Samstag, 28. März 2015

Schwangerschaftsbeschwerden #3- Magen-Darm-Probleme (2)



Weiter geht es mit dem zweiten Teil der (Magen-)Darmproblematik (Teil 1 hier) in der Schwangerschaft: Blähungen, Obstipation und Durchfall. Auch hier werden wieder rezeptfreie Medikamente vorgestellt, die bedenkenlos angewandt werden können.
Blähungen und Völlegefühl
Ebenfalls typisch sind diese Beschwerden. Das ist einerseits durch die dank Progesteron meist verlangsamte Verdauung bedingt- hierdurch bilden sich dann mehr Gase- und andererseits durch das Hochwandern der inneren Organe im Laufe der Schwangerschaft. Deshalb kann man hier nur bis zu einem gewissen Punkt entgegenwirken, aber gerade bei Blähungen ist es sehr effektiv:

Ein gänzlich unproblematisches Medikament sind Si- oder Dimeticonpräparate. Dies ist einer der wenigen Wirkstoffe, der vom Körper gar nicht aufgenommen wird, sondern nach Durchwandern des Magen-Darm-Traktes unverändert ausgeschieden wird. Dabei lässt er kleine Gas-/Luftbläschen, die Ursache für Blähungen, zerplatzen. Präparate gibt es viele, z.B. Lefax®, Sab simplex®, Imogas® oder diverse Generika. Von den Anwendungsformen steht alles von Weichkapseln über Kautabetten bis zu Tropfen zur Verfügung und diese Medikamente können tatsächlich langfristig und so hoch dosiert genommen werden, bis sie effektiv helfen.

Allgemeine Massnahmen und alternative Sachen

Primär sollen natürlich blähungsfördernde Nahrungsmittel minimiert werden. Leider sind dies oft sehr gesunde Sachen wie Kohl(sorten- z.B. auch Brokkoli), generell Rohkost, ballaststoffhaltige Vollkornprodukte, Linsen, Zwiebeln oder stark fruchtzuckerhaltige Sachen (Obst).  

Gerade wenn man den Verzehr von Vollkorn nicht gewohnt ist, kommt es oft zu diesen Symptomen, deshalb nicht zu viel davon essen, sondern die Mengen langsam steigern und im Wechsel mit Weißmehlprodukten verzehren.
Ansonsten Gemüse vorher dünsten und statt beispielsweise Kohl oder Lauch tendentiell eher andere Sorten bevorzugen.
 
Ansonsten hat sich auch ein Anis-Fenchel-Kümmel-Tee bewährt.

Die Kleidung sollte nicht zu eng sein und nirgends einschnüren.

Wärme in Form von einem Kirschkernkissen oder einem warmen (nicht heißen!) Bad tragen zur Entkrampfung bei. 

Ebenfalls empfehlenswert ist ausreichend Bewegung und ggf. Atemübungen, da häufig zusätzlich Luft verschluckt wird, die wiederum das Entstehen richtiger Blähungen fördert.


Verstopfung
Ein Klassiker, unter dem etwa die Hälfte aller Schwangeren leidet. Die Gründe: das Hormon Progesteron verlangsamt die Darmtätigkeit, weshalb die Obstipation schon zu Beginn einer Schwangerschaft auftreten kann. Im weiteren Verlauf kommen noch die Umverteilung der Gewebsflüssigkeit (weniger im Darmtrakt, mehr im Blutà der Nahrungsbrei wird dicker und schwerer verdaulich) und der Druck des wachsenden Uterus auf den Darmausgang hinzu; ebenso spielt die Verdrängung des Darms nach oben durch die Größenzunahme des Babys eine Rolle. Auch Eisenpräparate haben meist als typische Nebenwirkung eine Verstopfung zur Folge.

Wenn die unten beschriebenen "allgemeinen Massnahmen" nicht helfen, gibt es eine Fülle von Arzneimitteln, die auch in der Schwangerschaft angewendet werden dürfen:

Mittel der Wahl sind Quellstoffe- und Füllstoffe wie Floh- oder Leinsamen, z.B. Mucofalk®. Einfach in Flüssigkeit oder Joghurt einrühren und ganz wichtig: viel trinken, ansonsten erzeugt man den gegenteiligen Effekt. Leider kann es hier immer wieder zu Blähungen kommen, deshalb ggf. den Darm langsam daran gewöhnen und die Dosis allmählich steigern. UND: diese Sachen wirken nicht akut, sondern erst nach einigen Tagen regelmäßiger Anwendung und sind für den längerfristigen Gebrauch ausgerichtet
Ansonsten sind hier keine Nebenwirkungen zu erwarten.

Helfen Quellstoffe nicht, ist als nächste Stufe an Lactulose zu denken. Diese wirkt osmotisch, d.h. sie zieht Wasser in den Darm und verflüssigt so den Nahrungsbrei; andererseits stärkt sie die natürliche Darmflora. Auch hier gibt es keinen akuten Wirkungseintritt und der Gebrauch sollte mind. einige Tage, ggfs. auch länger erfolgen. Evtl. Nebenwirkung wie auch oben: Blähungen.

