Samstag, 25. Juli 2015

Hausapotheke für Babys und Kleinkinder


Vor etwas längerer Zeit (*hüstel*) wurde ich von Nele gefragt, ob ich nicht einen Blogpost über eine Hausapotheke für Babys verfassen möchte. Dem komme ich doch -wenn auch zeitverzögert- gerne nach. Und ich selbst muss gestehen: obwohl Herr M. und ich beide Apotheker sind, hatten wir tatsächlich noch nichts für die Kleine vorrätig, haben dies dann aber sukzessive nachgeholt.
In diesem Post werde ich mich v.a. auf schulmedizinische Medikamente konzentrieren und nur einige Homöopathie-"Klassiker" erwähnen, da dieses Themengebiet viel zu umfangreich ist und man ganze Bücher damit füllen müsste.
So, was gehört nun in die Grundausstattung?

Fieber&Schmerzen
An erster Stelle steht hier natürlich-wer hätte das gedacht- ein Fieberthermometer! Zwar lässt sich richtig hohes Fieber von erfahrenen Mamis problemlos erkennen, doch die genaue Temperatur zu erfassen ist selbst für diese ziemlich unmöglich.
Die Geister scheiden sich, ab wann man das Fieber senken sollte, da es an sich ja ein natürlicher und gesunder Prozess ist. Spätestens ab einer Temperatur von 39,5° (rektal) sollte gerade bei Säuglingen langsam etwas getan werden; bei Kleinkindern kann man -falls der Allgemeinzustand ansonsten gut ist- noch bis max. 40° abwarten, dann wird es aber höchste Eisenbahn. Hatte das Kleine schonmal mit einem Fieberkrampf zu kämpfen, sollte man bereits ab 38,5° mit dem Senken beginnen.
Wenn das Baby bei noch nicht ganz so hoher Temperatur trotzdem sehr quengelig ist und sich sichtlich unwohl fühlt, darf man aber auch vorher zum Zäpfchen greifen, da diese auch schmerzlindernd wirken. Generell sollte aber jegliches Fieber bei jungen Säuglingen ärztlich abgeklärt werden.

Und welche Wirkstoffe nimmt man nun?
An erster Stelle steht eindeutig Paracetamol, für Babys in einer Dosierung mit 75mg als Zäpfchen. Für ein Gewicht über 7 kg gibt es dann die 125mg Zäpfchen (ab 13kg 250mg) oder als Alternative auch einen Saft.

Ab einem Gewicht von über 6 kg hat auch Ibuprofen eine Zulassung und zwar als 60mg- Zäpfchen (z.B. Nurofen Junior®), später kann man dann auch hier auf einen Saft umsteigen. Ibuprofen hat gegenüber Paracetamol den Vorteil, dass es nicht ganz so stark auf die Leber geht (wobei man hier immer die Kirche im Dorf lassen muss: bei vorschriftsmäßiger Gabe- sprich unter Einhaltung der Tageshöchstdosis und nur für max. 3 Tage am Stück- bekommt ein Baby auch von Paracetamol sicherlich keinen Leberschaden!) und zudem auch entzündungshemmend wirkt.

Keinesfalls geben darf man Acetylsalicylsäure (Aspirin), da dieses bei Babys und Kindern bis zum 12. Lebensjahr (!) das Reye-Syndrom, eine lebensgefährliche Erkrankung von Leber und Gehirn, auslösen kann.

Und nochmal zurück zum Fieberthermometer: am sinnvollsten ist hier ein ganz einfaches, digitales zur Erfassung der rektalen Temperatur. Evtl. kann man eines mit flexibler Spitze auswählen, dies ist dann für die Kleinen meist ein bisschen angenehmer. Die Messung unter der Achsel oder in der Mundhöhle ist bei Babys noch viel zu ungenau; ebenso wie ein Ohr- oder Stirnthermometer. Diese machen erst ab einen Alter von ca. 1 Jahr Sinn. Und hier ist dann immer zu beachten: Die Ohr-&Stirntemperatur ist im Schnitt etwa 0,5° kälter als rektal gemessen, sprich die tatsächliche Temperatur liegt dann ca. 0,5° höher!

