Dienstag, 7. April 2015

Schwangerschaftsbeschwerden #4- Blasenentzündung, Hämorrhoiden, Pilzinfektionen


Im 4. Teil  der häufigsten Schwangerschaftsbeschwerden dreht sich alles rund um den Unterleib, insbesondere den Intimbereich betreffend.


Vaginale Pilzinfektionen
Sowohl durch den veränderten Hormonspiegel als auch dem suppremierten Immunsystem in der Schwangerschaft werden die sog. Mykosen in diesem Bereich begünstigt. Sie äußern sich durch Juckreiz, Rötung, evtl einem weißen Belag und/oder weißlichen Ausfluß.
Prinzipiell handelt es sich hierbei um etwas sehr harmloses, dennoch mit unangenehmer Symptomatik. Trotzdem besteht bei einer vaginalen Entbindung das Risiko, das Neugeborene zu infizieren, weshalb solch ein Pilz unbedingt behandelt gehört.
Wenn man sich nicht sicher ist, ob es sich um eine Candidose handelt, unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Zur Therapie stehen Cremes und Vaginalzäpfchen zur Verfügung, i.d.R. als 3-Tages-Anwednung. Mittel der Wahl ist der Wirkstoff Clotrimazol, z.B. Canesten® oder Kadefungin®. Alternativ kann auch Nystatin (z.B. Biofanal®) verwendet werden.

Sollte nicht innerhalb von 3 Tagen eine Verbesserung eintreten oder die Infektion immer wiederkehrend sein, ist ein Arzt aufzusuchen.

Allgemeine Maßnahmen und alternative Medikamente

Wichtig ist eine normale, nicht übertriebene Vaginalhygiene. Dies bedeutet, dass auf die Anwendung von Seifen oder Intimdeos verzichtet werden sollte, da diese das natürliche Gleichgewicht der Flora durcheinander bringen. Am besten ist es, nur mit warmen Wasser zu reinigen- und das auch nur 1x täglich. Wer nicht auf spezielle Zusätze verzichten will, sollte eine seifenfreie Waschlotion für den Intimbereich wählen, mit einem pH-Wert kleiner als 5. Zur Reinigung keine Schwämme oder Waschschlappen verwenden, sondern am besten nur die gewaschenen Hände

Keine Feuchttücher oder feuchtes Toilettenpapier verwenden, durch die Zusätze kommt es oftmals zu Reizungen und die Feuchtigkeit bildet einen idealen Nährboden für weiteres Pilzwachstum- immer gut abtrocknen!

Auch Slipeinlagen sollten so gewählt sein, dass sie luftdurchlässig/atmungsaktiv sind und aus möglichst wenig Plastik bestehen. Das Tragen von Baumwollslips ist Synthetikunterwäsche vorzuziehen.

Gerade bei rezidivierenden Mykosen sind Milchsäurezäpfchen (z.B. Vagisan®) empfehlenswert, welche den natürlichen pH-Wert wieder herstellen und so das Milieu regenerieren.



Blasenentzündung
Auch diese kommt in der Schwangerschaft gehäuft vor- der Grund? Natürlich wieder die Hormone, welche die die Harnwege weiten- Bakterien haben so ein leichtes Spiel, was durch das in der Schwangerschaft nicht ganz so aktive Immunsystem noch getriggert wird. 
Grundsätzlich sind Blasenentzündungen selbst meist harmlos, doch gerade in der Schwangerschaft können sie gefährlich werden: da eine Verschleppung der Keime in die Vagina und somit ein Aufsteigen bis zum Uterus droht, sollte max. 2 Tage lang eigenständig behandelt werden- wenn es dann nicht deutlich besser wird, unbedingt den Gynäkologen aufsuchen. 
Selbiges gilt für Blutbeimengungen im Harn, Schmerzen in der Nierengegend oder sehr starken, krampfartigen Schmerzen beim Wasserlassen- hier dann sofort zum Arzt gehen.

"Richtige" Medikamente hierfür gibt es für die Schwangerschaft nur eingeschränkt- dies sind dann Antibiotika, die der Arzt verordnet.

Ausreichend Trinken ist das allerwichtigste, um die Erreger auszuspülen (Achtung: gilt nicht, wenn der Arzt ein Kurzzeitantibiotikum verordnet hat, dann aufgrund des Verdünnungseffektes "nur" max. 2,5-3Liter trinken!).
Hierfür eignen sich spezielle Durchspülungs-Tees, die auch in der Schwangerschaft angewendet werden dürfen, z.B. Birkenblätter-, Schachtelhalmkraut- oder Brennesselblättertee. Hiervon 2-3x tgl. je eine Tasse trinken.

Sinnvoll ist auch die Einnahme von Vitamin C, am besten in Pulverform. Dieses reichert sich bei hohen Dosen in den Harnwegen an, säuert den Urin an und wirkt leicht entzündnungshemmend. In der Frühschwangerschaft sollte man nicht mehr als etwa 500mg einnehmen, im 2. und 3. Trimenon darf es dann bis zu 1 g sein (gibt es z.B. auch als Brausetabletten von diversen Firmen).

Des weiteren ist die Einnahme von Cranberrysaft oder -kapseln sehr sinnvoll. Deren Inhaltsstoffe wirken antibakteriell und sind gerade bei Neigung zu Blasenentzündungen als Vorbeugung sehr wirksam.

Auf homöopathischer Ebene gibt es spezielle Globulis, z.B. die Cantharis-Blasenglobuli® von Wala.