Eine Mischung aus Quell- und osmotisch wirksamen Stoffen sind Macrogol-Präparate, z.B. Movicol® oder Laxatan®. Wie die beiden anderen Substanzen gibt es auch hier keinen Akuteffekt und sie sollten ebenfalls über mehrer Tage und ggf. immer wieder eingenommen werden.

Helfen diese "sanfteren" Mittel nicht, darf man kurzfristig auch zu einigen "richtigen" Abführmitteln greifen. Diese wirken akut und dürfen nicht über einen längeren Zeitraum angewandt werden. Hier stehen Bisacodyl-Präparate, z.B. Dulcolax®, als Tropfen (Wirkeintritt nach 6-12 Stunden) oder auch Zäpfchen (Wirkeintritt nach 10-20 min) zur Verfügung. 

Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung sog. Miniklistiere, z.B. Microlax®. Diese enthalten Salzlösungen, welche ebenfalls osmotisch wirken. Das Abführen damit kann aber relativ unangenehm sein, wenn der Darminhalt stark eingedickt ist, kann es zu Krämpfen kommen- der Wirkungseintritt findet etwa 10-20 Minuten nach der Anwendung statt.

Eher eine Nebenwirkung von Magnesium ist der abführende Effekt. Dieser tritt meist erst in höheren Dosen (ab 400 mg/Tag) ein; da man in der Schwangerschaft ohnehin oftmals mit (Waden)Krämpfen zu kämpfen hat, kann man sich diese Nebenwirkung zeitgleich zu Nutze machen.

Viele pflanzlichen Abführmittel (Aloe, Sennes, Rhabarberwurzel u.a.) sind längst nicht so harmlos wie ihr Ruf und sollten gerade in der Schwangerschaft nicht angewandt werden!

Allgemeine Massnahmen und alternative Sachen
Wichtig ist, eine ausreichende Flüssigkeitzufuhr zu gewährleisten, am besten 2-3 Liter täglich. Ein Glas Buttermilch oder warmes(!) Wasser auf nüchtern Magen soll die Verdauung anregen.

Regelmäßige Bewegung hält auch den Darm in Schwung.
Eine Bauchmassage (im Uhrzeigersinn) kann den Nahrungstransport im Darm beschleunigen.

Getrocknete Pflaumen- am besten über Nacht in Wasser eingeweicht- , Sauerkrautsaft und Naturjoghurt mit 1 Eßlöffel Leinsamen oder Weizenkleie sind traditionell genutzte Klassiker bei einem trägen Darm. 
Auch die Verwendung von Milchzucker kann sich positiv auswirken, aber Vorsicht: hierbei entstehen wederum häufig Blähungen.

Generelles zur Ernährung: Ballaststoffhaltige Nahrungsmittel wie Vollkornprodukte, frisches Obst oder Gemüse sind essentiell für die Verdauung. 
Wie aber schon unter "Blähungen" geschrieben, können sie genau diese auslösen- v.a. wenn man nie ballaststoffreich gegessen hat und nun erst damit anfängt.
In solch einem Fall ist es sinnvoller, die Ballaststoffzufuhr allmählich zu erhöhen und Vollkornprodukte im Wechsel mit Weißmehlsachen zu verzehren. 
Auch wenn man den Konsum von letzteren tendentiell eher minimieren sollte, ist bei einer Blähungsproblematik ein langsames Herantasten sinnvoller.

Als typisch "stopfend" gelten Kakao (v.a. dunkle Schokolade), generell Süßigkeiten, fettes fast-food, Schwarztee (wenn er länger als 5 Minuten zieht) und Bananen- diese Sachen also eher meiden.

Durchfall
Dies ist zwar kein schwangerschaftstypisches Problem, kann aber immer mal wieder auftreten. Deshalb kurz der Vollständigkeit halber:

Unbedenklich anzuwenden sind Kohletabletten (z.B. Kohle-Compretten®). Diese wirken desinfizierend und binden den flüssigen Stuhl. 

Auch Loperamid (z.B. Imodium®) darf im Akutfall kurzfristig eingenommen werden, dieses verlangsamt insgesamt die Darmtätigkeit.

Wenn zeitgleich Fieber auftritt, Blutbeimengungen sichtbar sind oder ein starker Durchfall länger als 48 Stunden anhält, unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Allgemeine Massnahmen und alternative Sachen
Am wichtigsten ist es, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, um so einer Dehydrierung vorzubeugen. Auch an die verlorengegangen Salze denken, deshalb ist der Verzehr von einer klaren Brühe oder auch Salzstangen durchaus sinnvoll.

Kam es zu einem großen Flüssigkeitsverlust und wurde dadurch bereits der Kreislauf in Mitleidenschaft gezogen, ist es (neben einem Arztbesuch!) sinnvoll, die verlorenen Elektrolyte zu substituieren: hier gibt es gemischte Elektrolytlösungen als Pulver, die man lediglich in Flüssigkeit auflöst, z.B. Oralpädon® oder Elotrans®.

An Nahrungsmitteln hilft ein geriebener (!!!) Apfel, da nur in diesem Zustand die enthaltenen Pektine den bindenden Effekt verursachen. Auch Bananen oder gerbstoffhaltige Getränke (z.B. Schwarztee) wirken etwas stopfend.

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