Dienstag, 29. September 2015

Die Sache mit dem Rhythmus

Dank der momentan anstrengenden Zeit (siehe Beitrag "Schreibaby") habe ich einige Bücher und Artikel gelesen, wo immer wieder propagiert wird, dass ein geregelter Tagesablauf das A und O für das Baby sei, damit sich dieses darauf einstellen kann, an Sicherheit gewinnt und dadurch ruhiger wird.
Klingt soweit alles sehr plausibel. Doch schon stehe ich hier vor der ersten Hürde: dieser Rhythmus enthält u.a. fixe Schlaf- und Essenszeiten. Dies jedoch widerspricht komplett dem Vorgehen, sein Baby nach Bedarf zu ernähren und schlafen zu lassen, was als die beste und babyfreundlichste Methode angesehen wird.

So war es bei uns

Bei uns war es- vor Lillys Schreiphasen- so, dass die Kleine geschlafen hatte, wann und wo sie wollte. Wir hatten das große Glück, dass sie plötzlich seit dem 12-Wochen-Schub einfach abgelegt werden wollte und den Arm zum Einschlafen auf einmal blöd fand. So kam es dann vor, dass sie manchmal einfach unterm Spielen eingepennt ist oder wo auch immer. Gott, war das toll.
Wir hatten Tage, da hat sie kaum geschlafen, sondern nur hin und wieder ganz kurze Naps gehalten und an anderen hat sie stundenlang vor sich hingerüsselt. Ähnlich mit dem Essen: manchmal hat sie alle 2 Stunden Hunger, an anderen Tagen nur alle 4-5. Unser Tages-Rhythmus sah und sieht so aus, dass sich in unendlicher Reihenfolge Schlafen-Spielen-Essen-Spielen-Schlafen aneinanderreiht, allerdings komplett ohne fixe Uhrzeiten. Dann kommt irgendwann noch ein Spaziergang hinzu, aber auch nicht zu einer festen Zeit, ebenso wie Einkaufen o.ä.
Abends hat sie zwischen 22 und 23 h die letzte Mahlzeit erhalten hat (zu der Zeit, wo auch ich schlafen ging), wurde dann in ihr Beistellbett gelegt und meist bis gegen 4 geschlafen hat (und auch dieser Fortschritt stellte sich parallel zum 12-Wochen-Schub ein, vorher war auch in den Nächten alle 2-4 Stunden Essen angesagt). Und nach dem Essen dann nochmal weitere 3-5 Stunden.

So ist es nun bei uns
Was bei uns nun relativ fix ist, ist die Einschlafens- und die Aufstehzeit. Relativ heißt, dass sich erstere mom. zwischen 19:30 und halb 20:30 bewegt, dem geht das Abendritual voraus. Aber auch hier war es nicht so, dass wir dies Zeiten festgelegt hätten, sondern Lilly hat von einen Tag auf den anderen von selbst damit begonnen.
Nun schläft sie meistens tatsächlich durch bis gegen halb 7 (+/-) in der Früh, dann stehen wir auf, ich mache mich fertig während sie spielt und dann gibts ihr Frühstück (hier nur als kleine Anmerkung am Rande: nachdem die Dame die ganze Nacht nichts gegessen hat, sollte man doch etwas Hunger erwarten?! Fehlanzeige! In der Früh sind 70-100ml drin, nur selten etwas mehr!).
Natürlich klappt das nicht jede Nacht, manchmal kommt sie noch 2-3 Mal zum Essen, oftmals ist sie nachts auch wach und möchte bespaßt werden, doch auch hier schläft sie meistens ohne Tragen von alleine wieder ein, wenn ich mich nicht aufs Spielen einlasse (toitoitoi, ich traue mich kaum, das zu schreiben!).
Anders die Tage, denn die sind momentan wild. Nach dem Aufstehen, Spielen und Frühstück kommt erstmal wieder das Spielen an die Reihe, während ich Kaffee trinke. Auch hier sind wir in unserer alten Schlafen-Spielen-Essen-Spielen-Schlafen-Dauerschleife, doch gestaltet sich der Schritt vor dem Schlafen als schier endlos. Ich merke, wenn Lilly müde wird, doch sie ist nicht zum Schlafen zu kriegen, wird zunehmend überreizt etc. Das endet dann oftmals so, dass ich stundenlang trage (wohlgemerkt: das Tuch wird nun als blöd befunden!), damit sie 40 Minuten schläft. Das ganze erstmal rauszuzögern, bis sie noch müder wird, endet nur damit, dass sie mehr weint und schreit und wütend wird.
Genau hier sollen feste Schlafenszeiten angeblich Wunder bewirken. Aber nun die große Frage:

