Dienstag, 10. November 2015

Hilfe, mein Kind isst nicht!

Lilly ist ein Kaktus. Anders kann ich mir das nicht erklären. Sie ist nun 6,5 Monate alt und trinkt seit Wochen nur noch 500-600ml, manchmal auch nur 400. Wer nicht stillt weiß, dass das die Menge ist, die ein 2 oder 3 Wochen altes Baby verspeist. Und mit der Beikost sieht es ähnlich mau aus- ein Hauch von Nichts.
Die Kleine war ja noch nie der große Esser, hat immer nur etwa 2/3 der "rechnerischen" Tagesmenge getrunken. Das ist ja auch absolut ok, es braucht ja nicht jedes Kind gleich viel. Aber langsam wird es echt unteriridisch, nicht nur die Trinkmenge, sondern auch die Situation!
Es begann vor einigen Wochen, da hat Lilly auf dem Arm jedes Mal gebrüllt und sich weggewunden, sobald die Flasche kam. Als Mama denkt man natürlich an alles mögliche, erstmal an Schmerzen beim Schlucken (Zahnen? Halsweh? Reflux?) gefolgt von einem "Flaschentrauma" (war es mal zu heiß? Hatte sie mal Schmerzen beim Trinken?) oder einer plötzlichen Abneigung gegen das Milchpulver/den Sauger.

Also wird auch alles mögliche ausprobiert: Wechsel des Pulvers, Umstieg auf AR-Nahrung, 1000 verschiedene Flaschenmodelle mit unterschiedlichen Saugern werden angeschleppt- nichts hilft.
Nun wird die Trinksituation geändert: erst wird es auf dem Pezziball versucht (erfolglos), dann also runter vom Arm und im Liegen. Unterm Spielebogen. Das funktionierte. Erstmals.

Das kuriose daran ist: Lilly weint die Flasche scheinbar oft aus Prinzip an, manchmal ist es so, dass sie tatsächlich Hunger hat und nach dem ersten Gebrüll gierig trinkt, manchmal mag sie die aber absolut nicht haben und regt sich tierisch auf, wenn man es nochmal versucht. Wir dürfen dann herausfinden, was nun der Fall ist.
Aber zurück zum Spielebogen: Sobald sie nebenher Spielen und Turnen kann, ging das plötzlich problemlos. Essen alleine ist scheinbar zu langweilig. Damals war es noch so, dass sie in dieser Situation mit mehrmaligen Anbieten 100-120g getrunkten hat. Fand ich damals schon wenig, aber da wusste ich ja noch nicht, wie sich das Ganze entwickeln wird.

Die aktuelle Situation
Denn nun ist es so, dass sie durchschnittlich 20-40g trinkt und dann die Flasche wegschlägt. Wenn ich sie ihr nochmals anbiete, trinkt sie manchmal noch 10-20g. So kommen wir- wenn wir Glück haben- auf 50-60g. Oft aber auch nur 30g. Und das nur unterm Spielen, auf dem Arm wird geschrien.
Ich turne also gefühlt den halben Tag auf dem Boden rum. Seit sich Lilly drehen kann, findet sie es auch ganz toll, sich MIT der Flasche unterm Trinken zu drehen. Logisch, dass eines davon dann nicht mehr funktioniert.
Ebenso logisch, dass sie dann nach kurzer Zeit -ca. 1h- wieder Hunger hat. Wobei Hunger bei Madame ja relativ ist, aber dann braucht sie ihre 20-40g. Rauszögern in der Hoffnung dass sie dann mehr trinkt, funktioniert nicht.
Gerade für unterwegs eine Katastrophe, auf dem Arm zu trinken ist ja selbst bei größtem Hunger unmöglich, dann werden lieber Sit-ups gemacht, ind er Gegens rumgeschaut und alles versucht, um die Flasche möglichst nicht in den Mund zu kriegen.

Die Ursachen

Hierüber kann ich nur spekulieren. Einerseits ist die Kleine sicherlich von Natur aus ein "schlechter" Esser und hat einfach weniger Bedarf. Und dann kam die ganze Kliniksituation hinzu, wo sie ja unbedingt den errechneten Bedarf "essen" musste- das Essen sah so  aus, dass die restliche Menge die nicht geschafft wurde, nachsondiert werden musste. Bis sie überlief. Ich habe hier darüber berichtet und ich denke, dies trägt auch zu einem gewissen Teil zur Abneigung gegen das Essen bei. Auch ein Erwachsener fühlt sich schließlich nicht wohl, wenn er überfressen ist, wie soll es denn da einem kleinen Baby gehen, das soviel reingepumpt kriegt, bis es oben wieder raus kommt?

