Donnerstag, 10. März 2016

Ein Tag im Manati-Haus


6:30 Uhr: Ich vernehme ein leichtes Krähen aus dem Bettchen neben mir, untermalt von mehr oder weniger melodischen Gesängen, Geblubber und "Mamamaman"-Kreischen. Wenn der Tag so los geht, ist es meist ein guter. Die Alternative ist ein schreiendes Aufwachen, das deutlich signalisiert, dass Miss Maus noch todmüde ist, aber um nichts in der Welt mehr zum Schlafen zu bewegen ist. Hier kann die Zeit durchaus mal variieren und die Nacht gegen halb 5 enden. In sehr guten Nächten verschiebt sich die Aufwachzeit auch mal gegen 7, manchmal halb 8. Leider ist das viel zu selten der Fall.

Relativ sofort nach dem Erwachen müssen wir aufstehen. Ich würde ja gerne noch liegen bleiben und kuscheln, aber mein Kind ist keine Kuschelmaus. Auch meine Morgenhygiene würde ich sehr gerne durchführen, doch das funktioniert seit Wochen nicht mehr. Lilly ist wach- Lilly will aufstehen. Ich springe also nur schnell in eine rumliegende Jeans und wenn ich Glück habe, kann ich mir die Zähne schrubben und etwas Wasser ins Gesicht schmeißen. Alles weitere wird auf später vertagt.

6:40: Schlaftrunken versuche ich, ein quietschfiedeles Baby zu wickeln, das sich ständig auf den Bauch dreht und wegrobbt. Wehe, ich drehe sie wieder um. Dann ist Terror angesagt. Lautstarkes Gebrüll am frühen Morgen sind zu viel für meine Nerven- ich versuche, sie mit irgendetwas zu bestechen (Handy, Fernbedienung und am besten jedes Mal etwas neues) und stelle neue Geschwindigkeitsrekorde im Windeln und Anziehen auf.

6:50: Wir befinden uns im Wohn-Eßbereich, ich lasse mir meinen ersten Kaffee raus und bereite Lillys Flasche zu. Von dieser trinkt sie dann ein paar Schlucke, anschließend mache ich mir mein Frühstück und meine Tochter möchte in ihren Hochstuhl und mitessen. So gibt es nun Butterbrotstücken für sie, die ich ihr in ca.1 cm große Stücke schneide und in den Mund lege, die Rinde hält sie selbst und lutscht sie weich. Dazu kriegt sie ein paar Obststücke oder Obstmus und natürlich meinen Milchschaum. Auf diesen ist sie immer ganz wild und geiert richtiggehend danach. Ich auch. Parallel dazu frühstücke ich.

7:15: Lilly wird ungeduldig und möchte nicht mehr sitzen. Ich befreie sie und lege sie auf den Boden. Blöderweise möchte sie aber auch nicht, dass ich sitze. Ich begebe mich also auch auf den Boden und spiele etwas mit ihr, nach einigen Minuten beschäftigt sie sich oft kurzzeitig alleine. Aber nur, wenn ich mich nicht hinsetze. Also beginne ich, den Tisch abzuräumen, Pfannen vom Vorabend zu spülen o.ä. Hier robbt sie mir dann immer hinterher und ist ganz erfreut, wenn sie mich auf der anderen Seite der Kücheninsel heimgesucht hat.

7:45-10:00: Je nach Stimmungslage wechselt sich hier das gemeinsame Spielen mit dem Versuch, alleine zu Spielen und immer wieder mit einer Runde Tragen in der Manduca ab. Alles zwischendurch immer garniert mit kleinen Schrei- oder Wutanfällen.
Während des Tragens erledige ich ein paar Sachen im Haushalt. Und heißgeliebt: das Saugen. Unser Haus war noch nie so sauber, wie in den letzten Wochen. Da Lilly alles vollkrümelt und ständig jede Fluse am Boden isst (alternativ auch Tannennadeln, welke Blätter [ich weiß nicht, wo die her kommen] oder Putzbrökchen, die sie ständig mit ihrem Spielzeug von den Wänden schlägt), wird hier mind. einmal täglich gesaugt. Eher öfters. Und wie gesagt, ich weiß nicht, wieso bei dieser häufigen Saugfrequenz trotzdem ständig wieder etwas zum saugen da ist!

