Dienstag, 10. März 2015

{Flashback} 12. SSW: Mein Klinikaufenthalt wegen Hyperemesis


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Nachdem mich das Dauererbrechen schon eine Zeitlang im Griff hatte und keine Besserung in Sicht war, entschloss ich zu Beginn der 12. SSW, mich stationär in der Klinik behandeln zu lassen. Meine Gyn hatte mir die Einweisung schon beim letzten Besuch gegeben, aber ich wollte zunächste nicht ins Krankenhaus- als ich aber nur noch vor mich hinvegetierte und mich kaum noch auf den Beinen halten konnte, biß ich in den sauren Apfel und ab ging es in eine spezielle Frauen- und Geburtsklinik.


Die formale stationäre Aufnahme ging zügig vor sich und so konnte ich nach etwa einer halben Stunde mein Zimmer beziehen. Es war vormittags gegen 10 Uhr und die Oberschwester meinte, dass mich die diensthabende Ärztin sofort untersuchen und einen Therapieplan erstellen werde. Also vertrieb ich mir die Zeit bis dahin mit Lesen.

Meine Zimmernachbarin war eine Ausländerin, die kein Wort deutsch sprach und auch kein englisch oder französisch- mehrerer Sprachen bin ich nicht mächtig. Dafür hatte sie lärmenden Besuch von ihrer Großfamilie und zusätzlich die Fernbedienung für den dauerlaufenden TV gebunkert (von dem sie wohlgemerkt kein Wort verstand!). Dankenswerterweise war die Flimmerkiste so eingestellt, dass es zwar nur eine Fernbedienung zwecks Programmwahl gab, aber zum Hören jeder auf seiner Schwesternglocke einen Kopfhörer anschließen musste- so war der Ton immerhin kaum hörbar.

Mittags bekam ich eine klare Brühe ohne Einlage, die aber gotteserbärmlich nach Glutamat schmeckte. Neidisch schielte ich auf das Mittagessen meiner Bettnachbarin- ich hatte HUNGER!!! Ja, trotz der dauernden Übelkeit und dem postprandialen Erbrechen hätte ich seltsamerweise ständig essen können. Die Suppe bekam ich kaum runter, dafür ging meine Laune in den Tiefflug und ich wartete weiter.

Die "sofortige" Untersuchung war dann endlich gegen 15h nachmittags. Hrmpf, 5 Stunden lang warten für nichts (habe ich schon erwähnt, dass ich ungeduldig bin?)- aber gut, nun wird ja endlich was gemacht-dachte ich.
Bei der Anamnese sagte ich der Ärztin, dass das Erbrechen vor etwa 3 Wochen begann und sich seit etwa 2 Wochen so verschlimmert hat, dass gar nichts mehr drinnen bleibt, selbst Wasser nur schluckweise. Mein Kreislauf war total im Keller, was für mich das Schlimmste war. Ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten, mir war ständig schwindelig und ich war zum Umfallen schlapp. Sie ordnete Elektrolytlösungen gegen die Dehydrierung an, sowie Glucose als Kalorienquelle -letzte Woche beim Gyn wog ich knapp 52 kg auf 175cm und hatte seitdem vermutlich weiter abgenommen- und Vitamine. Zusätzlich Vomex als Infusion- ich habe gesagt, dass ich dieses schon öfters probiert habe und es nichts geholfen hat. Sie bestand drauf, es trotzdem als Infusion zu probieren.
Nach einem ergänzenden Ultraschall und einer Blutentnahme durfte ich dann auch aufs Zimmer, wo ich auf die Behandlung wartete. Nachdem eine Stunde vergangen war, sprach ich eine Schwester auf die Elektrolyte an-mittlerweile war ich komplett ausgedörrt. "Gleich" hieß es und nach einer weiteren Stunde kam endlich die ersehnte Flüssigkeit: 0,5 Liter! Sollte das ein Witz sein? Und es war auch keine Elektrolytlösung sondern reines Kochsalz! Die Begründung: es sei Vomex drinnen und drum kriege ich erstmal nur so wenig, dafür als Schuß. Na gut.