Ich selbst habe durch diese ganze Situation ganz klar einen Trinkschaden davon getragen, mein Gefühl hat mir immer gesagt, dass das einfach zu viel ist. Die Argumentation der Ärzte war aber, sie brauche das, damit ihr Zucker nicht wieder fällt, damit sie dadurch genügend Kraft kriegt etc. Zu einem gewissen Teil nachvollziehbar und genau deshalb lebe ich ja immer noch mit der Angst, dass sie zu wenig zu sich nehmen könnte, dass die Nährstoffversorgung und die Entwicklung nicht mehr gewährleistet sind. Auch wenn ich mir sage, dass sich Babys das holen, was sie brauchen- die unterschwellige Sorge ist trotzdem da und dank der ganzen Anfangssituation eingebrannt. Möglicherweise übe ich damit auch unterbewusste einen Druck auf Lilly aus- wobei sie aber bei Herrn M. oder meiner Mama ebenfalls nicht trinkt.

Und letztlich kommt noch erschwerend hinzu, dass wir ihr -wohlgemerkt auf Anraten der Ärzte und der Hebamme- die Flasche bzw. den Sauger öfters reingezwängt haben, obwohl sie die ganz klar abgewehrt hat. Wir konnten sie dadurch zwar auch nicht zum Trinken animieren (die Kleine ist ja nicht dumm, wenn sie nicht will, will sie nicht!) aber der "Erfolg" davon war, dass sie immerhin den Sauger im Mund hatte. Wodurch sie den verständlicherweise nicht mehr gerne mag. Wer bekommt schließlich gerne was trotz Abwehrversuche in den Mund gestopft? Ich vermute, dass sich dadurch wirklich eine Art Flaschenphobie entwickelt hat.

Ich kann mich auch noch gut an eine Situation erinnern, wo ihr die Hebamme die Flasche samt Inhalt wirklich reingestopft hat und nicht aufgehört hat, als sich Lilly verschluckt und gehustet hat. "Das muss runter!". Danke. Lilly hat dabei erbärmlich geweint und nach ein paar Minuten alles erbrochen. Wenigstens sind wir selbst nie so weit gegangen, einem weinenden Kind die Flasche praktisch reinzukippen. Aber auch so ist es schon schlimm genug und rückblickend hätte ich mir wirklich eine Hebamme gewünscht, die das ganze eher relativiert hätte, statt sowas zu bringen und meine Sorgen noch zu schüren.


Die Lösung
Tja, da bin ich auf der Suche und ich weiß nicht, ob es eine gibt. Ich habe mir das Buch "Baby, warum isst du nicht?" gekauft und der Konsens ist im Endeffekt, dass man die Trinksituation ändern soll (ist notgedrungen ohnehin passiert, es geht ja nur noch im Liegen) und das Kind nicht zum essen zwingen soll. Das funktioniert bei der sturen (oder schlauen) Dame eh nicht, aber auch das 50malige Anbieten ist zu viel. Also biete ich ihr die Flasche nun an und wenn sie diese wieder wegschlägt oder den Kopf wegdreht, ziehe ich die Flasche raus. Wenn sie nach nochmaligen Anbieten nichts mehr trinkt, versuche ich es nach 10 Minuten nochmals. Wenn sie auch da nichts will, lasse ich es bleiben.
Beruhigend für mich war die U5, wo sie zwar nur 6600g bei 66cm wog, aber laut Ärztin trotzdem gut versorgt ist und halt zu den Schlanken gehört. Ich war so froh, dass sie trotz dieser Mikromengen auf ihrer Perzentile geblieben ist!

So ist die ganze Eßsituation zwar wirklich nicht schön (v.a. für mich), aber sie ist zumind. zum Teil wohl auch selbstverschuldet. Lilly hat einen klaren Instinkt, wieviel sie braucht und wir haben aus Sorge und aktiv angetrieben von Ärzten und der Hebamme ständig versucht, sie zum Trinken zu animieren.
Ich hoffe, dass sich das ganze wieder bessert und ich nicht stündlich in irgendwelchen unbequemen Positionen 30g füttern muss.