Wie führe ich so einen Rhythmus ein?
Was ich bislang festgestellt habe: ein Verlängern der Wachzeiten ist ebenso kontraproduktiv wie ein Wecken aus dem Schlaf. Nicht, dass ich letzteres machen würde, es ließ sich nur einmal dank eines Arzttermines nicht vermeiden. Die Folge war, dass Madame Unleidig nur noch genölt und schließlich unberuhigbar geschrien hat. Der Kinderarzt meinte ganz klar, dass es für das Einführen fester Tagesschlafzeiten noch viel zu früh sei und das sehe ich an sich genauso.
Bis letzte Woche war es seit Beginn der Schreiphase, dass die Maus nach ca. 2 Stunden Wachphase für 40 Minuten geschlafen hat, seit 3 Tagen kristallisiert sich heraus, dass die Wachabstände auf 3 Stunden anwachsen- die Schlafdauer liegt bei etwa einer Stunde.
Ich orientiere mich hier also eher am natürlichen Schlafrhythmus, den die Kleine momentan hat und lege einen Spaziergang oder eine Autofahrt zum Einkaufen so, dass sie zu ihrem Müdigkeitszeitpunkt im MaxiCosi oder im Kinderwagen liegt-  im letzteren schläft sie problemlos ein (sofern der Untergrund kiesig ist und es gescheit wackelt) und im Auto ist es Glückssache. Hat früher sehr gut geklappt, zu den Zeiten der schlimmsten Schreiattacken gar nicht mehr, mittlerweile wieder recht gut, wenn sie müdigkeitsmäßig noch nicht "drüber" ist. Aber so spare ich mir das stundenlange Tragen, dass auf Dauer echt schlaucht, weil das ganze mehrmals täglich und stundenlang passieren soll- und das Tuch ist ja mittlerweile nicht mehr gewünscht.

Auch das mit dem Essen ist ähnlich. Versuche, hier einen festern Rhythmus einzuführen sind zum Scheitern verurteilt. Wenn sie keinen Hunger hat, isst sie nicht. GAR NICHTS. Aber wenn sie Hunger hat, muss es schnell gehen. Eine Flasche, die noch eine Minute abkühlen muss, ist scheinbar eine Sache auf Leben und Tod. Also kriegt sie auch hier immer zu essen, wenn sie möchte. Ich finde dieses Verhalten an sich auch sehr gesund, aber fixe Essenszeiten gehen damit eben nicht. Wobei ich dazu sagen muss, dass sie im Moment meistens tagsüber alle 2,5-3 Stunden Hunger hat, also schon ein annähernder Rhythmus, der einfach natürlich entsteht. Und ich denke, wenn wir die Beikost vermehren, kommt es hoffentlich von alleine zu etwas festgelegterem Zeiten was das Essen betrifft...

Trotzdem steht hinter allem die große Frage, wie ich denn einen gemäßigteren Rhythmus einführen könnte, denn Miss Dickkopf lässt sich da nichts vormachen und ich frage mich ganz ehrlich, wie das andere Eltern schaffen? Wie sind denn Eure Erfahrungen damit?

Und zu guter Letzt taucht auch bei mit immer wieder die Frage auf:
Ist ein fester Rhythmus wirklich so wichtig?Hier bin ich hin und her gerissen. Mein Herz sagt im Grunde nein. Zum einen, weil ich sehe, dass die Maus selber einen Rhythmus entwickelt, der sich laufend mit ihrer Entwicklung ändert und zum anderen, weil ich selbst nicht unbedingt ein so strukturierter Mensch bin, dass ich bspw. feste Essenszeiten habe, sondern hier ganz nach meinem -schwankenden- (Hunger)gefühl gehe. Ich glaube auch, dass mich das Einhalten fester Zeiten zusätzlich stressen würde, gerade wenn etwas nicht klappt.
Trotzdem möchte ich natürlich meine Tochter so gut wie möglich unterstützen, und wenn ihr die Vorgabe eines festen Rhythmus wirklich helfen würde, um ruhiger zu werden, wäre das Gold wert (gerade auch für mich!). Im Übrigen finde ich unsere Tage mit der oben erwähnten Dauerschleife jetzt gar nicht SO unstrukturiert, aber angeblich zählt das nicht als fester Rhythmus.
Und nun bleibt trotzdem die bereits erwähnte große Frage: wie einführen? Und überhaupt einführen?