Wenn das Baby/Kind schon einmal einen Fieberkrampf hatte, wird der Arzt auch ein rezeptpflichtiges Medikament dagegen verordnen, meist Diazepam in Zäpfchenform, manchmal auch ein Cortison z.B. Rectodelt® (wird auch bei Pseudokrupp& Atemnot eingesetzt). Da dann bitte unbedingt darauf achten, dass man dies für den Notfall immer daheim hat!

Bauchweh&Blähungen
Damit hat so gut wie jedes Baby zu kämpfen, die einen mehr, die anderen weniger. Der Grund ist recht simpel: die Darmflora des Babys ist noch nicht ausgereift und enthält keine bzw. zu wenig Bakterien. Diese sind es aber, welche die Verdauung unterstützten, ohne sie fängt die Nahrung zu gären an, es entstehen Gase und die äußern sich als Blähungen. Auch durch zu hastiges oder falsches Trinken wird zusätzlich Luft geschluckt, ebenso bei starkem Weinen/Schreien.

Leider gibt es kein Patentrezept, was bei dem einen hilft, ist beim nächsten wirkungslos. Deshalb hier nur eine Übersicht von den Medis, mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben:

Bigaia-Tropfen®: diese enthalten natürliche Darmbakterien, unterstützen so den Darmfloraaufbau und reduzieren die Blähungen. Netter Nebeneffekt: da der Hauptsitz des Immunsystems unser Darm ist, tut man so gleichzeitig was für die Abwehrkräfte. Aber da der Aufbau der Darmflora einfach Zeit braucht, bemerkt man keinen Soforteffekt sondern braucht Geduld von mind. 1 Woche, bis eine Besserung beginnt.
Ähnlich wirkt Mutaflor®, wobei der darin enthaltene Bakterienstamm sich nur im Dickdarm ansiedelt, weshalb das eigentliche Einsatzgebiet eher Durchfall ist. Trotzdem hilft es auch bei Blähungen.

Ein weiterer Klassiker ist der Wirkstoff Simeticon (z.B. Lefax®, Sab simplex®). Das nette an diesem Medikament ist, dass man es nicht überdosieren kann, da es nicht resorbiert wird. Es durchwandert lediglich den Magen-Darm-Trakt, bringt dort die Gasbläschen zum Zerplatzen und wird dann wieder ausgeschieden. Allerdings sind trotzdem Hilfsstoffe (v.a. Konservierungsmittel) enthalten, weshalb man einem Säugling nun nicht die ganze Flasche auf einmal geben sollte, die aber in der empfohlenen Dosierung trotzdem unbedenklich sind. Mein persönlicher Favorit ist hierbei das Lefax, da es 1. einen verträglicheren Konservierungsstoff enthält und 2. nicht ganz so pappsüß ist wie das Sab simplex (aber immer noch extrem süß!).

Homöopathisch gibt es viele verschiedene Mittelchen speziell gegen Blähungen beim Baby, z.B. Flatulini Globuli®, Paderborner Pupsglobulis® (die heißen tatsächlich so! Nur online erhältlich, manche Apos besorgen sie aber), Chamomilla-Globuli in D6 oder D12 (wird auch beim Zahnen und Entzündungen verwendet), Windpulver (stellen nur manche Apotheken her, evtl. online zu beziehen),...hier muss man ausprobieren was und ob es hilft.

Sehr beliebt sind auch die Carum carvi-Zäpfchen® von Wala. Diese enthalten ebenfalls homöopathisch aufbereiteten Kümmel und wirken gegen Blähungen. Kleiner Tipp: erst nach dem Stuhlgang einführen, ansonsten erzeugt man v.a. einen Defäkationsreiz, sprich die Windel wird -mitsamt den gelösten Zäpfchenbestandteilen- vollgekackt! Aber wenn der Darm wieder leer ist, werden ja oftmals auch die Blähungen schlagartig besser :)

Äußerlich kann man den Bauch massieren (immer im Uhrzeigersinn, da so der Darm verläuft und man die Nahrungfluss Richtung Ausgang fördert), z.B. mit Windsalbe® oder dem Baby-Bäuchleinöl® von Weleda.

Wenn die Kleinen zu selten in die Windel machen (wobei bei Stillkindern ja eine Frequenz von nur einmal in 2- manche sagen sogar 4!!!- Wochen noch als normal gilt!) und sich dabei sichtlich unwohl fühlen bzw. danach eine Besserung eintritt, kann man durch gelegentliches Abführen Erleichterung verschaffen. Hierfür gibt es spezielle Säuglingszäpfchen, die ebenfalls nicht resorbiert werden sondern nur lokal den Darminhalt an- und einen Defäkationsreflex auslösen ( z.B. Glycilax® Zäpfchen).