Aber zumindest werden wir den Fehler, das Kind zum Essen zu überzeugen, bei der Beikost nicht mehr machen!

Kommentare:

  1. Liebe Manati, das klingt wirklich nach einer belastenden Situation für euch. Gut nur, dass Lily gut entwickelt ist, dann wird es schon alles gut sein.
    Ich finde es gut, dass ihr versucht, damit umzugehen, statt Normmengen erzwingen zu wollen und drücke euch die Daumen, dass sich das Problem irgendwann legt. Wir haben mehrere sehr zierliche Babys im Bekanntenkreis, die nur mit ganz viel Trickserei und Schreierei zum Essen gebracht werden müssen (vor allem bei Abnahme durch Krankheit) und da blutet mir immer das Mamaherz.

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    1. Liebe Jessi,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Es ist tatsächlich meine Erfahrung, dass Zwingen oder Druck auszuüben gar nichts bringt, sondern alles nur massiv verschlimmert. Aber auch beim Versuch, es locker zu sehen und nichts erzwingen zu wollen, bleibt trotzdem unterschwellig immer eine gewisse Sorge bestehen. Aber ich bin sehr froh, dass sich Lilly offenbar trotzdem *normal* weiterentwickelt und arbeite nun eher am eigenen Gelassenbleiben ;-)
      LG

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  2. Hut ab vor deinem Bauchgefühl und dass du darauf hörst. Super!!!
    Ich verstehe deine Sorge und dass es dich nervt und euren Alltag kompliziert und anstrengend macht.
    Meine Meinung dazu:
    1. vielleicht braucht sie derzeit wirklich nicht so viel. Ich habe ein seeeehr großes und schweres Baby (5 Monate, 77cm, 10kg!!!!), das zuletzt auch eine 3-4wöchige Phase hatte in der er nur um die 50-70 ml getrunken hat und das obwohl er sonst immer 150-200 ml trinkt. Auch blöd und irritierend, auch wenn ich natürlich nicht Sorge haben muss, dass er vom Fleisch fällt ;)
    2. evtl mehr Beikost anbieten, gerade wenn du/ihr esst ihr auch mal 1-2 Löffelchen Brei (das was sie gerne mag, z.b. Obstbrei) anbieten. Evtl ist sie ja wirklich mehr an festerer Nahrung interessiert, dann die Chance nutzen!
    3. wie ist es nachts? Abends? Also wenn sie der Alltag nicht so ablenkt?

    Liebe Grüße!

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    1. Liebe Mrs fantastic life,
      ja, das gehört wohl zum Mama-sein dazu, dass man sich ständig sofort Sorgen macht :-§ Vermutlich braucht sie tatsächlich nicht so viel, denn ansonsten würde sie ja mehr als die Mikromengen trinken. Aber sag das mal einer trinkgeschädigten Mutter, die zudem noch von allen kirre gemacht wurde.
      Nachts war es eine zeitlang so, dass sie da noch normale Mengen getrunken hat (also so um die 100ml!), weshalb ich auch schon mal auf die Idee kam, es tagsüber in einem abgedunkeltem Raum zu versuchen. Das war Schreiterror pur, vermutlich hatte Ms. Neugierde in Person Sorge, dass sie etwas verpassen könnte!
      Nun trinkt sie auch nachts nur immer ihre homöopathischen Mengen- sie schreit, saugt ca. 30ml weg, dreht sich um und schläft ein. Andererseits ist es auch manchmal so, dass sie nachts wach wird, aber keinen Hunger hat sondern lediglich bespaßt werden will. In solchen Situationen wird die Flasche komplett abgewehrt.
      Beikost...dazu werde ich separat noch posten. Vom Brei ist sie auch nicht wirklich begeistert, außer Obstbreie, da gehen ein paar Löffelchen und die bisherigen Fingerfoodversuche (gab noch nicht viele) -naja, hier war das spannenste, das Zeug auf den Boden zu werfen :-D
      LG!

