Dienstag, 12. Mai 2015

Die Geburt


Unsere kleine Lilly Marie wurde am 22.04.15 - einen Tag nach Herrn M.s Geburtstag- um 8:19 geboren. An dieser Stelle zunächst einmal ganz herzlichen Dank für die vielen Glückwünsche und auch die Wünsche und Nachfragen in der darauffolgenden harten Klinikzeit. DANKE!!!
Hier nun der genauere Geburtsbericht:
Nachdem ich ja schon Mitte der 36. SSW den Schleimpfropf verloren hatte, ging es -trotzdem sehr unerwartet, da CTG absolut unauffällig und auch keine Probleme mehr mit Wehen- zu Beginn der 37. SSW, genauer gesagt bei 36+0, mitten in der Nacht los:
ich wachte gegen 3 Uhr auf, da ich auf die Toilette musste. Dort dachte ich mir noch "ein Glück, dass es noch 4 Wochen bis zur Entbindung sind, ich bin sooo müde und müsste sonst jetzt stillen oder windeln...". Anschließend ging ich wieder ins Bett, konnte aber nicht mehr einschlafen, also habe ich per Handy ein bißchen im Netz gesurft und als ich es gerade weglegen und weiterschlafen wollte, merke ich, dass es plötzlich untenrum feucht wird. Mein erster Gedanke: "es kommt wieder Schleim", also stehe ich auf, will wieder zur Toilette- und überschwemme den Boden und das ganze Bett. Also schnell wieder hingelegt, da ich ja eine Beckenendlage hatte und somit die Gefahr eines Nabelschnurvorfalls bestand.

Dann habe ich nach Herrn M. gerufen, da wir ja schon seit einiger Zeit aufgrund immenser Schnarchgeräusche getrennt schlafen: "Herr M., ich glaube meine Fruchtblase ist geplatzt!".
Komischerweise war ich erst die Ruhe in Person, ich habe während ich auf Herrn M. gewartet habe noch eine Whats app an eine Mädelsgruppe abgesetzt mit den Worten "oh fuck, jetzt ist die Fruchtblase geplatzt". Von Herrn M. habe ich dann zunächst Indikatorpapier verlangt, nicht dass ich nochmal wegen Fehlalarm in der Klinik aufschlage- wobei dieser Blasensprung sooo eindeutig war. Scheinbar war ich also doch etwas benebelt. Herr M. hat dann zunächst in der Klinik angerufen und gefragt, ob wir mit dem Auto kommen sollen oder wegen der BEL einen Krankenwagen rufen müssen- die Antwort war eindeutig: Auf alle Fälle mit dem Krankenwagen!!!

Also habe ich Herrn M. noch die letzten Anweisungen gegeben, was in die Kliniktasche muss, während die ersten Wehen einsetzten und ich unkontrolliert zu Zittern begann. Der Sanker kam wohl recht zügig, ich wurde aus dem Bett gehoben, auf einer provisorischen Liege durchs Haus getragen und dann auf die Rollliege gelegt und durfte mich kein Stück bewegen. Den Weg in die Klinik hatte ich mir im übrigen auch anders vorgestellt, ich hatte ein XL-Schlafshirt an und sonst nichts, war ungewaschen und ungekämmt (logisch!).

Auf dem Weg in die Klinik saß die ganze Zeit eine liebe junge Sanitäterin bei mir, während Herr M. im Auto nachkam. Ich wurde dann über die Notaufnahme direkt in den Kreißsaal gebracht, ans CTG angeschlossen und eine übernächtigte Ärztin nahm sich meiner an. Zum Glück war ich vor nicht einmal 2 Tagen noch im gleichen Krankenhaus gewesen, so waren dort wenigstens meine Daten vorhanden denn der Termin für die Geburtsvorbereitung war erst für genau in einer Woche angesetzt.
Die Wehen kamen in immer kürzeren Abständen und der Muttermund war wohl schon 3 cm geöffnet, genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Es wurde eine Bauchsono gemacht und die Yetin befand sich natürlich immer noch in BEL, weshalb ein Kaiserschnitt angeordnet wurde. Ich erhielt während des CTGs noch ein Aufklärungsgespräch zu diesem und zur Anästhesie, da meine Blase randvoll war, erhielt ich den Katheter ohne PDA (was aber gar nicht weh tat!) und habe dann aus dem Kreißsaal per Handy noch einige Leute informiert, bevor es los ging.