10:00: Bettgehzeit. Davor gibt es eine kleine Zwischenmahlzeit und dann gehts ab ins Bett. Obwohl Lilly in der Regel todmüde ist, gestaltet sich das Einschlafen oft sehr langwierig und mit phasenweisem Geplärre. Ich beruhige also (wenn es schlecht läuft, eine Stunde lang!) durch summen, singen, streicheln (aber bloß nicht kuscheln!), Bettchen schieben, Kuscheltuch reichen in Endlosschleife (dieses wird kurz beschnüffelt und dann weggeworfen- blöderweise will sie es aber immer wieder haben!). Wenn es gut läuft, schläft Madame aber auch mal innerhalb von 15 Minuten ein. Leider auch selten.

10:40: Lilly schläft. Und ich komme endlich dazu, mich fertig zu machen. Also schnell duschen, Haare waschen, fönen, Anziehen und ein wenig Make up ins Gesicht klatschen zur Retuschierung der Augenringe. Und es geht nicht mehr ohne Highlighter- habe ich früher nie benutzt, mittlerweile ist es das wichtigeste Utensil.  Kann ich jeder Mama nur empfehlen. Da ich mit der Körperpflege mittlerweile sehr rasch bin (na gut, ca 40 Minuten all inc., aber das ist doch schnell?!) habe ich -wenn es gut läuft- noch einmal 45 Minuten Zeit für mich. Vormittags pennt die Kleine meist knapp 1,5 Stunden. Ich trinke also meinen zweiten Kaffee und surfe nebenzu im Netz oder erledige nervigen Schreibkram, tätige Überweisungen etc. Erinnert euch: wenn Lilly da ist, darf ich ja nicht sitzen, ohne dass es Terror gibt.

12:00: Lilly erwacht, wenn sie guter Laune ist und fröhlich plappert, lasse ich sie noch ein paar Minuten alleine liegen, bevor ich sie hole. Anschließend geht es auf zum fröhlichen Wickelkampf (der sich im Übrigen auch den ganzen Tag immer und immer wieder wiederholt) und um 12:30 gibts Mittagessen. Den Mittagsbrei isst Lilly mittlerweile meist ganz gut -wenn sie dazu ein bißchen fingerfood bekommt-, womit ich nach den monatelangen Essensproblemen gar nicht mehr gerechnet habe.

12:45: Der Vormittag beginnt, sich zu wiederholen: Spielen, Tragen und parallel dazu Haushalt. Und anschließend kriegen wir dann entweder Besuch (Bespassungsprogramm für Lilly: ich treffe mich 2-3x wöchentlich mit anderen Müttern und deren Babys, da meiner Maus das inzwischen total taugt), fahren jemanden besuchen oder notfalls geht es einkaufen. Auch ein Punkt, den sie mittlerweile liebt. Und ganz tricky: ich umgehe so meist den Einschlafkoller am Nachmittag. Schlafenszeit ist um 15 Uhr, ich breche dann so auf, dass Lilly im Auto einschafen kann, denn dies funktioniert einwandfrei. Vorher gibts eine Flasche und wenn wir mal nicht mit dem Auto unterwegs sind, dann geht es ab in den Kinderwagen als Einschlafhilfe. Auch dies taugt ihr total.

15:10: Wir sind nach einem Besuch oder dem Einkaufen gerade auf dem Heimweg und Lilly schläft ein. Alternativ schiebe ich den Kinderwagen. Die Nachmittagsschlafdauer der Maus variiert von 30 Minuten bis zu 1,5 Stunden; wenn sie um 17 Uhr noch nicht wach ist (seltenst!), wird sie von mir geweckt.
Sollte ich doch einmal zu Hause sein, verschiebt sich der Einschlafzeitpunkt unter großem Gemecker garantiert um eine Stunde. Also wird dies möglichst vermieden.
In ihrer Schlafenszeit beginne ich, das Abendessen vorzubereiten oder setze mich manchmal auch einfach nur vor den TV und schaue Shoppingqueen ;-)

16:30: Miss Maus wird wach und unser Vormittagsablauf wiederholt sich erneut: Spielen und ggf. Tragen.

