Mittwoch, 21. Oktober 2015

Schreibaby 2

Zunächst nochmal vielen herzlichen Dank für Eure zahlreichen Kommentare und Tipps zum Schreibaby-Post.
Bei uns hat sich die Situation selbst mittlerweile deutlich gebessert. Lilly hat zwar immer noch hin und wieder Schreiattacken, aber deutlich seltener. Deshalb an dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung, was bei uns letztendlich etwas geholfen hat.
Den ersten Durchbruch gab es kurz nach dem letztem Post zu diesem Thema. Wie ich dort schon erwähnt hatte, schienen die Schreiattacken in der Müdigkeit begründet zu sein, weil die Maus tagsüber einfach nicht mehr schlafen konnte und wenn sie dann endlich im Land der Träume angelangt war, nach 40 Minuten schreiend aufschreckte und ein Weiterschlafen nicht mehr möglich war.

Hierzu nur am Rande: dieses Wachwerden nach 30-50 Minuten haben wohl alle Babys, aber normalerweise so, dass man (und das Kind selbst!) es nicht merkt. Ab etwa dem 4. Monat stellt sich der Schlaf bei den Kleinen um, und sie fallen direkt in den Tiefschlaf. Nach den 30-50 Minuten wechselt dieser dann in de REM-Phase und genau bei diesem Übergang werden ganz kurz die Augen geöffnet und die Lage "geprüft". Diese beiden Phasen wechseln sich in dem oben angegebenen Takt laufend ab und werden mit zunehmenden Alter immer länger. Warum es ein Baby nicht schafft, hier sofort weiter zu schlafen, ist unklar. Es gibt verschiedenen Theorien von wegen Überreizung oder Regulationsstörung bis hin zu einer temporären Dysbalance bestimmter Hormone (Orexine), die für den (fast) nahtlosen Übergang dieser Schlafphasen verantwortlich sind.
Das oben erwähnte "Lage checken" ist evolutionstechnisch gesehen wohl der eigentliche Grund für dieses kurze Aufwachen- hier wird anscheinend instinktgesteuert geprüft, ob man noch in Sicherheit ist. Man sollte also annehmen, dass das Baby wieder weiterschlafen könnte, wenn seine Bezugsperson da ist und sich ihm zuwendet und wenn die Einschlafsituation/-position die Gleiche ist wie die zum Zeitpunkt des Erwachens. Ein evtl. Lagewechsel (z.B. Einschlafen im Arm- Aufwachen im Bett) war bei uns absolut irrelevant, es kam trotzdem zum Hochschrecken, wenn sich an der Situation gar nichts geändert hatte. Auch die bloße Anwesenheit mit Streicheln hat nichts gebracht.

Aber aus dieser Theorie hervorgehend  habe ich lauernd am Bett gesessen und sobald sie angefangen hat zu weinen, habe ich sie sofort hochgenommen, getragen und gewiegt. Das war etwas kniffelig, denn die ersten beiden Male war ich scheinbar um Millisekunden zu spät dran, und sie hat dann auf dem Arm weiter geweint. Beim dritten Versuch habe ich sie hochgenommen, sobald sie das Gesicht verzogen hat, aber noch ehe das Gebrüll anfing. Und siehe da, es kamen nur einige Schluchzer und sie hat weitergeschlafen. Ich konnte sie dann nach wenigen Minuten wieder ablegen. Das ganze hat sich dann 3 mal wiederholt, alle 40 Minuten. Die Maus ist nicht richtig wach geworden und hat es so geschafft, 3x40 Minuten und dann nochmals etwa 30 Minuten, sprich ca. 2,5 Stunden am Stück zu schlafen. Sie ist dann auch nicht-weinend aufgewacht und war wie ausgewechselt.

Dies war der allererste Schritt zur Besserung. Das nachfolgende Einschlafen war dann auch nicht mehr ganz so mühselig, sprich langwierig, aber natürlich noch immer mit viel Geweine verbunden. In den nächsten Tagen hat die Methode mit dem Hochnehmen vor dem Schreien oftmals sehr gut funktioniert, und die Kleine wurde insgesamt etwas entspannter. Mittlerweile versagt auch das Hochnehmen meist, wobei sie aber nun auch seltener schreiend hochschreckt.

Das Einschlafen selbst war und ist nach wie vor ein Auf und Ab, aber mit deutlicher Tendenz zur Besserung. Wenn wir in schlechten Zeiten manchmal 1,5 Stunden ein dauerschreiendes Kind tragen mussten, so hat sich dies nun oftmals auf 10-20 Minuten reduziert- ohne Dauerschreien, aber oft mit phasenweisen Geweine. Es gibt nach nach wie vor - mittlerweile selten!- sehr schlechte Tage, wo sie wieder viel brüllt, aber meistens ist es tatsächlich so, dass das Einschlafen zwar mit Geweine verbunden ist, aber bei  weitem nicht mehr so exzessiv und auch nicht so lange. An guten Tage fehlt das Geweine sogar ganz und an sehr guten kam es schon 2-3 x vor, dass sie einfach so unterm Spielen weggepennt ist.

