auch eine regenerierende Nasensalbe, z.B.  Bepanthen Augen-und Nasensalbe®, verwendet werden.

Übrigens: 20-30% der Schwangeren leiden an einer hormonellen Rhinopathie- diese äußert sich wie ein normaler Schnupfen durch eine verstopfte und/oder laufende Nase. Auch hierbei kann kurzzeitig ein abschwellendes Spray angewandt werden oder für den Dauergebrauch die erwähnten Meerwassersprays.


Allgemeine Maßnahmen und alternative Arzneimittel
Eine Nasenspülung mittels einer Nasendusche und Salzlösung (gibt es z.B. von Emser) macht die Nase zumindest kurzfristig wieder frei und spült die Erreger aus.
Inhalieren tut auch bei Schnupfen gut!

Homöopathische Sprays, wie z.B. Euphorbium comp®, sind sowohl für Kurz-als auch Langzeitanwendung geeignet, gerade auch bei einer Schwangerschaftsrhinopathie. 

Wenn man den Eindruck hat, dass die Nasennebenhöhlen dicht machen, kann man zusätzlich mit einer Infrarotlampe bestrahlen (bis zu 3x tgl., ca. 10 Minuten). Danach keinesfalls in die Kälte gehen, da sich dies kontraproduktiv auf das nun erhitzte Gewebe auswirkt. Bei Verdacht auf eine Nasennebenhöhlenentzündung empfiehlt sich ein Arztbesuch, da hier ggf. Antibiotika von Nöten sind.

Generelles bei grippalen Infekten
Es gibt einige homöopathische Mittel, die gegen eine Vielzahl der Symptome helfen sollen . Diese sind auch in der Schwangerschaft unbedenklich; hierzu zählen u.a. das bereits erwähnte Infludoron®, GrippHeel® oder Bronchi/Plantago-Globuli® von Wala.

Eine Gabe von Vitamin C und Zink ist gerade auch in der Schwangerschaft angeraten, damit der Infekt schneller und effektiver bekämpft werden kann. Hierzu gibt es zahllose Präparate; Zink sollte mit 15mg/Tag dosiert werden, Vitamin C bei akuten Infekten mit 300-500mg. 

Wenn sich ein Infekt innerhalb von 3 Tagen nicht bessert oder die Symptome gar schlimmer werden, unbedingt einen Arzt aufsuchen. Selbiges gilt, wenn eine  erhöhte Temperatur (bis 38,5°) nicht innerhalb von 2-3 Tagen wieder sinkt oder –wie oben erwähnt- hohes Fieber auftritt.

Kommentare:

  1. Wow. In meiner nächsten Schwangerschaft bist mein Lexikon ;) Echt ganz tolle Zusammenstellung von Informationen!

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  2. Danke für das Kompliment :) Ich muss mein Wissen ja fit halten, da ich ohnehin nur noch Teilzeit arbeite und sonst verstaubt das noch komplett- v.a. wenn es jetzt bald in den Mutterschutz geht.
    LG

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  3. Super, super, super.
    1000 Dank fürs Verlinken und diese großartige Auflistung! ����
    Jetzt kann die nächste Erkältung kommen! ��
    Ganz liebe Grüße! ��

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    1. Danke für die lieben Worte und sehr gerne geschehen- ich hoffe trotzdem, dass du von der nächsten Erkältung verschont bleibst :)

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  4. Von mir ebenfalls ein großes Dankeschön. Endlich mal eine rational erstellte Liste. Die Verunsicherung bei dem Thema Medikamente in der Schwangerschaft ist wirklich riesig. Und gar nichts zu machen vor lauter Angst ist sicher der falsche Weg. Die Medi-Fotos sind auf jeden Fall sehr praktisch für den nächsten Apothekeneinkauf ;-)

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