17:30: Abendessen. Lilly hasst sämtliche Milchbreie, egal welches Getreide, egal ob Milchpulver oder echte Milch. GOB isst sie manchmal- wenn ich ihr genügend Obstmus drunter rühre. In der Regel gibt es eine kleine Menge GOB, anschließend Gemüse und Nudeln oder Kartoffeln als Fingerfood, je nachdem, was ich eben für Herrn M. und mich koche.

18:00: Wir sind wieder in unserer Endlosschleife, ich koche nebenbei das Abendessen für Herrn M. und mich fertig. Entweder ist Lilly bei mir in der Manduca oder sie schaut mir zu und spielt nebenbei mit dem Schneebesen o.ä. auf dem Boden rum.

19:15: Herr M. kommt heim. Juhu! Eine knappe halbe Stunde Vater-Tochter-Zeit! (Ich schleiche zum Weinregal und köpfe eine Flasche)

19:40: Bettgehzeit. Ich schnappe mir Lilly, führe das Abendritual durch und gebe ihr noch etwas Milch. Das Einschlafen abends ist zum Glück meist kein Problem und ich bleibe bei ihr, bis sie schläft.

20:20: Dies ist jetzt der Fall, die kleine Maus ist eingeschlafen und ich bin ebenfalls ko. Erschöpft schleiche ich ins Eßzimmer.

20:30: Bei einem Glas Wein (an schlechten Tagen auch mal zwei...) gibt es nun unser Abendessen. Mein Fazit: die Tage sind lang und unsere Tochter schläft mir zu wenig. Das denkt sich wahrscheinlich jede Mama.

22:00: Ich krieche Richtung Bad und lasse mich dann neben der Maus ins Bett fallen. Heimlich lese ich noch ein paar Minuten unter der Bettdecke versteckt.

0:30: Der erste kleine Schrei. Im Schlaf. Lilly pennt weiter. Ich bin kurz wach.

2:30: Der nächste Schrei. Dieses Mal ist es Hunger. Oder Durst. Nach ein bißchen Trinken schläft Lilly zum Glück weiter. Ich brauche noch etwas, bis ich ebenfalls wieder schlafe.

4:30: Die Nacht beginnt unruhig zu werden. Die kleinen Schreie mit kurzem Weinen im Schlaf finden nun alle 30-40 Minuten statt.

5:45: Wah. Lilly ist wach und hundemüde. Kann nicht mehr schlafen. Weint. Alle Beruhigungsversuche schlagen fehl.

6:10: Ich kapituliere. Wir stehen auf.

Kommentare:

  1. Hallo Manati,

    Mich würde interessieren, ob du schon mal versucht hast den Vormittagsschlaf wegzulassen?

    Aus meiner Erfahrung mit mittlerweile drei Kindern, bedeutet die lange Zeit, die die kleine Maus zum Einschlafen benötigt, oft einfach nur, dass man auf diesen Schlaf verzichten kann.
    Natürlich bleibt dann noch weniger Zeit für dich, aber vielleicht habt ihr dann trotzdem weniger Stress und vielleicht schläft Lilly dann nachts auch besser.

    Viele Grüße
    Mama Maus

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    1. Liebe Mama Maus,
      danke für deinen Tipp. Ich habe mir auch schon gedacht, ob 2x Schlafen evtl. zu viel ist, nur leider trifft das ganz und gar nicht zu. Der Versuch, nur 1x tgl schlafen zu lassen bzw. auch zu einer anderen Zeit, ist kläglich gescheitert. Lilly ist dann dauermüde und den ganzen Tag nur noch am weinen und jammern.
      Sie hat diese Einschlafprobleme seitdem sie ca. 3 Monate ist; sie ist dabei wirklich müde, aber in den Schlaf zu finden gestaltet sich als unglaublich schwer und je müder sie wird, umso schlimmer wird es. (Problemlos läuft es hingegen im Maxicosi beim Auto fahren).
      Deshalb haben wir vor ca. 6 Wochen einen festen Rhythmus eingeführt (natürlich angelehnt an ihren natürlichen Rhythmus) in der Hoffnung, dass ihr dies evtl. das Einschlafen erleichtert- leider hat auch dies nicht gefruchtet.
      Ich bin für jegliche weitere Tipps dankbar!
      GLG, Manati