Die Infusion lief wirklich zügig in mich rein und das Vomex machte mich schläfrig. Mittlerweile war auch Abendessenszeit. Ich war am Verhungern! Meine Laune sank allerdings in ungeahnte Tiefen, als ich mein Tablett erhielt: eine kleine Scheibe vertrocknetes Vollkornbrot mit einer Scheibe Putenleberkäse. Keine Butter, keine Gurke, nichts. Ja, wollen die mich denn Aushungern??? Ich kriege weder Nahrung zur oralen Aufnahme, noch als Infusion. Grr.

Also wieder eine Schwester gefragt, was denn nun mit der Glucose sei? Die meinte, es sei "nichts angeordnet." Bitte???? Ich habe doch vorhin selber mit der Ärztin geredet! Diese ist momentan auch nicht zu sprechen. Hrmpf. Also die erneute Bitte, nach wenigstens einer (größeren!) Infusion mit Elektrolyten (ja, ich war nicht nur am verhungern, sondern glich schon einer Dörrpflaume!). Ich musste mir erstmal anhören, dass ich doch eben erst die Kochsalzlösung erhalten habe. Ja. Daraufhin musste ich der Schwester erklären, dass Kochsalz alleine bei Dehydrierung nicht so ganz ausreichend ist und v.a. die Menge ja ein Witz sei. Das hat sie auch verstanden, und nach weiteren 2 Stunden warten erhielt ich immerhin einen Liter Ionosteril (ohne Glucose, ohne Vitamine- aber wenigstens Elektrolyte).

Dämmrig vom Vomex -das Zeug wirkt bei mir immer ewig nach, leider nur bzgl. der Müdigkeit und nicht gegen Übelkeit- schlief ich dann zwei Stunden lang ein und erwachte vom Schnarchen meiner Bettnachbarin. Mir war übel, ich musste massig Galle erbrechen und hatte gleichzeitig einen knurrenden Magen. Zusätzlich immer noch massiven Durst.
Die Flimmerkiste lief noch immer (lautlos) und meine Zimmergenossin hielt die Fernbedienung fest umklammert in ihrer Hand- im Schlaf. 
Nach fruchtlosen Versuchen, wieder einzuschlafen schleppte ich mich irgendwann leicht aggressiv zu ihrem Bett, habe ihr die Bedienung entwendet und endlich den Fernseher ausgemacht- wenigstens war das Zimmer nun dunkel. Sie hatte gar nichts mitbekommen, der Schnarchpegel blieb konstant.

Ich klingelte dann auch nach einer Schwester (was ich eigentlich hasse, da diese ja normalerweise ohnehin genug zu tun haben) und wollte noch ein bißchen Flüssigkeit. Als ich hier fast vor die Füße gekotzt habe, erhielt ich zunächst erneut eine Vomex- dieses Mal als Zäpfchen. Auch wenn diese mir bislang nie geholfen haben, ich nahm es trotzdem in der Hoffnung, wenigstens schlafen zu können. Pustekuchen, dieses Mal funktionierte es natürlich nicht. Auch die weitere Infusion ließ auf sich warten- irgendwann gegen 6 Uhr in der Früh wurde mir ein halber Liter angestöpselt.

