Freitag, 20. März 2015

{Tagebuch} 29. Woche: von Hypnobirthing und Erkältungen


Diese Woche war ähnlich ereignislos wie die letzte. Denn auch ich blieb leider nicht von der überschwappenden Grippewelle verschont und bin einige Tage im Bett herumgedümpelt: zum Glück hat mich nicht die Influenza erwischt, aber auch ein grippaler Infekt ist lästig genug.
Deshalb habe ich die Zeit genutzt, um das -mittlerweile verstaubte- Hypnobirthing-Buch zu lesen, welches mir meine Hebi empfohlen hatte.

Ich habe mir bislang über die Geburt keinerlei Gedanken gemacht und nehme an, dies wird auch erst kurz vorher der Fall sein. Aber ich kann mich unglaublich schwer entspannen- also eigentlich gar nicht. Ich stehe irgendwie ständig unter Strom und muss andauernd was tun. Das geht soweit, dass ich nicht einfach *nur* fernsehen kann, sondern parallel dazu immer noch den Laptop auf dem Schoß balanciere, um nebenher im Internet zu surfen. Und am besten noch auf dem Handy rumtippe.

Zudem bin ich leicht perfektionistisch veranlagt- bevor ich eine Sache nicht zu 100% erledigt habe, geht sie mir nicht aus dem Kopf. Und dann ist eh schon wieder das nächste zu tun. Furchtbar.
Ich habe es schon einmal mit Yoga probiert und progressiver Muskelentspannung, nur hat mich das leider immer noch hibbeliger gemacht- Entspannung auf Knopfdruck? Nee, da hab ich keine Zeit dafür (haha).

 Leider ist meine Verspannung nicht nur im Kopf vorhanden, sondern überträgt sich seit Jahren auf sämtliche Muskelgruppen: ich beiße ständig die Zähne zusammen, wenn ich konzentriert bin, habe chronisch verspannte Kaumuskeln, mein Nacken- und Schulternbereich ist ein einziger Betonblock und mein Physiotherapeut verzweifelt an mir. Dem Rat eines Orthopäden kann ich leider momentan auch nicht nachkommen: "Trinken Sie jeden Abend Rotwein- am besten die ganze Flasche". Hrmpf.

Da laut diverser Theorien durch diese Anspannung auch die Uterusmuskulatur nicht relaxiert werden könne, würde dies eine Geburt erschweren, verzögern und wesentlich schmerzhafter gestalten. Sagt meine Hebamme. Hmm. Deshalb also ein neuer Versuch mit dem Hypnobirthing: da geht es wohl darum, sich mittels Autosuggestion in einen Zustand tiefer Entspannung zu versetzen, die einen über die Wehen wie Wellen hinwegträgt und im Endeffekt presst man das Kind nicht aus sich raus, sondern atmet es aus. Klingt mir schon wieder zu esoterisch, trotzdem knöpfe ich mir nun endlich das Buch vor.

Und was soll ich sagen? Ich musste auf Seite 52 abbrechen. Ich kann damit einfach nichts anfangen, mir ist das viel zu spirituell. Mein "Geburtsgefährte" (Herr M.) soll mir irgendwelche esoterischen Sachen über die Geburt vorlesen ("Lesung des Geburtsgefährten") und meine innere Göttin (ach nee, die war irgendwo anders...) soll sich mit Mutter Erde verwurzeln, damit ich die Urkraft des Frauseins spüre. Oder so ähnlich. Alleine die Vorstellung, die Geburt als "die intimste Sexualität zwischen Mann und Frau" zu erleben, widerstrebt mir ein bißchen- ich kriege ein Baby, keinen Orgasmus!

Na gut, ich habe also den schier unendlichen Theorieteil beiseite geschoben und bin in den Praxisteil auf Seite 139 gelandet. Hier gibt es verschiedenen Atmungs- Visualisierungs- und Entspannungstechniken, um sich selbst in den tranceähnlichen Zustand zu schaukeln. Die Krux: das muss man natürlich üben- regelmäßig. Täglich. Mindestens.