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    2. Hallo Manati,

      Bei einer Bekannten, deren kleine Maus auch immer so schwer in den Schlaf gefunden hat, hat exzessives Kinderwagenschieben geholfen.
      Ich weiß, du gehst meist nachmittags, aber eventuell würde eine kleine Runde am Vormittag den gewünschten Schlaf schneller bringen. Vielleicht könntest du die Kleine solange fahren bis sie einschläft und dann auch einfach im Kinderwagen liegen lassen?

      Ich weiß bei dem Vorschlag hast du noch weniger Zeit für dich und den Haushalt. Da hilft nur Augen zu und durch, es muss nicht immer alles perfekt sein. Ich halte mich da konsequent an den Spruch: Ordnung ist das halbe Leben, mit Kindern fängt die andere Hälfte an.

      Ansonsten kann ich dir nur empfehlen trotzdem jeden Tag mit der Kleinen zu genießen. Kinder werden so schnell groß und in ein paar Monaten sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

      Viele Grüße
      Mama Maus

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  2. Beim Lesen wird einem nochmal besonders deutlich, wie anstrengend (und gleichzeitig schön) der Alltag mit Baby sein kann. Von daher: Sei ruhig stolz auf dich und all das was du für deine kleine Familie leistest =)

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    1. Liebe Katharina,
      danke für deine lieben Worte. Anstrengend und schön trifft es ziemlich genau, je nach Laune der kleinen Dame überwiegt das eine oder andere. Insgesamt würde ich mir trotzdem kürzere Tage wünschen :-$
      GLG

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  3. So ähnlich verlief unser Babyalltag (zumindest mit dem Großen) auch, gegen (oder vor) 6 Uhr sofortiges Aufstehen ohne Kuscheln, zwischen 9 und 10 Uhr für 2h mit dem KiWa raus zum Schlafen, dann nochmal gegen 15 Uhr mit dem KiWa raus zum Schlafen und gegen 20:30 schlief er dann endlich. Ein elendig langer Tag, meist ohne Besuche, da andere Babys andere Rhythmen hatten und ihm das zuviel war.
    Ist der Papa morgens schon weg, wenn ihr gegen 6:30 Uhr aufsteht? Und kommt erst 19:15 wieder? Das ist aber lang! Könnte er theoretisch das Zubettbringen übernehmen und Dich abends entlasten? Oder lässt sie das nicht zu? Mein Mann machte dann wenigstens das Abendritual und ich stillte ihn dann in den Schlaf...
    Liebe Grüße und viel Kraft weiter!

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    1. Liebe Frühlingskindermama,
      ich habe echt den Eindruck, dass wir bzgl. den Kids (leider) einiges gemeinsam haben. Ja, die Tage sind scheiße-lang und ich bin sehr froh, dass der Mann zum Ausgleich für diese XXL-Tage(er verlässt auch schon immer früh das Haus!) auch immer mal einen ganzen Tag unter der Woche frei hat. Da passt er dann untertags auf die KLeine auf und übernimmt auch mal das abendliche Einschlafen (dies hat in der letzten Zeit bei ihm nicht mehr so gut geklappt, weshalb ich das seit Dezember fast ausschließlich gemacht habe; seit einigen Tagen ist es aber wieder viel besser).

      Jedenfalls entzerrt so ein Tag wirklich und wenn es die nicht gäbe, wäre ich wohl am Amok laufen. Mir graut auch immer, wenn er aufgrund von Urlauben der Kollegin komplett von Montag bis Samstag durcharbeiten muss, meist noch mit Notdienst *grusel*, danach bräuchte ich immer eine Woche Urlaub :-§

      GLG

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