Samstag, 28. November 2015

Mein Zusammenbruch Teil II

Erst einmal vielen lieben Dank für Eure Kommentare! Es waren wirklich hilfreiche Tipps dabei und es tut auch gut zu wissen, dass man nicht alleine ist. Mir geht mittlerweile besser, aber erstmal der Reihe nach:
Am Tag nach meinem Zusammenbruch bin ich zu meinem Hausarzt gegangen, in der Hoffnung dass der mir irgendeine Therapie- Psycho-, Entspannung-, Streßbewältigung, ganz egal!- verordnet und/oder mir Adressen gibt, an die ich mich wenden kann. Tja, Pustekuchen. Der gute Mann war selbst sichtlich überfordert, ich saß heulend vor ihm und sein Kommentar war, er kenne mich als "psychisch stabile Person" (ich finde, daraus könnte man durchaus eine Karikatur machen- weinende Patientin am Rande das Wahnsinns, Arzt sagt, "Sie sind psychisch stabil"!). Auch wenn ich das sicher mal war, momentan bin ich alles andere als das! Er wusste nicht, wo ich mich hinwenden könnte, empfahl mir evtl. einen VHS-Kurs zur Entspannung und Globuli für die Nerven.
Also sorry, wenn ich selbst nicht noch alte Tavor daheim gehabt hätte, ich weiß nicht, wie ich mich an diesem Abend hätte beruhigen sollen...
Ich bin also am nächsten Tag zu meiner Schwester aufgebrochen und habe dort 2 Tage verbracht, während meine Mama bei uns Lilly gehütet hat. Dort ging es mir sehr schnell wieder richtig gut, das Gespräch tat mir sehr gut und ich fühlte mich wieder fitter und energiegeladener. Der Plan war, zukünftig für feste Auszeiten für mich zu sorgen, in denen sich Herr M. um die Kleine kümmert und ich auch wirklich das Haus verließ. Zudem wollte ich wirklich einen Entspannungskurs machen und auch eine Gesprächstherapie wurde angedacht, da ich die ganze erste schlimme Zeit, v.a. eben das Wegnehmen von Lilly, einfach nicht verarbeitet hatte. Doch ging es mir mittlerweile wieder so gut, dass ich das gar nicht mehr für nötig erachtete.

Dieser Zustand hielt allerdings nicht allzu lange an. Kaum wieder zurück, wurde meine Stimmung sukzessive schlechter und sobald das Geweine wieder los ging, liefen auch mir die Tränen runter. Zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wie ich den Alltag mit der Kleinen bewältigen sollte. Ich fühlte mich komplett leer und ausgelaugt.
Und das war der Startschuß wo ich merkte, dass "nur" Auszeiten wohl nicht genug sind. Ich telefonierte einige Psychiater und Neurologen ab, die Notfalltermine vergaben und wo man nicht 3 Monate warten musste.

Zwei Tage später hatte ich den Termin. Dieser war...bezeichnend. Ich kam mir vor, wie in einer SEHR schlechten Komödie. Der Mann war zwar durchaus freundlich, doch finde ích es sehr irritierend, wenn jemand ständig pseudo-verständnisvolle, über-empathische "mhmmmms" und "ahhhhhs" von sich gibt- und zwar mitten im Satz, wenn ich noch gar nichts "wichtiges" erzählt habe und nur meinen Namen sage!
Alleine den Besuch fand ich dann doch etwas erheiternd, die Diagnose die er nach exakt 5 Minuten gestellt hat, ist nicht ganz so toll. Entweder ich leide an einer postpartalen Depression oder an einer akuten Belastungsstörung(?). Er hat mir eine Verordnung zum Psychologen zur Therpie gegeben.

Hmm, ich weiß nicht, ob ich wirklich depressiv bin, ich dachte immer, man ist da todtraurig und antriebslos. Dies hat zwar in der Akutsituation zugetroffen, dieses Gefühl ist aber mittlerweile wieder komplett verschwunden und ich kann auch wieder lachen und mich freuen. Vielmehr bin ich aber nach wie vor total unentspannt, dauergereizt und inzwischen auch teilweise überfordert mit der Maus. Allerdings habe ich einige (psycho?)somatische Beschwerden, die wiederum für eine Depression sprechen: Schlaflosigkeit (auch wenn die Kleine pennt, ich liege dann wach daneben!), latente Kopf- und Rückenschmerzen, kein Appetit und demzufolge Gewichtsverlust.

Aber wie auch immer, egal was es letztendlich ist, ich denke eine Therapie ist -zusätzlich zu den Auszeiten und dem Erlernen einer Entspannungstechnik- auf alle Fälle nicht verkehrt, da ich die Anfangszeit wirklich traumatisch fand und es auch in der Folgezeit so viele belastende Sachen gab.
Mittlerweile geht es mir also wieder viel besser, aber ich denke das hängt auch damit zusammen, dass ich nun selbst "aktiv" werde und das Gefühl habe, etwas zu verbessern.

Ich befinde mich nun also auf "Therapeutensuche" und hatte da gestern schon so ein dermaßen schräges Erlebnis, das werde ich auf alle Fälle noch verbloggen!

Kommentare:

  1. Guter Plan! Mach das, ich denke auch, dass es hilft, selbst aktiv zu werden. Und Du hast den großen Vorteil, nicht ans Stillen gebunden zu sein...
    Zur Depression: ich dachte auch immer, da ist man müde, leer, antriebslos und suizidgefährdet. Ich war wütend, gereizt, aggressiv, überfordert und sehr traurig, habe mich nach früher gesehnt und viel getobt und geschrien. Ich glaube, das ist einfach eine andere Ausprägung von Depression. Feste Auszeiten sind ganz wichtig, der Nutzen zeigt sich erst nach einiger Zeit, nicht sofort. Ich drücke die Daumen!!
    Liebe Grüße!

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar, ich wusste gar nicht, dass sich eine Depression auch so äußern kann. Hast du eigentlich einen expliziten Blogpost zur postnatalen Depression verfasst? Ich meine mich zu erinnern, dass in einigen Posts von dir das am Rande immer mal wieder anklang...
      Du hast ja auch geschrieben, dass du da keine Hilfe in Anspruch genommen hast- wie ging es denn bei dir dann weiter? (sorry, falls du das doch verbloggt hast und ich es nur nicht gelesen hatte!)
      GLG

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  2. Gut, dass du was unternimmt. Nichts tun und abwarten ist selten eine gute Lösung.
    Wie geht es Lilly, hat sie sich auch beruhigt?

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    1. Lilly schreit nicht mehr so viel, ist allerdings im Dauerbespassungsmodus. Sprich wenn ich alle 5 Minuten was anderes aus dem Hut zaubere, mit ihr durchs Haus hüpfe und tanze und sie durch die Luft wirble, hat sie sehr gute Laune. Alleine beschäftigen geht ein paar Minuten gut (nicht immer) und dann ist wieder der Teufel los.
      Ich habe mir nun eine Ergobaby-Trage ausgeliehen, aber die findet sie auch nicht so toll.
      Alles in allem ist es recht anstrengend, aber das fiese Schreien lässt sich so immerhin oftmals verhindern.
      LG

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