Kleine Mengen an Fencheltee wirken auch blähungstreibend, allerdings kann dieser in zu großen Mengen wiederum selbst zu Bauchweh führen. Beim Stillbaby reicht es meist, wenn die Mama einen sog. Stilltee trinkt; ansonsten können die Kleinen vor jeder Mahlzeit einen Teelöffel mit Fencheltee erhalten. Oder als Alternative bei Flaschenbabys: eine Flaschenmahlzeit mit einem schwachen(!) Fencheltee statt Wasser zubereiten.

Bei Durchfall, der länger als 12 Stunden anhält sollte man mit Babys umgehend zum Arzt, um einer Dehydrierung vorzubeugen. Wenn parallel noch Fieber auftritt, dann sofort den Doc aufsuchen. Bei Kleinkindern kann man eine Elektrolytlösung vorrätig haben (z.B. Oralpädon®, Elotrans®), denn das Ausgleichen des Wasser- und Mineralstoffverlustes ist das Essentielle.

Popflege 
Bei leichter Reizung ist oft eine Zinksalbe ausreichend. Hierbei darauf achten, dass diese möglichst paraffin-/erdölfrei ist, denn das Paraffin erzeugt den sog, Okklusionseffekt: die Haut wird abgedichtet, es kommt irgendwann zum Hitzestau und die Beschwerden verschlimmern sich langfristig noch.

Sind die Rötungen stärker oder zeigen sich offene Stellen, verwendet man am besten eine Nystatin-Salbe (Multilind®). Diese enthält neben dem Zink auch einen Wirkstoff gegen Pilze, denn durch das feuchte Milieu kommt es im Windelbereich sehr schnell zu Pilzinefektionen, die ohne rechtzeitige Behandlung schwer wieder in den Griff zu kriegen sind.

Zur normalen Pflege bzw. bei leichter Reizung schwören auch viele auf die Calendula-Salbe® von Weleda.

Erkältung
Gehört bei kleinen Babys prinzipiell in die Hand eines Arztes, der dann auch die dementsprechenden Sachen verordnet.
Sollte es sich lediglich um einen Schnupfen handeln, kann man diesen aber gut selbst therapieren, indem man mehrmals täglich einige Tropfen sterile Kochsalzlösung in die Nase träufelt. Zum Abschwellen der Schleimhäute gibt es speziell dosierte Nasentropfen für Babys, z.B. Olynth 0,025%®.

Damit die Kleinen wieder besser Luft kriegen, kann man auf die Kleidung/auf ein Lätzchen wenige Babix-Tropfen® geben, deren ätherischen Öle dann eingeamtet werden.

Generell ist bei ätherischen Ölen aber Vorsicht geboten, denn in vielen Erkältungssalben sind welche enthalten, die Babys und Kleinkinder noch nicht vertragen und sogar zu einem Bronchospasmus führen können. Deshalb immer nur Produkte speziell für Babys verwenden und bei den ganz Kleinen auch noch nicht direkt auf die Haut geben (z.B. Transpulmin mild®, darf ab 3 Monaten verwendet werden).

Bei Husten sollte vom Arzt abgeklärt werden, ob die Lunge frei ist- hier empfiehlt sich vorerst keine Selbstmedikation.

Verletzungen
 Ein Desinfektionsspry ist essentiell, z.B. Octenisept®, da dieses nicht brennt. Dieses kann auch schon bei Neugeborenen verwendet werden, wenn es z.B. im Rahmen der Nabelpflege erforderlich ist.

Bei kleineren Verletzungen tupft man am besten punktuell eine Zinksalbe auf, diese wirkt wundheilungsfördernd und saugt bei offenen Stellen auch die Nässe auf.
Dexpanthenolhaltige Salben (z.B. Bepanthen®) machen erst Sinn, wenn sich bspw. bei einer Schürfwunde wieder eine neue Hautschicht gebildet hat oder die Kruste damit weich gehalten wird. Auf offenen Wunden sind diese wirkungslos und sogar kontraproduktiv.