Ich freue mich auf Eure Erfahrungen!

Kommentare:

  1. Liebe Manati,
    Ich finde, du machst das ganz richtig, indem du nicht nur auf Ratschläge, sondern auch auf dein Herz und vor allem auf deine Maus hörst. Mit ein klein bisschen Hilfe - die einen brauchen mehr und die anderen weniger - finden unsere Kinder ihren eigenen Rhythmus. Das braucht Zeit und keinen Druck und kann manchmal doch ganz unerwartet funktionieren.

    Ich finde es immer sehr schwierig, zwischen all den Ratschlägen und Richtlinien, die es zum Umgang mit einem Baby gibt, hindurchzumanövrieren. Die Verwandten mit Kindern stammen oft aus "alter Zeit", in der man einige Dinge eben ganz anders gehandhabt ist - das macht sie aber nicht immer automatisch falsch. Jedes Kind ist auch irgendwo anders und da muss man schauen, was zu Baby und zu den Eltern passt.

    Liebe Grüße!

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  2. Ich habe dir ja im letzten post schon ein wenig zum Thema Rhythmus geschrieben.

    Interessanterweise erkenne ich unseren Tagesablauf in deinem wieder.
    Unser 16-Wochen alter Sonnenschein wird gerade gegen Nachmittag oft ziemlich unleidig, wenn er nicht ausreichend Schlaf tagsüber bekommen. Das kann durchaus mal passieren, da wir uns ja nicht zu 100% immer nur nach ihm richten können, da wir ja noch den großen Bruder mit 2 Jahren daheim haben und ich zudem seit Monatsbeginn wieder 1 Tag pro Woche arbeite.

    Bei uns ist es so, dass ich mich vor allem mit den Schlafenszeiten nach einem festen Rhythmus richte. Das Essen wird weiterhin nach Bedarf gegeben (hier auch Flasche).
    An folgende 'Regeln' halte ich mich mit meinem Tagesablauf halte ich mich, um das große Geschrei zu umgehen:
    1. alle 2-3h wird geschlafen. Mal nur 20 Minuten, mal 2-3H am Stück. Das je nach Bedarf. Aber spätestens nach 2.5 h wach wird getragen, gekuschelt bzw. gewippt.
    2. fester Mittagschlaf irgendwann zwischen 12/13 Uhr für 2-3h im abgedunkelten Schlafzimmer mit vorheriger Flssche zum Einschlafen.
    3. innere Einstellung. Ich singe oft um das Atmen nicht zu vergessen. Hört sich komisch an, aber gerade mit 2 Kids ist doch oft sehr stressig und dann bin ich zwischenzeitlich doch am Limit und merke plötzlich, dass ich gar nicht mehr richtig atme und mich das zusätzlich stresst. Diesen Stress scheine ich dann doch irgendwie auf die Kinder zu übertragen und dann wird's noch stressiger - Teufelskreis also.

    Mittagschlaf macht der Junior übrigens nur dann richtig lange, wenn ich neben ihm liegt. Oft wird er nach 30-40 Minuten nämlich noch mal wach, dann trinkt er manchmal noch was bzw. ich Schaukel oder trage ihn nochmal kurz und dann schläft er wieder ein.
    Und ich sage dir: OHNE diesen langen Mittagschlaf gehts nicht, da wird mein Sonnenscheinchen auch ganz schnell ein Monster-Schreibaby.
    Und daran halte ich mich immer - wir sind mittags IMMER daheim und es wird geschlafen. Und dafür ist dann der restliche Tag sehr entspannt und relaxt.

    Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen.
    Liebe Grüße!

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  3. Hallo liebe Manati,
    ich hab mich das auch gefragt. Meine Hebamme sagte, das ginge im Grunde nicht. Man könne nur abwarten, bis die Kleinen von sich aus Einen gewissen Rhythmus entwickeln (so wie ja bei Euch langsam) und diesen dann ggf. langsam ein wenig anpassen (also vielleicht nach und nach z.B. eine Essenszeit um insges. 30 Min verschieben).

    Das fand ich sehr beruhigend und kann es auch bestätigen. Der Kleine hatte immer für einige Wochen "seinen" Rhythmus", dann änderte sich das wieder und es ganz einen anderen Rhythmus. Und irgendwie ging es dann.

    Weiter durchhalten!
    Liebe Grüße

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