Wie auch bei den Vaginalmykosen ist auf eine gute, nicht übrtriebene Intimhygiene zu achten, näheres dazu siehe unter diesem Punkt.


Hämorrhoiden
Hierbei handelt es sich im Endeffekt um Krampfadern im Analbereich. Diese treten in der Schwangerschaft relativ häufig auf, da einerseits das Bindegewebe geschwächt ist und die Blutgefäße dank der Hormone geweitet werden; andererseits werden sie durch die oftmals vorliegende Verstopfung begünstigt.
Im weiteren Verlauf kann auch der Druck der vergößerten Gebärmutter einen Blutstau begünstigen und somit bereits vorhandene Hämorrhoiden vergrößern.
Die Beschwerden reichen von Jucken und Brennen über Schmerzen bis hin zu Blutungen.

Als vorbeugende Maßnahmen eignen sich eine ballaststoffreiche Ernährung (siehe Thema "Obstipation"), viel Flüssigkeit und Bewegung.

Sind die Hämorrhoiden bereits da, können sie mit speziellen Salben und/oder Zäpfchen behandelt werden:
Hierbei gibt es einerseits pflanzliche Präparate mit Hamamelis (z.B. Hametum® oder Faktu lind®), dieser Wirkstoff zieht die Blutgefäße wieder zusammen, wodurch die Hämorrhoiden kleiner und Blutungen gestoppt werden. Zudem wirkt er leicht entzündungshemmend und hautberuhigend.

Salben mit dem Wirkstoff Lidocain (z.B. Posterisan akut®) können ebenfalls kurzfristig verwendet werden, diese wirken betäubend und sind deshalb v.a. bei stärkeren Schmerzen indiziert.

Eher pflegend und hautberuhigend wirken spezielle Schutzcremes wie z.B. Posterisan protect®

Bei sehr starken Beschwerden/Schmerzen ist ein Arztbesuch ratsam, der oftmals eine spezielle cortisonhaltige Creme verordnet, welche auch in der Schwangerschaft kurzzeitig bedenkenlos angewandt werden darf.

Allgemeine Maßnahmen und alternative Medikamente

Sitzbäder mit Eichenrinde (am besten pur als Teedroge kaufen! Hiervon ca. 2 EL pro Liter Wasser, aufkochen, 5 Min ziehen lassen, abseihen und den lauwarmen Sud verwenden) sind empfehlenswert; da dieser Gerbstoff -ähnlich wie Hamamelis- die Blutgefäße zusammenzieht, gegen Juckreiz und Blutungen wirkt.
Stehen eher hämorrhoidal bedingte Hautreizungen und Entzündungen im Vordergrund, kann auch ein Kamillenextrakt (z.B. Kamillosan® Badezusatz) verwendet werden.
Man kann auch Kompressen mit diesen Wirkstoffen tränken und zeitweise auflegen.

Auch auf  homöopathischer Basis gibt es spezielle Salben, z.B.  Wala quercus Salbe® oder Hamamelis comp von Weleda® (Unterschied zur normalen Hamamelis-Salbe: diese hier ist homöopathisch aufbereitet, d.h. die Wirkstoffe sind verdünnt!).

Generell sind langes Sitzen oder Stehen zu vermeiden; zwischendurch immer Gehen oder Liegen. Es gibt spezielle Sitzkissen/Sitzringe, wenn starke Beschwerden vorliegen.

Kommentare:

  1. super tipps. Hatte in der ss einige male einen pilz. Hab die immer mit döderlein milchsäurebakterien in den griff bekommen. Hatte mich nie getraut canesten zu verwenden aber da du es empfiehlst, brauch ich nächstes mal keine angst haben ;-)

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    1. Ja, die ist wirklich bedenkenlos anwendbar- trotzdem hoffe ich, dass du sie nicht brauchst, ein Pilz ist einfach immer lästig =)

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  2. Oh, das sind ja super Tipps, vielen Dank! :-)
    Du schreibst, dass der Wirkstoff Lidocain unbedenklich ist... Das ist ja gut zu wissen.
    Hab nämlich ein Desinfektionsspray mit Lidocain und mich bisher nicht getraut, dies zu benutzen. Aber das müsste dann ja auch gehen, oder?
    Ich brauch ja immer Meeeeengen für meine Heparinspritzerei. :-/

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    1. Genau, Lidocain wirkt nur oberflächlich betäubend und wird kaum resorbiert. Es steht zwar bei den meisten Präparaten wieder ein "Vorsichtshinweise" bzgl. der SS drauf, aber hier sind sich Fachleute einig, dass dies aufgrund der Wirkungsweise- eben lokal- auch in der SS kein Problem an Haut oder Schleimhäuten ist.

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  3. Durch zu heftiges Pressen kam es bei mir zu schmerzhaften Hämorrhoiden in der Schwangerschaft. Es hat furchtbar gejuckt und gebrannt. Jeder Gang zur Toilette war mit enormen Schmerzen verbunden. Seit 4 Monaten bin ich nun aber beschwerdefrei, seitdem ich das Buch "Darm mit Charme" bekommen hatte und dort gelesen habe, dass der Mensch anatomisch dafür geformt ist, in der Hockposition zur Toilette zu gehen. Ich habe mir also einen speziellen Toilettenhocker von Toilettenhocker.de dafür gekauft, der eine Hockposition mit 35 Grad Winkel auch auf Sitztoiletten ermöglicht. Seitdem kann ich wieder ohne Schmerzen "gehen" und die Hämorrhoiden haben sich deutlich zurückgebildet.

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