Mittwoch, 1. April 2015

{Flashback} 2. Monat: Umzug, Urlaub, Übelkeit

 
Nach dem positiven Schwangerschaftstest war ich aus Angst vor einer erneuten Fehlgeburt zunächst einmal auf Ablenkung aus. Dies war auch nicht allzu schwer, da wir gerade am Umziehen waren, 3 Tage nach dem (ersten!) Test stand der Transport aller Möbel und Umzugskartons an.
Diesen haben wir mit gemieteten Wagen und tatkräftiger Unterstützung von Freunden selbst gemeistert- doch wie es immer so ist: im neuen Haus ist natürlich nichts rechtzeitig fertig geworden, so fehlten z.B. Innentüren, im Flur und auf der Treppe war noch der nackte Estrich, es hing in nur einem Bad eine Toilettenschüssel- das Waschbecken noch gar nicht...
Unser Möbelumzug war aber nicht mehr verschiebbar und so haben wir diese im neuen Haus abgestellt, aber schliefen in der nun leeren alten Wohnung noch knapp 2 Wochen lang auf einer Luftmatratze und "wohnten" dort mit 2 Campingstühlen- sonst nichts. Richtig abenteuerlich wurde es, als wir die Küche verkauft hatten und diese abmontiert wurde- wir mussten uns nun ohne Kühlschrank, Herd oder Mikro vorwiegend von irgendwelchen take-aways ernähren. Das schmeckt genau 2 Tage lang gut, dann hat man einen Glutamatschock.
wenigstens die neue Küche wurde bis zum Einzug fertig
Parallel dazu mussten wir die Mietswohnung renovieren- immerhin 140qm Wohnfläche auf 2,5 Etagen Splitlevelbauweise: sprich sehr viele und teils sehr hohe Wände zum Streichen- und im neuen Heim warteten die Umzugskartons aufs Entpacken. Ach ja, und die Arbeit mussten wir auch noch gehen.
Ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, dass dies schon nach kurzer Zeit Streß pur war. Ich war total übermüdet, da ich nicht schlafen konnte, zudem dank dieser ganzen Situation tierisch überreizt und nun begannen auch schon die ersten körperlichen Symptome.

Während ich in der 1. Schwangerschaft bis zum Abort GAR KEINE Symptome hatte, plagte mich nun schon ab Ende der 5. Woche mein Kreislauf: ich -ohnehin ein Morgenmuffel- war nun in der früh so schlapp, dass ich mich erst nach etwa einer Stunde Aufsein halbwegs auf den Beinen halten konnte. Begleitet wurde dies von Schwindelattacken, dass ich mehrfach kurz vorm Kollabieren war. Und auch tagsüber wurde ich von einer bleiernen Müdigekeit befallen- sehr passend, wenn man entweder in der Arbeit steht oder am Streichen und Putzen ist. Zudem gesellte sich eine konstante leichte Übelkeit hinzu, mir war den ganzen Tag flau wie bei einer Magenverstimmung und ich hatte plötzlich Unmengen an Luft intus. Sehr angenehm. Hinzu kam ein hin und wieder auftretendes Erbrechen, aber nur sehr selten.
Außerdem musste ich (spätestens!) alle 2 Stunden eine Kleinigkeit essen, da mein Kreislauf sonst wieder durchdrehte.

Meine Leistungskraft war generell kaum noch vorhanden, die körperlichen Arbeiten erledigte ich in einem Schneckentempo mit vieeelen Pausen zwischendrinnen. Nach den 2 Wochen "Campen" hielten wir Einzug ins neue Haus und gesellten uns zu unserem Hab und Gut- aber auch hier war es nicht viel besser: im Kistenchaos und ständig von Handwerkern umgeben- ich habe ja erwähnt, dass wir auch noch keine Türen hatten. Nicht einmal eine Klotür. Muss ich mehr dazu sagen?
Ich fieberte unserem Urlaub entgegen, der Mitte Oktober stattfinden sollte. Ich wollte nur noch schlafen! Und Ruhe! Keine Handwerker!

In dieser Zeit kam ich kaum zum Nachdenken über die Schwangerschaft. Einzig durch meine körperlichen Beschwerden machte sich diese bemerkbar.
Hier war ich dann aber wiederum sehr verängstigt, als ich eines Tages- meinem Geburtstag- plötzlich komplett beschwerdefrei aus dem Bett sprang: keine Übelkeit, keine Kreislaufprobleme, kein Schwindel. Auch nach dem Essen wurde mir nicht schlecht und anstatt mich zu freuen, rief ich irgendwann bei meinem Arzt an, um zu fragen, ob dies normal sei. Von einem Tag auf den anderen alle Symptome komplett weg!!
Ich sollte vorbei kommen zum Nachsehen- dabei hatte ich ja erst vor 3 Tagen meine erste Untersuchung gehabt. Also saß ich bangend und zitternd im Wartezimmer, bis ich drankam- das Ergebnis: alles in Ordnung, das Herzchen schlägt. Oh Mann, ich wurde schon hysterisch. Meine Gyn hatte aber sehr viel Verständnis und sie meinte, es sei eigentlich nicht normal, dass die Beschwerden so plötzlich verschwänden. Tja, das war wohl das Geburtstagsgeschenk der kleinen Yetin, denn schon am nächsten Tag setzte alles wie gehabt wieder ein- sehr kurios.

Nach weiteren 5 Tagen war es dann endlich soweit: wir flogen nach Tunesien. Das war ganz zu Beginn der 8.SSW und das Übel nahm- im wahrsten Sinne des Wortes- seinen Lauf.
Bootsausflug
Bereits  am ersten Abend musste ich mich übergeben, dachte mir erst nichts dabei- kam dies doch seit der Schwangerschaft gelegentlich mal vor. Leider wurde daraus eine Regelmäßigkeit: zunächst ausschließlich allabendliches Erbrechen, welches sich im Laufe des Urlaubs weiter ausdehnte auf (noch) unregelmäßiges Übergeben tagsüber.
Dadurch war der Urlaub, trotz tollem Wetter, nicht ganz so prickelnd. Außerdem entwickelte ich mich zum regelrechten Schlaftier: während wir auch tagsüber meist faul am Strand lagen (wenn ich nicht gerade über der Toilettenschüssel hing!), konnte ich auch nachts plötzlich problemlos schlafen- und laaaange.

Wir verbrachten also einen Rentnerurlaub, denn meist verschlug es mich spätestens um 21 Uhr ins Bett und ich schlief bis in der Früh gegen 8 durch- täglich. Wenigstens der Schlaf war also erholsam, trotzdem war ich noch nie so froh, aus einem Urlaub wieder nach Hause zu kommen: Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufprobleme machten mir langsam zu schaffen und dies alles in einem kleinen Hotelzimmer- das ist nicht so das Wahre.
Damals wusste ich ja noch nicht, dass sich die Übelkeit zur Hyperemesis ausweiten sollte...

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