Nach wie vor problematisch ist das "außer Haus" sein. Gerade bei fixen Terminen wie Arzt o.ä. kommt die Übermüdung und die kleine Maus schafft es dann nicht, in den Schlaf zu finden- dadurch kommen dann fiese und unberuhigbare Schreiattacken zu stande. Ist uns z.B. auch schon mal im Supermarkt passiert, da hier der Untergrund zu glatt war, als dass das Einschlafen im Wagen funktioniert hätte. Ich war auch schon mal mit knarzigem Kind spazieren, als ich -Gott seis gepriesen und getrommelt-  eine klitzekleine Kopfsteinpflasterfläche vor einem Friedhof entdeckt habe. Ich habe auf diesen 3 Metern gefühlte Ewigkeiten Auf und Ab geschoben. Wahrscheinlich dachten die Passanten, ich spinne. Oder sie waren selbst Mütter und verstehen den Sinn.

Alles in allem ist es nun also deutlich besser, auch wenn wir nun ein bißchen ein Einsiedlerkrebs-Dasein führen.Wir treffen uns einmal wöchentlich mit anderen GVK-Mamis zum Kuchen und Spazierengehen, aber ansonsten gehen wir -außer zum spazieren- leider kaum raus. Ich finde es wahnsinnig schade und für mich selbst auch etwas belastend, aber es ist eindeutig besser so. Und ich hoffe, dass sich das auch wieder bessert! Immerhin kriegen wir manchmal Besuch, so dass ich nicht komplett isoliert bin. Und Hauptsache, das fiese Dauerschreien ist besser.

Ach ja, noch kurz ein Wort zu den Nächten: nachdem ich im letzten Post ja geschrieben hatte, dass sie meist durchschläft, hat sich das nun komplett auf den Kopf gestellt. Es ist nun wieder die Regel, dass sie ziemlich genau alle 3 Stunden wach wird und nur durch die Flasche wieder einschläft. Hierbei trinkt sie meist einmal eine "normale" (also für unsere Umstände, sprich 100-120g) Portion und ansonsten Mikromengen von etwa 50g. Aber wenigstens schläft sie dadurch ein! Tja, so schnell kanns also gehen, sowohl im Positiven, als auch im Negativen.

Kommentare:

  1. Schön, mal wieder etwas von dir zu lesen =) Ich freue mich, dass die Situation sich bei euch nun etwas verbessert hat =)

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  2. Liebe Manati,
    und wie ich das alles kenne. Das mit den Schlafzyklen von Babys ist wirklich faszinierend. Mein Großer hatte ca. ab dem 4. Monat einen Schlafzyklus von 45 min. Wenn er selten mal zuhause geschlafen hat, schaffte er es bis ca. zu seinem 1. Geburtstag nie, über die 45 min. zu kommen. Das schaffte er nur draußen im Kinderwagen, wenn er irgendwann eingeschlafen war. Dann habe ich kurz vor der 45 min-Schwelle mir auch einen Weg ausgesucht, wo es ziemlich sicher war, dass er nochmal einschläft. Das war immer ein Zittern! Und wehe, es kreischte ein Vogel oder kam ein Jogger vorbei im Park. Dann war es aus und das Geschrei setzte sofort ein. Mit der Zeit entwickelte man echt Strategien, wo man lang läuft etc. In fremden Umgebungen haben wir ihn auch immer auf Kopfsteinpflaster hin und her geschoben, bis er einschlief.
    Meine Kleine hat die ersten 6 Monate sehr lange geschlafen, so dass keine Schlafzyklen erkennbar waren. Mit genau 6 Monaten hat sich alles verschlechtert und sie schlief dann nur noch 30 min. Das war so ätzend, weil sie natürlich total schlecht gelaunt und müde war. Bei ihr konnte man das nur verlängern, wenn ich mich mit ihr hingelegt habe. Diesen 30 min-Zyklus hat sie bis heute, z.B. im Auto schlägt sie nach 30 min die Augen auf und man muss zittern, dass sie nochmal weiter schläft.
    Wir hatten auch, besonders mit dem Großen, ein Einsiedlerdasein. Doch selbst die pflegeleichtere Kleine hat am besten zuhause "funktioniert". Also keine Babys, die man überall mit hinnehmen kann und die alles mitmachen. Haben die wenigsten verstanden, aber es ging nicht anders. Ich kenne alles, was Du schreibst, von uns, und kann Dir nur sagen, dass es irgendwann vorbei ist. Bis dahin aber ist es echt hart. Da wünscht man sich Verständnis.
    Liebe Grüße und viel Kraft!

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  3. Hallo Manati,
    da ich deinen Blog sehr schön finde und regelmäßig mitlese, habe ich dich zum Liebster Award Nominiert :-)
    Dies ist ein Lieblings-Blog-Award um Blogs miteinander zu vernetzen. Vielleicht hast du ja Lust mitzumachen.
    Meinen Beitrag, die Spielregeln und die Fragen findest du hier:
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    Liebe Grüße,
    Jasmin

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