Herr M. musste sich umkleiden, während ich die PDA gesetzt bekam. Beim ersten Versuch hatte der Assistenzarzt daneben gestochen, was sich durch einen Stromschlag im rechten Bein bemerkbar machte (der Einstich selbst war im übrigen auch schmerzfrei), aber der 2. Versuch klappte. Es wurden jede Menge Tröpfe, Monitore und Elektroden an mich angschlossen und ab ging es in den OP. Mir ging es plötzlich nicht mehr so gut, ich habe stark zu zittern begonnen und fühlte mich irgendwie seltsam. Herr M. kam dann dazu und hielt meine Hand, während ich aufgeschnitten wurde. Das Gefühl war sehr seltsam. Ich dachte immer, man spürt gar nichts, aber das stimmt nicht. Man empfindet zwar keine Schmerzen, aber es wird wie wild an einem rumgeruckelt und gezerrt, fast so als ob man ein Schlachtvieh ausweidet. Und man spürt eben, dass irgendwie in einem rumgefuhrwerkt wird, ein komisches Gefühl.

Nach kurzer Zeit kam dann der erste Schrei: Herr M. und ich sahen uns an und wir mussten beide weinen. Den weiteren Ablauf weiß ich nicht mehr genau, ich glaube, Lilly wurde erst kurz untersucht oder abgesaugt und mir dann auf die Brust gelegt, während ich genäht wurde. Als ich in den Aufwachraum kam, war Herr M. mit Lilly bei der Vermessung dabei und ich war irgendwie total benebelt und wahnsinnig durstig. Der nette Pfleger hat mir zunächst gläserweise Wasser gegeben, schließlich die ganze Flasche hingestellt, die ich in Windeseile verputzt hatte und ich blieb- trotz Dauerinfusion- weiter ausgedörrt.

Gegen 10 wurde ich dann aufs Zimmer gebracht, Lilly auf meiner Brust und Herr M. bei mir. So lag ich erstmal eine Stunde da, bis ich mich nicht nur komisch gefühlt habe, sondern plötzlich Gesichtsfeldausfälle hatte und nicht mehr richtig gesehen habe. Herr M. hat nach einer Schwester geklingelt, die wiederum einen Arzt geholt hat. An den weiteren Verlauf kann ich mich nicht so genau erinnern, meine linke Körperhälfte wurde auch plötzlich taub, erst der Arm, dann die Lippe, dann das Gesicht und es wurde eine CT veranlasst. Schwestern holten mich ab und fuhren mich in eine andere Etage, während dann plötzlich das Kommando zurück kam und die Anweisung vom Oberarzt lautete, ich müsse in ein anderes Krankenhaus zur Abklärung. Also wurde ein Krankentransport geordert, Sanitäter holten mich während Herr M. bei Lilly blieb und ich wurde zur Uniklinik tranpsortiert. Wie gesagt, ich kann mich selbst nicht mehr so genau erinnern, Herr M. hat mir am nächsten Tag erzählt, dass wohl zeitweise 6 Ärzte im Zimmer waren und Verdacht auf Schlaganfall bestand.

In der Uniklinik angekommen weiß ich noch, dass sich herausgestellt hat, dass wir dort falsch sind und ich eigentlich in der Neurologie im Bezirkskrankenhaus angemeldet sei- also wieder Abtranport und in die andere Klinik. Das Rein- bzw. Rausschieben in den Krankenwagen war im übrigen an der frischen Naht sehr schmerzhaft- daran erinnere ich mich.
Während der Fahrt ins BKH haben sich die Gesichtsfeldausfälle dann zum Glück gebessert und ich konnte allmählich wieder normal sehen. Auch die Taubheit ließ allmählich nach. Dort habe ich dann ein Schädel-CT, einen Ultraschall der Hals- und Kopfgefässe und des Herzens bekommen. Mir ging es mittlerweile wieder deutlich besser, auch die Benommenheit ließ nach und im anschließenden Arztgespräch wurde mir diagnostiziert, dass ich entweder eine atypische Migräne mit Aura aufgrund des geburtlich bedingten Hormonabfalls entwickelt hätte oder eine "gekreuzte Embolie" vorgelegen hatte. Meine persönliche Vermutung ist allerdings eher, dass sich diese "Aura" aufgrund der PDA entwickelt hatte, denn seit dem Setzen dieser wurde mir ja so komisch und ich tippe hier eher auf eine Unvertäglichkeit des Narkotikums, wodurch diese Symptome ausgelöst wurde.

