Dienstag, 23. Juni 2015

Schwangerschaftsbeschwerden#6- Schmerzen


Nicht schwangerschaftstypisch, aber man ist auch in diesem Zustand nicht davor gefeit: Kopf-, Glieder- und Kreuzschmerzen können auch in der Schwangerschaft auftreten. Gerade letztere kommen im Verlauf zunehmend vor, da einerseits durch die Hormone das Becken gelockert wird, um auf die Geburt vorzubereiten- die Folge sind Schmerzen im untern Rücken oder Ischiasverlauf. Zum anderen führt das fortschreitende zusätzliche Gewicht oftmals zu Fehlbelastungen oder -haltungen, wodurch sich die Muskulatur verspannt und ebenfalls Schmerzen auslöst.



1) Kopfschmerzen 
Prinzipiell ist es einer Schmerztablette egal, wo der Schmerz sitzt- sie wirkt unabhängig vom Entstehungsort. Deshalb können die hier angeführten Medikamente auch bei allen anderen Arten von Schmerzen eingenommen werden.
Gelegentlich auftretende Kopfschmerzen sind- wie auch im "normalen" Zustand- kein Grund zur Sorge. Doch sollten sie plötzlich einsetzen (oder mehrere Tage anhalten), sehr stark sein und mit erhöhtem Blutdruck einhergehen, ist ein Arzt aufzusuchen, da es sich hier dann auch um ein Symptom der Gestose handeln kann.

Ansonsten gilt in allen Schwangerschaftsstadien Paracetamol als Mittel der Wahl (näheres hierzu im Teil 1 unter Kopfschmerzen), im 1. und 2. Trimenon kann auch Ibuprofen eingenommen werden. Dieses wirkt auch entzündungshemmend und hilft meist auch bei stärkeren Schmerzen. Im 3. Trimester ist es wegen einem möglichen vorzeitigen Verschluß des Ductus botallii kontraindiziert (siehe ebenfalls Teil 1). 
Gleiches gilt für den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (Aspirin), der hinter den beiden anderen als Mittel der 2. Wahl gilt, aber auch nur bis zur 28.SSW eingenommen werden darf.
Da den Schmerzmitteln egal ist, ob es sich nun um Kopf- oder sonstige Schmerzen handelt, wirken diese Medikamente auch bei bspw. Glieder- oder Zahnschmerzen. 

Die Einnahme ist generell so kurz wie möglich zu halten und nicht als Dauertherapie anzusehen- es spricht aber nichts gegen eine gelegentliche Anwendung bei Bedarf.

Allgemeine Maßnahmen

Kompressen auf Stirn und Schläfe, gff. auch im Nacken sind altbewährt, um Kopfschmerzen zu lindern. Hier selbst austesten, ob einen eher Wärme (tendentiell eher bei Verspannungen) oder Kälte (bei den meisten sonstigen Kopfschmerzarten) gut tut.

Das Einreiben mit ätherischen Minzöl an den Schläfen wirkt lindernd.

Wenn der Blutzucker zu sehr schwankt, treten oftmals begleitend Kopfschmerzen auf- hier hilft vorbeugend, regelmäßige Mahlzeiten zu sich zu nehmen und notfalls immer eine Kleinigkeit zum Essen dabei zu haben. Der Blutzuckerstatus ist vom Arzt abzuklären.

Auch durch zu niederigen Blutdruck wird Kopfschmerz begünstigt. Diesen hin und wieder kontrollieren (lassen); bei Neigung zu Hypotonie viel trinken, evtl. Kompressionsstrümpfe verordnen lassen und täglich Wechselduschen (Beine/Arme). Spezielle Kreislauftropfen (Korodin) dürfen auch in der Schwangerschaft verwendet werden. 

Frische Luft tut bei den meisten Kopfschmerzarten sehr gut; oftmals wirkt auch eine kleine Menge Koffein (Tasse Kaffee) lindernd oder gar beseitigend.

Bei häufig auftretenden Kopfschmerzen hat sich Akupunktur sehr bewährt.

2) Rücken- und Ischiasbeschwerden
Ischiasbeschwerden äußern sich durch oftmals einseitige, manchmal aber auch beidseitige -oft stechende- Schmerzen im unteren Rücken und Pobereich, die im Verlauf des Ischiasnervs bis ins Bein ziehen können. Zunächst liegt oftmals ein "Anlaufschmerz" vor, der sich mit zunehmender Bewegung wieder bessert; im weiteren Verlauf  kann es sich so verschlimmern, dass jegliche Bewegung und gerade Bücken zur Qual wird.

Für die Einnahme von Schmerzmitteln gilt selbiges wie oben unter "Kopfschmerzen" beschrieben.

Zusätzlich gibt es auf homöopathischer Basis spezielle Globuli für die Becken-/untere Rückenregion: Symphytum comp von Wala. 
Gerade bei Ischiasbeschwerden gibt es einige Dehnübungen, die den Schmerz lindern (am besten Hebamme oder Physiotherapeut fragen), die Stufenbettlagerung hat sich ebenfalls bewährt. 

Spezielle Beckengürtel verordnet der Frauenarzt (z.B. Cellacare materna), die sowohl Bauch als auch Rücken stützen und etwas entlasten.  

Für Beschwerden im unteren Rücken/Becken gibt es zur Entlastung spezielle Sitzkissen/Sitzringe, die  auch nach einem Dammschnitt/-riß Einsatz finden.
 
Alternative Methoden wie Osteopathie, Akupunktur oder auch Physiotherapie sind gerade bei Ischiasbeschwerden sehr erfolgsversprechend.

Sollten die Rückenschmerzen eher durch muskuläre Verspannungen zustande kommen, ist Wärme hilfreich: in Form von Kirschkernkissen oder Wärmflasche, als Infrarotlicht oder durch eine warme Badewanne wird die verspannte Muskulatur gelockert. 

Für Wärmesalben oder -pflaster liegen keine ausreichenden Studien vor- es sind allerdings keine fruchtschädigenden Wirkungen bekannt und außerdem wird über die Haut nur so eine geringe Menge an Wirkstoff resobiert, dass dies auch in der Schwangerschaft als unbedenklich erscheint. 

Moderate Bewegung und spezielle Rückengymnastik lindert v.a. spannungsbedingte Beschwerden, hier am besten einen Physiotherapeuten um Rat fragen.

Kommentare:

  1. Das sind wirklich tolle Tipps! Ich habe in meiner Schwangerschaft auch nicht zu Tabletten gegriffen bei Kopfschmerzen. Genügend Essen und Trinken und wenn das dann doch nicht hilft etwas Minzöl an den Schläfen haben dann meistens auch ausgereicht :)

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    1. Ich halte Medis in der Schwangerschaft auch immer für das letzte Mittel, aber zum Glück gibt es doch unbedenkliche, die man ggf. problemlos einnehmen darf. Und manchmal muss es ja leider sein...
      LG

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  2. Oh, ich fühle mich in meine letzte Schwangerschaft zurückversetzt. Noch garnicht so lange her, aber immernoch spürbar! Ich erinnere mich an vieles, was du in deinem schönen Blog erzählst!
    Hier schlage ich ein Zeltchen auf.
    `liebst Nina

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte, das freut mich sehr :)

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