Samstag, 30. Mai 2015

Schwangerschaftsbeschwerden#5- Schlafstörungen



Während man im ersten Trimester häufig dauermüde ist und in jeder erdenklichen Position einschlafen könnte, treten im 2. und 3. Trimester verstärkt Ein- und Durchschlafstörungen auf. Oftmals so massiv, dass man wochenlang keinen erholsamen Schlaf mehr findet und zunehmend verzweifelter wird.
 Die hierfür geeigneten Arzneimittel sind in der Schwangerschaft sehr begrenzt.

 Mittel der Wahl und der am besten geprüfte Wirkstoff ist Doxylamin, z.B. in Hoggar® (siehe auch Thema "Übelkeit") und kann auch in der Schwangerschaft kurzzeitig bedenkenlos angewandt werden. Die Betonung liegt hierbei allerdings auf kurzzeitig, denn wie bei jedem Schlafmittel wird hierdurch nicht die Ursache beseitigt, sondern lediglich die Symptome. Zudem besteht bei Dauergebrauch ein gewisses Abhängigkeitspotential, weshalb es wirklich nur dazu geeignet ist, um "mal wieder eine Nacht" durchschlafen zu können.

Als Alternative kommt Diphenhydramin (z.B. Vivinox®, Halbmond®; siehe ebenfalls Thema "Übelkeit") zum Einsatz, wie auch beim Doxylamin nur als sehr kurzfristige oder gelegentliche Einnahme. Dieser Wirkstoff sollte allerdings im 3. Trimester aufgrund möglicher vorzeitiger Wehenausläsung sicherheitshalber nicht mehr eingenommen werden.

Für Baldrianpräparate fehlen systematische Untersuchungen, der Erfahrungsumfang wird hier nur mit "mittelhoch" angegeben. Es gibt keine Hinweise auf teratogene Eigenschaften und scheint in der Schwangerschaft akzeptabel zu sein, doch ist es nicht Mittel der Wahl und der Einsatz sollte sorgfältig abgewägt werden- hier sind die "echten" Schlafmittel (s.o.) tatsächlich sicherer.

Allgemeine Methoden und alternative Medikamente
Zunächst einmal sollte geschaut werden, ob noch andere Ursachen vorliegen, die den Schlaf negativ beeinflussen. Hierzu zählen bspw. Sodbrennen (Maßnahmen siehe dort), Wadenkrämpfe (Einnahme von Magensium!) oder häufiger Harndrang (wenn Ödeme vorhanden sind, können Kompressionsstrümpfe Abhilfe schaffen da sie die Wassereinlagerungen reduzieren und frau muss nachts seltener auf die Toilette).

Allgemein sollte abends nicht zu viel und nicht zu schwer gegessen werden, auch koffeinhaltige Getränke (Kaffee, Schwarztee, Cola) am besten am nachmittags meiden.

Abends auch keine aufregenden Krimis oder Thriller lesen/anschauen, sondern besser etwas "beruhigendes".

Tagsüber sollte für ausreichend Bewegung und frische Luft gesorgt werden; 2-3 Stunden vor dem Zubettgehen allerdings keine große sportliche Betätigung mehr vornehmen.

Warme Entspannungsbäder, z.B. mit Lavendel- oder Melissenzusatz machen häufig etwas müde.

Das Trinken von Melissentee ist auch in der Schwangerschaft unproblematisch.

Viele schwören auf das Trinken von warmer Milch mit Honig.


Auf homöopathischer Basis gibt es von Wala bspw. Passiflora comp-Globuli® oder von Weleda das Präparat  "Neurodoron"®, welches insgesamt bei Angst- Unruhe- und Erschöpfungszuständen angewandt wird. Ein weiterer Klassiker sind Coffea-Globuli (D12).


Alternative Methoden wie Akupunktur können hilfreich sein; bestimmte Entspannungsübungen (z.B. Atemmediation, einige Yogaelemente,...) sind sinnvoll.

Generell sollten Schlafstörungen -auch im nicht-schwangeren Zustand- nie längerfristig medikamentös behandelt werden (v.a. aufgrund des Abhängigkeitspotentials) und es sollte immer nach der Ursache gesucht und diese behandelt werden. Meist normalisiert sich das Schlafverhalten nach der Geburt (bzw. im Laufe der Stillzeit) von alleine dahingehend, dass ein "normales" Schlafen wieder möglich wäre- wenn denn auch das Baby nachts schlafen würde ;-)

Kommentare:

  1. Sehr interessanter Post! An meine Schlafprobleme während der Schwangerschaft kann ich mich noch zu gut erinnern :/ Aber zum Glück war es dann doch nie so unerträglich, dass ich das Gefühl hatte zu Medikamenten greifen zu müssen. Trotzdem gut zu wissen, dass es da theoretisch auch für Schwangere Möglichkeiten gäbe, wenns mal zu schlimm wird, und man mal wieder ne Nacht durchschlafen möchte.

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  2. Oh ja daran erinnere ich mich noch zu gut. An die Nächte auf dem Sofa. Gott sei Dank habe ich in der Schwangerschaft danach nicht damit herum plagen müssen. Da schlief ich wie ein Murmeltier. Und da meine Töchter nur 16. Monate auseinander gewesen sind, war das auch ein Segen.


    Alles Liebe
    Nina

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