Mittlerweile war ich nicht mehr nur schlecht gelaunt, sondern auch noch übermüdet und dadurch -sowie durch den Nahrungsmangel- massiv gereizt. Der Gipfel war dann das Frühstück: eine Scheibe trockener Toast ohne alles. Dazu aber schwarzer Kaffee mit Kaffeesahne. Jetzt kam ich mir endgültig verarscht vor und dementsprechend aggressiv wartete ich auf die Visite.
Diese war dann auch einfach nur zum Schießen. Neben der mich gestern behandelten Assistenzärztin war nun die Oberärztin zugegen und ich fragte, wieso ich denn statt der angesetzten Medis nur winzige Mengen an Flüssigkeit bekäme und auch nur, wenn ich ständig selbt dahinter bin?  Außerdem sei ich am Verhungern, wieso kriege ich denn bitte so gut wie nichts Eßbares?
Die lapidare Antwort "Sie erbrechen es doch ohnehin wieder!" Ja, das kann ich nicht abstreiten, trotzdem habe ich Hunger und ich bin eigentlich da, damit ich auch einen Kalorienersatz kriege! Hierauf der Kommentar: "Sie sind zwar sehr schlank, aber dem Baby macht es nichts, wenn es der Mama mal einige Tage nicht so gut geht.". Ich sah nur noch rot. Einige Tage? Ich hatte mittlerweile seit 2 Wochen GAR NICHTS MEHR behalten! Und es freute mich, dass es der Kleinen (damals noch unbekannten Geschlechts) nicht schadet- aber mir ging es beschissen! Deshalb war ich da!
Auf meine rhetorische Frage, was denn dieser Aufenthalt dann bringen soll, erhielt ich keine zufriedenstellende Antwort.
Ich wollte nur noch raus, ich kam mir hier wirklich einfach nur noch verascht vor und es ist jetzt nicht so, dass ich medizinisch keine Ahnung hätte- ich habe immerhin auch einige Semester Medizin auf dem Buckel. Ich sagte also der Ärztin, dass ich gehen will- daraufhin gab es zunächst eine Diskussion, dass ich in meinem Zustand nicht raus könne- aber andererseits erhalte ich hier trotzdem nichts?!
Hä? Sorry, aber nur Rumliegen kann ich auch daheim, da habe ich dann aber Ruhe, kann essen wenn ich Hunger habe (und ja, auch wenn ich es erbreche- mir ist es lieber, ich speibe Nahrungsreste aus als ätzende Galle!) und diese substituierten Flüssigkeitsmengen kriege ich auch noch mit meiner Löffeltaktik hin.

Nachdem mir die Ärztin dann geraten hat, ich solle es mit Meclozin probieren (dem Standardmedikament bei schwangerschaftsbedingtem Erbrechen, leider in Deutschland -aufgrund von zu geringem Umsatz- nicht mehr zugelassen; somit muss dieses importiert werden) und sie würde mir ein Rezept dafür ausstellen, musste ich noch auf die Entlassungspapiere und das Ergebnis der Blutuntersuchung warten.
Oh Wunder, dies dauerte dann bis nachmittags gegen 15h. Immerhin konnte ich noch einen halben Liter Flüssigkeit rausschlagen, auch erst wieder nach Aufforderung und einer Stunde Warten. Mittags erhielt ich tatsächlich eine Mikroportion an vermeintlichem Milchreis- eine dickflüssige Pampe mit vereinzelten Reiskörnern. Ohne Zucker, ohne Obst. Ach ja, ich hatte vergessen, dass ich ja scheinbar zur Gewichtsreduktion da war.

Nachdem ich dann endlich meinen Entlassungsbrief in den Händen hielt (das Rezept fürs Meclozin wurde vergessen-glücklicherweise konnte ich es auch so importieren, aber geholfen hat es auch nicht; die Elektrolyte im Blutbild waren- oh Wunder- komplett nach unten entgleist) verließ ich fluchtartig diese Klinik. 

Herr M. und meine Eltern dachten nach meiner Schilderung zunächst, dass ich maßlos übertreibe- ich kann es ihnen nicht verdenken. Ich hätte diesen Bericht auch niemanden geglaubt, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte. Später habe ich dann von 2 Bekannten erfahren, dass sie mit diesem Krankenhaus ähnliche Erfahrungen gemacht haben, eine vor-, die andere nachgeburtlich. Schlimm, denn diese Klinik wirbt damit, neben einem Perinatalzentrum auch "sämtliche Anforderungen einer Frauenklinik höchster Versorgungsstufe" zu erfüllen.

Ich bereue, mich nicht direkt bei der Klinikleitung beschwert zu haben- ich wollte einfach nur noch raus aus dem Laden. Ich bin normalerweise kein meckernder Patient, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie ätzend manche Leute sein können und gerade das Klinikpersonal- die Schwestern- können für diese Zustände kaum etwas. Aber diese Fehlorganisation schlägt dem Faß wirklich den Boden aus. So etwas darf einfach nicht vorkommen.

Mein Fazit: innerhalb von 1,5 Tagen habe ich 2,5 Liter Flüssigkeit erhalten- nach penetrantem Hinterherrennen. That's it. Muss ich dazu noch mehr sagen?

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