Dass man Pflaster und kleine Mullbinden zum Fixieren vorrätig haben sollte, versteht sich eigentlich von selbst. Auch kleine Kühlpads mit Gel sind zum Kühlen bei Verletzungen sinnvol.

Arnica-Globuli (D6/D12) sind der Klassiker gegen sämtliche Verletzungen,wie Zerrungen, Prellungen, Schwellungen etc. 

Sonstiges 
Wenn es ans Zahnen geht, gibt es spezielle Zahnungsglobulis: Osanit®. Gerade hierbei sollte man auch immer fiebersenkende Mittelchen zur Hand haben, da das Zahnen oftmals mit einer Temperaturerhöhung eingeht. Ein gekühlter Beißring fällt zwar nicht direkt unter Hausapotheke, macht dann aber durchaus Sinn :).

Was den Milchschorf und Gneis betrifft, gibt es auch verschiedenen Meinungen zwecks der Behandlung. Meine persönliche: solange sich hier nichts infiziert, geht das normalerweise irgendwann von selbst weg. Ich verwende höchstens mal Olivenöl auf der Kopfhaut und lasse dies einige Stunden bis zum Baden einwirken, danach bürste ich mit einer weichen Babybürste die gelösten Schüppchen ab.
Wer so etwas als arg störend empfindet bzw. wenn der Schorf überhand nimmt, kann spezielle Cremes oder Gels verwenden, z.B. Pediatril® Gel von Avene oder BabyBene® Gel.
Wenn es zu Entzündungen oder nässenden Stellen kommt, müssen diese aber selbstverständlich behandelt werden!

Meine persönliche Checkliste:
mit Medis, die ich momentan immer vorrätig habe
- Paracetamol 75mg
- Ibuprofen 60mg
- Lefax Tropfen
- Bigaia Tropfen
- Glycilax Zäpfchen
- Carum carvi Zäpfchen
- Multilind Salbe
- Töpfer Zinksalbe
- Olynth 0,025%
- Babix Tropfen
- Octenisept Spray+ Verbandmaterial


 Habe ich noch irgendwelche Beschwerden vergessen? Dann immer her damit! :)

Kommentare:

  1. Super :) ein klasse Post, der mir sicherlich immer wieder helfen wird.
    Sab Simplex habe ich aktuell auch zuhause, möchte aber demnächst Lefax testen. BiGaia habe ich mir heute besorgt (ganz schön teuer o.O) kennst du BloxAir? Die sollen soweit ich weiss genauso wirken wie BiGaia aber noch Simeticon enthalten, sodass eine zusätzliche Einnahme von Lefax oder Sab überflüssig wäre. In der Apotheke gab es das Mittel aber nicht, weswegen ich dann BiGaia genommen habe.

    Liebe Grüsse :)

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  2. Hallo Manati,

    ein RIESEN Lob und ein großes Danke für diese tollen Post! Wir haben Paracetamol, Olynth und das Pediatril Gel da. Letzteres scheint bei T. allerdings keine Wirkung zu zeigen... Dann lieber gar nichts... :D Die ganzen Verdauungssachen haben wir glücklicherweise nicht gebraucht. Aber die Infos zu Ibuprofen wusste ich z.B. auch nicht, ich glaube, da werde ich mal noch was holen. Bei mir wirken Ibus nämlich besser, als Paracetamol. Zumindest bilde ich mir das ein. Und da wir die 6 kg auch schon erreicht haben (keine Ahnung, wann genau das passiert ist :D), könnten wir das als Alternative auch noch nehmen, falls es mal nötig sein sollte. Ich werde im August auch nochmal den Kinderarzt beim ersten Impfen darauf ansprechen. Gerade da könnte man ja bei großem Unwohlsein hinterher ein Zäpfchen geben. Hoffentlich verträgt er es gut...

    Liebe Grüße!
    Nele

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  3. Zu Thermometern:
    Bei richtiger Anwendung ( nicht während des Stillens, trockne Stirn, usw) können Ohr- und Stirnthermometer bei Babys ab 3 Monaten verwendet werden. Eine gute Übersicht der besten Thermometer gibt es hier: http://www.ohrthermometer-info.de/tests-2015/

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  4. Ich habe ein paar Artikel darüber gelesen, aber das gab mir zu denken. Der Autor ist in der Lage, große Ideen für Ihr Blog zu übertragen.

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