Trotzdem und entgegen aller Vorbehalte will ich das Probieren. Deshalb werde ich nun täglich üben, mich ein paar Minuten lang "in mich selbst zurückzuziehen" und ein paar Wellen zu atmen.
Spätestens nach der Geburt bin ich schlauer, ob es funktioniert. Die erste Übungseinheit hat jedenfalls schon ganz gut funktioniert und ich wurde dämmerig- das könnte allerdings auch an der Kombi aus Erkältung und halber Meclozin-Tablette liegen, die ich dank Übelkeit (ja, ich muss mom. wieder öfters Erbrechen) genommen hatte, die machen mich immer müde.

Edit: da ich mit dem Tagebuchbloggen bzw. -veröffentlichen etwas hinterher bin -aktuell SSW 32-nur als kurzes Update: Da sich die Yetin ja in der BEL befindet, habe ich von mehreren Seiten auch Visualiserungstipps erhalten und soll mir vorstellen, wie sie sich dreht. Deshalb nehme ich mir nun ganz neu vor, das zu visulisieren, statt irgendwelcher bunten Nebelfelder. Letzteres habe ich nämlich zugegebenermaßen nach einer Woche aufgegeben.
Aber ich atme noch- also tief und mehr oder weniger entspannt (ist mit Bauch auch gar nicht soo einfach- es fühlt sich an, als ob er dabei jeden Moment explodiert!).

Habt ihr Erfahrung mit Hypnobirthing?

Kommentare:

  1. Liebe Manati,
    zu dem genauen Hypnobirthing-Konzept hab ich zwar keine Erfahrung, aber in meinem Schwangeren-Yoga kamen auch Visualisierungsübungen und natürlich Atem- und Entspannungseinheiten dran. In der Eröffnungsphase bin ich mit Bildern von sich öffnenden Blumen oder Kreisen und bewusstem Entspannen des Kiefers beim Ausatmen sehr gut zu recht gekommen. Nur von der intensiven Dehnung in der Austreibungsphase war ich dann etwas überrascht und hatte kein rechtes Bild mehr vor Augen, das mir weitergeholfen hätte. Da war ich nicht mehr so entspannt ;-) Die Überraschung war vielleicht auch deswegen so groß, weil es vorher mit einer zusätzlichen Kreuzbeinmassage für mein Empfinden noch recht easy ging.
    Vor einiger Zeit habe ich auch ein Video von einer Frau gesehen, die einen guten Teil der Wehen durch getanzt und gesungen hat, es war was richtig fröhlich und grooviges. Gerade wenn du sagtst, still-halten fällt dir schwer, hilft dir das vielleicht auch :-) Das gute: beim Singen kannst du das Kiefer gar nicht so anspannen und Hüftewackeln hilft den Baby ja auch beim Vorwärtskommen. Ich wünsche dir, dass eure Yetin sich (durch deine Visualisierungen?!!) auch noch rechtzeitig dreht, damit mit ihr dann fröhlich loslegen könnt:
    Shake it a Baby! Twist and shout!
    Alles Gute für Euch!
    Lisa

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    1. Liebe Lisa,
      vielen Dank für deinen Bericht. Ich muss schon wieder gestehen: auch die Drehungs-Visulisierungen funktionieren bei mir nicht. Meine Gedanken driften einfach ständig ab und wenn ich mir dann vornehme, dass ich es machen *muss* ist ohnehin Hopfen und Malz verloren. Irgendwie ist das nichts für mich *hmpf*
      Alles andere (diverse seltsame Stellungen, Taschnlampe oder wandernde Spieluhr) lässt die junge Dame bislang auch gänzlich unbeeindruckt. Aber immerhin kann ich mit dem Atmen ein klitzekleines bißchen Entspannen und der Tipp mit dem Kiefer ist super- ich neige ja gerne zum total entspannten Zähnezusammenbeißen :-o Aber ob ich tanzend und singend im Kreißsaal sein werde, wage ich zu bezweifeln- dank meines musikalischen Nulltalents flüchten sonst womöglich sämtliche Geburtshelfer!
      LG

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