Aber ich war heilfroh, als die Beschwerden nachließ, denn plötzlich nicht mehr richtig sehen zu können bzw. die Hälfte vom Körper taub zu haben ist ein extrem beängstigendes Gefühl!
Nachdem ich dann auch im BKH noch eine Stunde zur Überwachung lag, wurde mein Rücktransport angeordnet und ich kam wieder in der Entbindungsklinik an. Herr M. hatte zwischenzeitlich Lilly gebondet und ich durfte sie nun endlich auch auf meine Brust legen und bei ihr sein. Ich war komplett kaputt, hatte Schmerzen und war gleichzeitig überglücklich, dass ich meine Maus in den Armen halten konnte. Ich habe noch zu Herrn M. gesagt "zum Glück ist dieser Scheißtag vorüber, jetzt ist alles gut"- da wusste ich nocht nicht, dass uns das Schlimmste noch bevor stand...

Kommentare:

  1. Liebe Manati,
    danke für diesen ersten ausführlicheren Bericht, der Dich bestimmt Kraft gekostet hat. Ich hatte Gänsehaut beim Lesen und fühlte mich in einigen Dingen an die Tage nach meiner 1. Geburt erinnert.
    Es tut mir so leid, dass alles so verlaufen ist, das hat doch wirklich keiner verdient! Ich bin sehr gespannt, wie es weiterging, Du hast ja schon angedeutet, dass es noch schlimmer kam. Ich wünsche Dir viel Kraft und schicke liebe Gedanken!
    Viele liebe Grüße!

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    1. Liebe Frühlingskindermama,
      ich habe deinen Bericht noch lebhaft in Erinnerung und war davon ganz betroffen. Schade, dass es oft nicht so läuft, wie man es sich vorstellt, aber immerhin ist die Maus nun da und es ging im Endeffekt ja doch alles gut, auch wenn es kein "idealer" Start war. Dafür versuche ich schon seit Tagen den Geburtsbericht deiner Kleinen zu lesen- der Terrorkrümel hat es bislang immer verhindert, ich muss mich gleich mal drüber machen solange sie nun schläft.
      LG

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  2. Liebe Manati,
    Ich hatte echt Tränen in den Augen, als ich deinen Bericht gelesen habe. Ich wünsche euch dreien das Allerbeste!

    alles Liebe,
    Andrea

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    1. Liebe Andrea,
      vielen Dank! Ich denke, das Schlimmste haben wir nun überstanden.
      LG

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  3. Liebe Manati!

    Zu allererst: Eine wunderhübsche Maus habt ihr! ❤
    Dein Bericht hat mich beim Lesen sehr berührt und ich hoffe, ihr 3 habt mittlerweile eine wunderschöne Zeit und die "Anlaufschwierigkeiten" laaange hinter euch gelassen.
    Alles Liebe!

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    1. Liebe Düse,
      danke schön! Ja, wir haben uns mittlerweile (meist) ganz gut eingelebt und die Startschwierigkeiten sind überwunden. Jetzt kommen die normalen Alltagsschwierigkeiten mit Baby ;-) aber alles vieeel besser als die letzten beiden Wochen!
      LG

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  4. Liebe Manati,
    och menno, so ein harter Tag und dann sollte es noch schlimmer kommen? Ihr habt da schon echt was mitgemacht umso mehr hoffe ich, dass es euch dreien zusammen nun endlich gut geht.
    Ihr habt eine so hübsche Tochter und euch wirklich einen schönen Namen ausgesucht!
    Allse Gute weiterhin für euch,
    Grüße aus dem Norden,
    Nicole S.

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    1. Liebe Nicole,
      vielen Dank! Mittlerweile ist soweit alles gut und ich bin froh, dass die anstrengenden 2 Wochen nach der Geburt vorbei sind.
      LG

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  5. Liebe Manati,

    da hattet Ihr ja eine harte Zeit - ich hoffe, es geht Euch jetzt besser!
    Auf jeden Fall noch herzlichen Glückwunsch zur kleinen Maus, sie sieht supersüß aus <3

    Alles Liebe, Küstenmami

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