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  3. Ach Mensch, ich kann mir gut vorstellen, dass das für alle Beteiligten keine einfache Situation ist :( Ich hoffe eure Kleine wirft bald ihre Bedenken über Bord und sammelt genug positive Erfahrungen mit dem Essen, um die alten wieder zu vergessen =)

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    1. Danke für deine lieben Worte! Wir hoffen auch, dass es bald wieder einfacher wird...

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  4. Hallo Manati, ich lese hier von Anfang an mit. Bin selbst im Mai zum ersten Mal Mana einer Tochter geworden und hatte mehrere Monate ein Schreibaby... Heute möchte ich Dir schreiben und versuchen dir ein wenig Mut zu machen.

    Ich glaube, dass Du mit dem fingerfood/blw auf dem richtigen Weg bist. Ihr habt soviel beim füttern durchgemacht, dass selbstbestimmtes essen für euch alle besser sein könnte. Es erfordert zwar Geduld und viel Zeit, aber es lohnt sich sehr. Bei uns war es am Anfang auch so, dass alles auf dem Boden landete, aber inzwischen kommt viel im Bauch an. Selbst breiige Lebensmittel.

    Ich drücke Euch die Daumen, dass es bald besser wird :) glg

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    1. Ganz lieben Dank für das Erzählen deiner Erfahrungen! Ja, Geduld ist wirklich wichtig und eigentlich so gar nicht meins, aber ich *versuche* das nun alles ohne Zwang und mit Freude anzugehen und auch die täglichen Rückschläge bei der Beikost zu akzeptieren und nichts zu erzwingen. Nicht einfach, aber hilft ja nix.
      Dir alles Liebe mit deiner Kleinen, da hast du bestimmt schon einiges mitmachen müssen...
      LG

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  5. Du schreibst so toll. Mach weiter so.

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  6. hallo Manati,

    Ach herrje...

    Es hätte ja auch einfach mal etwas laufen können... :( Ich denke aber auch, dass Lilly sicher immer zu den schlanken Babys gehören wird und aus dem GVK kenne ich auch eine Mama, deren Tochter zur Zeit ganz schlecht trinkt und isst. Sie müsste wohl im ähnlichen Alter sein und kam auch zu früh. Aber auch der kleine Prinz ist zur Zeit wahnsinnig schnell abgelenkt beim trinken, wie viel er trinkt kann ich ja aber nicht feststellen. Manchmal sicher auch ein Segen.
    Richtig gut Brei isst er auch noch nicht. Vielleicht habt ihr auch noch nicht das allerliebste Lieblingsgemüse gefunden? Morgen gibt's hier Fenchel mit Kartoffel und Apfel (das Rezept hab ich via Twitter von diedianna!). Und die Tochter einer anderen Mama aus dem GVK mag anscheinend Erbsen total gern. Fingerfood mag T auch sehr gern, zur Zeit zerkatscht er mit Wonne (und seinen zwei Zähnchen) Toast, Apfel und Birne. Demnächst möchte ich auch noch Avocadotoast ausprobieren. Richtig super fand er auch Mango und Wassermelone. Vielleicht einfach mal durchprobieren? Und die Ruhe bewahren...

    Ganz liebe Grüße!

    Nele

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    1. Hallo Nele,
      oh, das Fenchel-Rezept klingt gut, ich werde dich mal antwittern ;-)
      jaaa, wir probieren und so durch- Obstbreie isst sie manchmal total gerne (manchmal allerdings auch nicht- z.B. wenn wieder in NingelNangel-Laune eh GAR NIX recht ist), Gemüse suchen wir immer noch und ich übe mich in Geduld mit täglichem zwanglosen Anbieten *ommmm*
      LG!

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  7. Ich hoffe, du machst dir keine Sorgen mehr, dass sie Zuwenig zu(sich)nimmt. meine kleine ist 29 Wochen und wiegt 6 kg bei 64 cm. gut, ich bin auch eher zierlich (1,57m), aber es stimmt wirklich, dass die Babys sich holen, was sie brauchen. auch ich habe mir an Tagen, an denen sie wenig getrunken hat, sorgen gemacht (sie wird noch ziemlich voll gestillt) aber man muss da wirklich ein bisschen vertrauen in das Baby haben. am Anfang habe ich sie auch immer mal wieder "animiert" noch mehr zu trinken, Ergebnis: alles kam prompt wieder raus... Liebe Grüße und ganz viel Kraft, Hanna

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